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Garten als Alternative

Den ausgefallenen Urlaub gestalten viele ganz anders

In Corona-Zeiten fällt für viele der Urlaub aus. Gut dran ist da, wer entweder den eigenen Garten rund ums Haus oder einen kleinen Schrebergarten sein eigen nennt. Dort kann man seine fünf Wellness-Sterne alternativ ganz nach eigenem Gusto organisieren und planen. In und rund um Bretten tun das viele.

Besonders privilegiert sind in der Beziehung die Besitzer eines Schrebergartens. Die reihen sich in einem kleinen Streifen oberhalb der Brettener B35 auf wie Perlen an der Schnur. Dort regt sich kein Nachbar über Grillrauch auf. Die meisten sind eh selbst am Grillen. Das hat etwas mit dem landsmannschaftlichen Hintergrund der Besitzer zu tun. Meist sind es Türken oder türkisch-stämmige Pächter. „Das ist ganz einfach unsere Natur. In der Türkei darf man überall grillen“, meinen Samed und Ufuk Esen, während sie ihre Sucuk auf den Rost ihres luxuriösen Grills legen. Die beiden Cousins haben es sich daneben mit einem Samowar gemütlich gemacht. Samed Esen schmaucht an einer Wasserpfeife. Hier ist es gut sein, das sieht man ihm an.

Die Cousins sind zu Gast bei ihrem Onkel. Kerim Coskun residiert auf stattlichen 1700 Quadratmetern. Wenige Meter oberhalb der B35 hat er ein wahres Kinderparadies geschaffen mit Trampolin und einem kleinen Pool. Dort frönt auch er selbst seinem Hobby, einer kleinen Wachtelzucht. In dem selbstgebauten Gehege scharren immerhin 40 Kleinvögel im Sand. Die hütet er wie seinen Augapfel, denn: „Die Eier sind viel besser als die von Hühnern!“ sagt er stolz.

Ohne den Garten könne er sich ein Leben in Bretten gar nicht vorstellen, sagt Coskun. Hier verbringe er die Zeit mit seiner Familie. Das kann dann schon einmal eine größere Gesellschaft werden mit zwei bis drei Familien und bis zu 25 Onkel, Tanten und Cousins auf dem Grundstück, das sich in seiner Weitläufigkeit dafür anbietet.

Wenige Meter davon entfernt hat Mehlika Cicek ihr kleines Reich aufgebaut. Bis zu ihrer Pensionierung vor drei Jahren sei Erde für sie Fremdwort gewesen, lächelt sie. Aber seither arbeitet die in Istanbul Geborene sehr gerne in ihrem Schrebergarten und baut zusammen mit ihrem Mann die ganze Gemüsepalette an. Von der Aubergine bis zur Zucchini ist alles vertreten, aber auch Erdbeeren und Himbeeren. „Das ist für mich nicht Arbeit, sondern Erholung“, sagt sie. Besonders stolz ist sie auf ihre Blumen: „Sie sind für mich wie meine Kinder“. Ein Tag, an dem sie nicht in ihren Garten gehen kann, ist ein schlechter Tag für sie. Das hat sich mit Corona („Ich gehe kaum noch raus“) verstärkt. Höchstens zum Einkaufen geht sie in die Stadt. Ansonsten sei sie in ihrem Garten und „das ist für mich ein wenig so wie Urlaub“.

In der Kleingartenanlage in den ehemaligen Oberderdinger Seegärten hat Sigrun Schreder Izsak ihr Revier. Urlaub ist nicht gerade das Gefühl, das sie im Moment damit verbindet, gesteht sie. Schließlich werkelt sie schon seit zwanzig Jahren am Anbau von Beeren, Obst, Kartoffeln. Regional erzeugte hochwertige Produkte, das schätzt sie sehr, aus dem eigenen Garten umso mehr.

Am Wössinger Ortsausgang Richtung Stein liegt ein vergleichbares Stück Land. Yilmaz Saban und seine Frau Hawwa haben das 200 Quadratmeter große Grundstück schon seit 30 Jahren gepachtet. Auch sie bauen dort vor allem Gemüse an. Seit zwei Jahren schon waren sie nicht mehr in ihrer Heimat am Schwarzen Meer. Umso lieber sind sie auf ihrem Grundstück an der Steinerstraße. Dort trifft sich die ganze Familie mit der Schwiegertochter Güleser und den Enkeln Ismael und Sümejje. „Wir waren schon zwei Jahre nicht mehr im Urlaub. Deshalb ist es umso schöner auf dem Fleckchen an der Steinerstraße“, übersetzt Schwiegertochter Güleser. Bei gutem Wetter ist die Familie jeden Tag hier und grillt am Wochenen de.

Bei Nachbar Recep Kuz ist es besonders gemütlich. Dort bullert ein Samowar. Die Gäste erhalten selbstverständlich einen türkischen Tee. Eine Tante läuft mit einem großen, dampfenden Tontopf ein. Zwei Kilo Kartoffeln, zart gegart kommen mit Salz auf den Tisch und alle langen kräftig zu. In der Runde ist auch Nachbarin Thea Petersen. „Hier ist es wunderschön wie im Urlaub, sehr, sehr ruhig“, lobt sie die Runde, die unter einem überkragenden Pflaumenbaum Schutz vor der sengenden Sonne genommen hat und immer größer wird. Auch hier simmert ein Samowar. Die Gäste erhalten wie selbstverständlich einen Cay und fühlen sich ein bisschen wie im Urlaub im türkischen Antalya.

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