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Gebetsmühlen

Den Emissionsbericht des Wössinger Zementwerks für das Betriebsjahr 2015 hat der Walzbachtaler Gemeinderat zur Kenntnis genommen. Der positiven Bilanz, die Umweltleiter Tino Villano und Werksleiter Stefan Schenk vorlegten, begegneten Vertreter aus den Fraktionen der SPD wie der Grünen mit kritischen Fragen. Tino Villano verwies auf die hohe Verfügbarkeit der Emissionsmessgeräte. Sie liege durchschnittlich bei 98,9 Prozent, bei der Quecksilber und Kohlenstoff sogar bei 99,5 und 99,8 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr habe es deutliche Verbesserungen bei Ammoniak und Staub. Die selbst gesetzten und noch schärferen als gesetzlichen Grenzwerte für Quecksilberausstoß würden eingehalten. 2014 seien sieben Mal die Tagesmittelwerte überschritten worden, 2015 nur noch drei Mal, im laufenden Jahr noch gar nicht. Alle Jahre wieder sei das Werk stolz darauf, die Grenzwerte der giftigen Stoffe zu einem hohen Prozentsatz einzuhalten, zeigte sich Silke Meyer von den Zahlen nicht beeindruckt. Die SPD-Fraktion bitte „gebetsmühlenartig mindestens einmal im Jahr das Werk bei jeder Vorstellung des Emissionsberichts darum, nicht nur die Grenzwerte einzuhalten, sondern mehr als das Notwendige zu tun und die neueste Technik einzusetzen.“ Die Fragwürdigkeit der Grenzwerte habe erst jüngst eine Entscheidung des Regierungspräsidiums unter Beweis gestellt. Nachdem die Grenzwerte für Kohlenmonoxid und für Gesamtkohlenstoff nicht eingehalten werden konnten, sei vom Regierungspräsidium der Antrag auf Erhöhung der Grenzwerte genehmigt worden. Die Ohnmacht der Gemeinde sei mehr als bedauerlich. Umwelttechnik koste zwar Geld und schmälere die Gewinnrate des Unternehmens. Die Wahrung der Gesundheit aller müsse aber eine Verpflichtung des Werks sein, forderte Meyer. Der Umweltleiter verwies auf die außergewöhnlichen Anstrengungen, die im Wössinger Zementwerk unternommen würden. Drei Mitarbeiter arbeiteten ausschließlich in Umweltbereich. Das Wössinger Zementwerk sei das erste bundesweit gewesen, das Aktivkohle eingesetzt habe. Die Luftreinhaltemaßnahmen würden über das Übliche hinausgehen. „Die Bedingungen der besten verfügbaren Technik erfüllen wir zu 100 Prozent“, meinte Villano. Die von der SPD wie von den Grünen als Allheilmittel geforderte kontinuierliche Eindüsung von Aktivkohle würde andere unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen. 80.000 Tonnen oder 3.000 LKW-Ladungen Filterstäube wären dann so belastet, dass sie nicht mehr in den Brennprozess zurückgeführt werden könnten, sondern als Sondermüll entsorgt werden müssten. Es würde außerdem zu einer Beeinträchtigung der Zementqualität kommen. Andrea Zipf hatte für die Grünen festgestellt, dass die Werte für den Quecksilberausstoß in den vergangenen Jahren erheblich niedriger gewesen seien. Bei der Eindüsung von Aktivkohle dürften aber solche „Ausreißer“ nicht vorkommen. Ihr Fraktionskollege Michael Futterer brachte die grüne Sorge zum Ausdruck, dass zwar niedere Grenzwerte eingehalten werden, aber die Gesamtlast steige. Er schloss sich wie später auch Bürgermeister Karl-Heinz Burgey der Meyerschen Forderung an, der Gesetzgeber müsse hier verschärfend aktiv werden.

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