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Freigeist zurück in der Flasche

Aus umstrittenem Namen wird „Speyerer Hof“ für neuen Jöhlinger Kindergarten
Den Namensvorschlag „Freigeister“ für einen Kindergarten lehnte der Walzbachtaler Gemeinderat in seiner letzten Sitzung ab. Befürchtet wurden negative Auswirkungen auf die Bereitschaft zum Engagement im Ehrenamt. Mit dem Namen würde Atheismus gefördert. Die Konzeption wurde an etlichen Details kritisiert. Einfach mit einem neuen Namensvorschlag in den Gemeinderat zu gehen, dabei wollte es Karl-Heinz Burgey nicht belassen. Er nutzte die Gelegenheit zur Generalabrechnung mit den in der letzten Sitzung gefallenen Äußerungen und rollte den Konflikt noch einmal von vorne auf.

Er klebe nicht an dem Begriff „Freigeister“, betonte er. Was mit dem Begriff assoziiert werde, das wies er allerdings aufs Schärfste zurück. Schließlich habe der Bericht in den BNN hohe Wellen geschlagen. Eltern hätten verunsichert reagiert. Diese Außenwirkung wolle er einfach so nicht stehen lassen, „schließlich haben wir einen guten Ruf zu verlieren“, sagte der Bürgermeister.

Insbesondere den Vorwurf der Atheismus-Förderung wies Burgey zurück. Das untermauerte er mit dem Blick auf die erfolgreiche pädagogische Arbeit in den bereits bestehenden drei kommunalen Walzbachtaler Kindergarten. Dort würde streng nach dem Orientierungsplan der baden-württembergischen Landesregierung gearbeitet, der „Mutter aller Dinge“ wie der Bürgermeister schon in der letzten Sitzung betont hatte und jetzt noch einmal wiederholte. Als Zeuge führte er Anette Schavan an, die als Mitautorin und jetzige deutsche Botschafterin am Vatikan ebenso frei von jeglichem Verdacht des Atheismus sei wie etliche andere Mit-Autoren.

„Wir haben uns das Konzept nicht aus den Fingen gesaugt“, wurde Burgey drastisch und wies die „philosophische Diskussion um den Namen“ zurück. Den Bezug zur Montessori-Pädagogik als Hindernis für das Ehrenamt zu betrachten, mochte er ebenso wenig stehen lassen. In den Walzbachtaler Kindergärten müsse auch den konfessionslosen Eltern ein Angebot gemacht werden. Das untermauerte der Bürgermeister mit einer überraschenden Statistik aus einem Wössinger Kindergarten, der sechs katholische, 24 evangelische und 40 konfessionslose Kinder zähle.

Die neue Leiterin des Kindergartens unterfütterte die Aussagen des Bürgermeisters mit Zitaten aus dem Orientierungsplan. Ausführlich beschrieb sie die pägagogischen Grundlagen des neuen Kindergartens, die auf dem baden-württembergischen Orientierungsplan beruhten.

Nach dieser Philippika ruderte der ein oder andere Gemeinderat zurück. Andrea Zipf (Grüne) sah sich durch den Bürgermeister falsch interpretiert. Ihre Aussage, sie sei froh, als Mutter selbst nicht mehr über die Wahl des Kindergartens entscheiden zu müssen, habe einen ganz anderen Bezug gehabt. Karin Herlan (SPD) legte Wert darauf, dass Kritik nicht vom Gesamtgemeinderat, sondern von einzelnen vorgebracht worden sei.

Überraschend dann der neue Vorschlag für den Namen des Kindergartens.An den „teilweise kuriosen Namen, die man im Landkreis finden kann“, wolle sich die Gemeinde nicht orientieren. Aus den zurückgezogenen „Freigeistern“ solle ein neutrales „Speyerer Hof“ werden, verkündete Karl-Heinz Burgey. Silke Stephan sah damit den gewünschten Ortsbezug hergestellt. Nicht alle Gemeinderäte waren damit glücklich. Beate Müller (SPD) bedauerte, dass die vier Namensvorschläge nicht zur Diskussion gestellt wurden, die die SPD eingereicht hatte. Unterstützt wurde sie von Martin Sulzer (CDU). Er wies darauf hin, dass die CDU schon in der letzten Sitzung einen Vorschlag gemacht hatte, der keine Berücksichtigung fand. Der „Speyerer Hof“ erhielt jedoch mit zehn Stimmen, einer Gegenstimme und einer Enthaltung eine große Mehrheit. Noch größer fiel die Mehrheit mit zwölf Stimmen und zwei Enthaltungen für das pädagogische Konzept des neuen Kindergartens aus.

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