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Gemeinderatssplitter

Gegenwind blies kräftig / Grüne wollen Informationsveranstaltung

Windkraft stand nicht auf der Tagesordnung der Walzbachtaler Gemeinderatssitzung. Dennoch prägte sie die Stimmung am gestrigen Abend. Die Besucher wurden schon vor der Böhnlichhalle mit dem Thema konfrontiert. Die Mitglieder der Bürgerinitiative Gegenwind (BI) hatten direkt an der Eingangstür ein Modell der auf dem Heuberg geplanten Windkraftanlage aufgestellt. An ihrem Fuß  machte die maßstabsgerechte Jöhlinger Martinskirche einen geradezu winzigen Eindruck.

Die BI hatte zu der Sitzung mobilisiert. Nicht zuletzt deshalb war sie mit 27 Besuchern außergewöhnlich stark frequentiert. Die anfängliche Fragestunde nutzten etliche Mitglieder der BI, um all ihre bekannten Einwände und Bedenken gegen die WKA vorzutragen: Naturzerstörung, Größe des Bauwerks, Gefährdung von Fledermaus- und Vogelarten, Beeinträchtigung der Gesundheit durch Schattenwurf und Schall. Ein Vorwurf ging an die Adresse des Bürgermeisters. Timur Özcan habe einen Referenten der BI als Gegenpart zum EnBW-Vertreter in die Gemeinderatssitzung angefragt, dann aber ohne Angabe von Gründen wieder ausgeladen. Der Verdacht stehe im Raum, dass dies auf Wunsch der EnBW erfolgte.

Viel helfen konnte der Bürgermeister bei der Beantwortung der Fragen nicht. Timur Özcan konnte nur ein ums andere mal bedauernd und schulterzuckend darauf verweisen, dass das Planungsrecht bei der Gemeinde Weingarten liege.

Die Vertreter der BI hielten bis zum Ende der Sitzung aus und nutzten die Gelegenheit zum Gespräch mit Bürgermeister und Gemeinderäten. Das wurde zusätzlich befeuert durch einen Antrag der Grünen. Sie beantragen, eine kommunale Informationsveranstaltung zu der Windkraftanlage, bei der die Bürger umfassende Informationen von beiden Seiten erhalten sollten. Sie soll ganz nach dem Vorbild einer Veranstaltung in Kraichtal stattfinden, bei der Kontrahenten friedlich ihre Meinungen austauschten.

Luftig bestuhlt und gut belüftet war die Böhnlichhalle

Zum ersten Mal seit Corona war die Sitzung nicht von Mundschutz tragenden Gemeinderäten geprägt. Die Zuhörer andererseits trugen ihn fleißig. Dabei wurde schnell deutlich: Die Masken sind gut für die Gesundheit, nicht aber für deutliche Artikulation. Alle Sprecher der BI waren mehr schlecht als recht zu verstehen, so lange sie am Mikrophon ihren Mundschutz trugen.

Wegen Corona blieben alle Türen der Böhnlichhalle wieder einmal weit offen, um Durchzug zu schaffen. War das in den vergangenen Monaten bei hohen Tagestemperaturen durchaus auch aus anderen als Corona-Gründen angenehm, wurde es gestern Abend gegen Ende dann doch recht frisch.

Zusätzliches Problem sind in der Situation die Kirchenglocken der direkt benachbarten Weinbrennerkirche. Bei offenen Türen übertönen sie jede Wortmeldung und so war von dem Vortrag von Schulsozialarbeiter Bernhard Lehr, der sich davon nicht beeinträchtigen ließ, über eine stattliche Strecke hinweg nichts zu verstehen.

Jutta Belstler gratuliert Bürgermeister Timur Özcan zur Geburt seines Sohnes

Der Abend begann allerdings noch vor dem Einstieg in die Tagesordnung mit einer freudigen Überraschung für den Bürgermeister. Jutta Belstler überreichte Timur Özcan im Namen des gesamten Gemeinderats ein Geschenk zur Geburt seines Sohnes Yunus, den der stolze Vater kinderwagenschiebend auf Facebook präsentiert hatte.

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Kommentare (10)

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    S.Fabry

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    Als Antwort auf: Gemeinderatssplitter
    „An ihrem Fuß machte die maßstabsgerechte Jöhlinger Martinskirche einen geradezu winzigen Eindruck“
    ??? Das soll die Jöhlinger Martinskirche sein? Möglich, dass ich es an den Augen habe….

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      Zuhörer

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      Das mit ihren Augen kann ich nicht beurteilen. Kann aber auch daran liegen, dass das Windrad einfach zu groß ist. Und jetzt bitte nicht wieder zweifeln. Maßstab 1:100: Windrad 247m, Kirchturm: 35m. Das ist dann eben das Modell-Ergebnis.

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        S.Fabry.

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        Abgebildetes Modell ist die Wössinger Kirche und nicht St.Martin. Die Höhen der Kirchen sind mir allerdings nicht bekannt. Und ja, ich gebe Ihnen Recht, DIE Windräder sind zu groß. Und wenn ich dann noch den verlinkten Artikel von Obelix zum nachfolgenden Artikel lese… mir wird schlecht, wie rücksichtslos grausam mit unserer Natur umgegangen wird. Wo sind sie, die Natur schützen wollenden Grünen? Um die eigenen Ideologien umzusetzen wird sprichwörtlich über „Leichen“ gegangen.

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          Ernst

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          Als Antwort auf: Gemeinderatssplitter Als Antwort auf: S.Fabry.
          Ohne mich jetzt persönlich angegriffen zu fühlen, da ich keiner Partei angehöre, möchte ich zu dieser Passage etwas loswerden. Könnte es vielleicht sein, Dass Sie versuchen eine politische Richtung zu diffamieren, ohne sich darüber Gedanken zu machen, dass ein Entscheidungsprozess die Bewertung vieler Faktoren beinhaltet. Also spielt die Abwägung der Vorteile (z.B. emissionsarmer Strom) ebenso eine Rolle, wie die Nachteile (z.B. Naturverbrauch, Kollateralschäden…).
          Wenn Ihnen Ihre Aussage der letzten Passage selbst ernst nehmen, dürften Sie sich z.B. nicht mehr ans Steuer eines Kraftfahrzeugs setzen oder (fossilen) Strom verbrauchen, da hierbei auch viele Lebewesen getötet, Rohstoffe benötigt werden und Emissionen entstehen. Im Gegensatz zu einem Windrad oder einem Solarpark amortisiert sich ein KFZ oder ein konventionelles Kraftwerk auch niemals. Zugegeben, früher befanden sich nach einer längeren Autofahrt mehr Insekten auf der Scheibe als heute, was aber meines Erachtens nicht unbedingt mit effizienteren Fahrzeugen zu erklären ist.

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            S.Fabry

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            Als Antwort auf: Gemeinderatssplitter Als Antwort auf: Ernst
            Es ist und bleibt Wahnsinn einer Grünen Ideologie. Umweltschäden erkannt schon vor Jahren bei wesentlich kleineren Windrädern:
            https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/gastbeitrag-wie-windraeder-die-umwelt-zerstoeren-12706786.html
            Gibt es eigentlich Studien über die Schäden die von Offparks in den Meeren ausgehen? Da werden zwar keine Lebewesen wie Vögel geschreddert, wer aber denkt an die Meeresbewohner mit ihren äusserst empfindlichen Geräuschewahrnehmungen? Mit aber Vergleichen wie Autos, Windschutzscheiben und dergl. … Achso, ganz vergessen hab‘, der einfache Bauer ist ob Insektensterben ja auch noch schuld….Vergiss es einfach! Diese ganze umweltschädliche Energiegewinnung ist und bleibt Grüne Ideologie. Geht es um eigene Interessen, ist die Umwelt egal. Siehe auch und nicht nur Hambacher Forst z.B.
            Danke für Ihre Aufmerksamkeit. Thema ist für mich abgeschlossen.

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            Ernst

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            Als Antwort auf: Gemeinderatssplitter
            Antwort auf S. Fabry: Ihr Link zu einem Artikel verweist auf einen Gastbeitrag in der FAZ, der die Meinung eines Politikers widerspiegelt. Das hat mit Wissenschaft und neutraler Untersuchung nichts zu tun, Es ist unbestreitbar, dass Bauwerke Auswirkungen auf ihre Umwelt haben. Das gilt genauso für Häuser usw. Ketzerisch könnte man jetzt in Ihrer Manier ausrufen, dass Ortschaften ganze Kulturlandschaften zerstören und nicht nur das, sie sind auch durch Schneisen der Verwüstung (Strassen) miteinander verbunden. Fakt ist aber, irgendwo müssen wir wohnen und gerne noch unseren Strom von irgendwoher beziehen. Windräder sind momentan die schonendste Art (alle Schäden eingerechnet), welche es momentan gibt. Nix gibts umsonst. Die alternative oder Ergänzung wäre den Energieverbrauch drastisch zu reduzieren. Hätte man schon vor Jahrzehnten auf die Grünen beziehungsweise Wissenschaft gehört, müssten die Schritte heute nicht so überstürzt erfolgen.

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    Madro

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    Für mich persönlich geht es nicht vorrangig um Insektensterben, Infraschall, Immobilienwertverlust und diese Themen, da kann man diskutieren, bis man schwarz wird.
    Es gibt genügend Berichte und Untersuchungen zu jeder Seite! Für mich stellt sich die Frage (und die sollte sich jeder für sich auch stellen, wenn es um solche Eingriffe in die Natur geht):
    Steht der zu bringende Aufwand in einem gesunden Verhältnis zum erwarteten Ertrag? Für mich stimmt dieses Verhältnis einfach nicht.

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      Werner Kuhn

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      Als Antwort auf: Gemeinderatssplitter Als Antwort auf: Madro
      Ich muss hier absolut „Madro“ recht geben. Um was geht es denn? In Deutschland ist eine Überproduktion von Strom, welcher gar nicht verbraucht wird, da wir immer noch keine Nord- Süd Trasse in Deutschland haben. Im Norden werden durch zig tausend Windkraftanlagen Strom produziert und für wen? Bevor dieses Thema behandelt wird, macht euch mehr Gedanken und auch mal Ergebnisse für die Umfahrung des Schwerlastverkehrs in Jöhlingen. Strom ist massig da und er wird auch durch diese Anlagen in Jöhlingen nicht billiger!

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    M. Krause

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    Die von Joseph Ehbauer verlinkte Studie „Negative Effect of High-Level Infrasound on Human Myocardinal Contractility: …“ klingt erschreckend und scheint zu belegen, dass Menschen am „Lärm“ von Windrädern erkranken.
    Darin kann man lesen, dass es sich um ein Experiment an OP-Abfall von Herzmuskeln von 18 Patienten handelt. Die Herzmuskel-Proben wurden dabei 60 Minuten lang mit 100,110 und 120 dB mit einem Sinuston von 16Hz beschallt und dabei die Veränderung der Muskelkontraktion gemessen.
    Sobald die Coronapause vorbei ist, empfehle ich sich direkt vor eine Lautsprecherwand bei einem Großkonzert zu stellen und dabei seinen Puls zu messen. Da gibt es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Lautstärke und Herzfunktion.
    Historisch gesehen erinnert mich der Studienaufbau an die Experimentierfreude, mit der in den Neunzigerjahren belegt wurde, dass Handystrahlen das Gehirn „garen“.

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    Raimund Würtz

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    Wissen versus Macht
    Was nützt es, die Wahrheit zu kennen, ohne im Besitz der Macht zu sein? Nichts!
    Jeder weiß, was Lärm bewirken kann. Und trotzdem ein sich schlau einbringendes, ignorantes Kontingent. Wer kennt nicht die Todesstrafe durch Lärm im alten China? Wer nicht die Folter, die in heimischen Burgverliesen Verurteilte zum Wahnsinn (Tod) mittels Lärm führt? Jeder! Jeder einigermaßen Gebildete!
    Gedanken werden unterbrochen, mit der impertinentesten Form der Unterbrechung, dem Lärm. Letztendlich gar zerbrochen. In einer Welt, in der nichts zu unterbrechen ist, wo jeder und alles laut ist, wird das freilich nicht sonderlich empfunden. Wer Schaden, Opfer benennt, wird mit Lärm unhörbar, nicht mehr wahrnehmbar gemacht.

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