Gegenseitige Vorwürfe

Gondelsheimer Gemeinderäte über Weg zum Baumschutz uneins

Im Prinzip sind sich SPD-Mann Christian Feldmann und der Grüne Roland Fella einig: Bäume sollten in Gondelsheim nicht nur außer-, sondern auch innerorts geschützt werden. Dennoch kam es in der letzten Gemeinderatssitzung zu einem Zwist zwischen den beiden über dieser Frage.

Als der grüne Fraktionsvorsitzende sehr deutlich sein Entsetzen über eine Baumfällaktion in der Uhlandstraße zum Ausdruck gebracht hatte („mir blutet das Herz, mir kommen die Tränen“), wies Feldmann den Grünen eine Mitschuld zu: „Hättet Ihr für das Baumkataster gestimmt, könnten die Bäume noch stehen“.

Das trieb Roland Fella die Zornesröte ins Gesicht: „Das regt mich furchtbar auf, dass er es so darstellt, als ob wir dagegen gestimmt hätten“. Die Grünen hätten dem von der SPD beantragten Baumkataster nicht nur einstimmig zugestimmt, sondern hätten auch eine Baumschutzverordnung befürwortet. Aber einen solchen Antrag habe die SPD gar nicht gestellt, monierte Fella. Genau deshalb habe er nur sehr wenig Verständnis für den Vorwurf von Christian Feldmann, die Grünen hätten sich dieser Abstimmung verweigert.

Erneut einig war sich Fella mit Feldmann allerdings in der Einschätzung, dass eine Baumschutzverordnung, die private Grundstücke umfasst, keine Mehrheit im Gemeinderat gefunden hätte. Sondierungen der SPD im Vorfeld, die Feldmann im Gespräch mit den BNN bestätigte, hätten ergeben, dass bei Gegenstimmen von CDU und FWV der Antrag keine Mehrheit im Gemeinderat gefunden hätte. Der Antrag sei deshalb von der SPD nicht gestellt worden.

Für Christian Feldmann ist damit allerdings das letzte Wort noch nicht gesprochen. Als einer, der zusammen mit Steffi Bauer derzeit an der Ausarbeitung des vom Gemeinderat beschlossenen Baumkatasters arbeitet, ist ihm klar: Nur die Baumschutzverordnung berechtige die Gemeinde, schützenswerte Elemente tatsächlich unter Schutz stellen zu können. Das sei das einzige Mittel, das einer Gemeinde zur Verfügung stehe. Das müsse schnell umgesetzt werden.

Für die Eile gibt es einen Grund: „Wir haben die Sorge, dass ein Investor beispielsweise den Schlosspark platt machen könnte“. Das drohe zwar aktuell nicht. „Aber das kann sich von heute auf morgen ändern“, fürchtet Feldmann. Für den Fall müsse man mit einer Baumschutzverordnung gewappnet sein.

Die Folge des Scheiterns der Baumschutzverordnung werden derzeit offenbar. Kurz bevor im März die Verbotszeit zum Fällen von Bäumen beginnt, seien in der Uhlandstraße Tatsachen geschaffen worden. Dort wurden an die 25 große, alte Bäume gefällt, beklagt Roland Fella. Das sei ein Bereich gewesen, der viel fürs Binnenklima getan habe, Wasser zurückgehalten und Schatten geworfen habe. Fella befürchtet, dass diesem Abholzen ähnliche Aktionen in Gondelsheim folgen werden. Für ein weiteres derartiges Grundstück liege schon ein Bauantrag vor.

Er fühle sich in einem Dilemma. Das ganze spiele sich auf Privatgrundstücken ab. Dort habe man keinen Einfluss, denn in den historischen Gebieten gebe es keine Baupläne, mit denen man regulierend eingreifen könne. Er sei sich bewusst, dass alles was auf diesen Flächen passiert absolut rechtmäßig ist. Wer aber für die Zukunft Verantwortung zeigen wolle, der müsse über so etwas reden, meint Roland Fella. Die Innenverdichtung sei nicht immer das Maß aller Dinge. Eine Baumgruppe im Dorf sei mitunter klimatechnisch viel höher einzuschätzen als ein Acker am Dorfrand, der in ein Neubaugebiet verwandelt werde. Angesichts dessen stimmt er versöhnliche Töne an: Gerne würde er mit Christian Feldmann zusammen für eine Baumschutzverordnung stimmen, versicherte der Grüne.

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