Gedenktag aus Respekt vor Millionen Opfern

Heute wird bundesweit der Volkstrauertag begangen. Auch in Walzbachtal. Während eines ökumenischen Gottesdienstes in der Jöhlinger katholischen Kirche Sankt Martin hielt für den verhinderten Bürgermeister Timur Özcan seine Stellvertreterin Jutta Belstler die folgende Rede (Wortlaut):

Der Volkstrauertag ist ein Tag des stillen Gedenkens an alle Opfer von Krieg und Gewalt und sollte für uns heute auch ein Tag der Besinnung sein, wie wir heute auf Krieg, Gewalt und Terror in dieser Welt reagieren, was wir heute für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit und menschliches Miteinander in unserer Welt tun können. Hier ist jeder Einzelne gefordert, sich diese Fragen zu stellen und gemäß seinen Gaben, Fähigkeiten und seiner gesellschaftlichen Verantwortungsfunktion Antworten für sich und die Gesellschaft zu geben.

Brauchen wir heute, wo bereits Kinder der 3. Nachkriegsgeneration geboren werden noch solche Gedenktage? Nicht nur die Tradition, sondern unsere Einsicht lehrt uns, dass wir solche Gedenktage dringend brauchen. Wir brauchen sie aus Respekt vor den Millionen Opfern von Krieg und Gewalt.

Wir brauchen diese Momente des Innehaltens, des Nachdenkens genauso wie Orte des Gedenkens, damit das was geschehen ist nicht verdrängt und vergessen wird. Diese Momente des Erinnerns sind wir gerade auch der jungen Generation und künftigen Generationen gegenüber schuldig, damit sie ihre Schlüsse und Lehren ziehen und sich für ein besseres Miteinander einsetzen.

Das nationale Gedächtnis, das eine identitätsstiftende Wurzel unseres Verständnisses für unseren Staat und die Gesellschaft ist, braucht Stützen der Erinnerung und Gedenktage, wie den heutigen.

Wir gedenken heute:

  • aller Völker, die durch den Krieg gelitten haben oder derzeit leiden,
  • ihrer BürgerInnen, die verfolgt wurden oder werden und ihr Leben verloren haben,
  • der Gefallenen beider Weltkriege,
  • der Unschuldigen, die durch Krieg und Folgen ihre Heimat verloren haben oder in der Gegenwart verlieren und bei der Vertreibung ums Leben gekommen sind,
  • aller Menschen, die umgebracht wurden wegen ihrer Abstammung, ihrer Religion, politischen und persönlichen Orientierung oder deren Recht auf Leben geleugnet wurde,
  • aller, die Opfer der Gewaltherrschaft wurden oder gerade sind,
  • der Frauen und Männer, die im Widerstand gegen die Gewaltherrschaft ihr Leben opferten.

Nicht zu vergessen,

  • das ist der Sinn unserer Zusammenkunft heute hier,
  • das bedeutet, sich um Versöhnung zu bemühen,
  • das ist die Mahnung an uns alle, die die Zukunft gestalten und prägen,
  • ist die Mahnung an uns, Wissen und Erfahrung an die nächsten Generationen weiterzugeben,
  • die Mahnung an uns, die wir auch heute mehr denn je gefordert sind rechtsextremen, rassistischen und nationalistischen Tendenzen Einhalt zu gebieten.

Mit gegenseitigem Vertrauen, durch Verständnis, Toleranz und Respekt können wir jede/r Einzelne von uns dazu beitragen.

Der heutige Tag soll uns Zuversicht schenken, Frieden zu schaffen und zu erhalten und unseren Zusammenhalt zu festigen, denn wir entscheiden mit darüber, wie das 21. Jahrhundert verlaufen wird. Der Volkstrauertag ist ein Tag der Erinnerung und der Besinnung, der Erinnerung an Krieg und Gewalt und des Gedenkens an die Toten. Wir verneigen uns in Trauer vor ihnen und bleiben ihnen verbunden in der dauerhaften Verpflichtung sich für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit aktiv einzusetzen.

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