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Freigeist gestrichen

Gemeinderat will neuen Namen für Kindergarten
Auf wenig Gegenliebe im Gemeinderat stieß Bürgermeister Karl-Heinz Burgey mit seinem Namensvorschlag für die neue Kindertagesstätte in der alten Jöhlingen Schule. Die „Freigeister“ wurden mit 13 Gegenstimmen abgelehnt. Nur vier Gemeinderäte mochten dem Vorschlag folgen. Werner Schön (FDP) enthielt sich.

Das große „Schlucken“ über den Namen begann schon mit der Wortmeldung von Michael Paul. Der CDU-Fraktionsvorsitzende schilderte zunächst die philosophischen Hintergründe des Wortes, hinter dem er Leute vermutete, „die losgelöst von der gängigen Weltanschauung und der Religion leben“. Das sei Atheismus wie er in unserer Verfassung nicht vorgesehen sei. Einen Kindergarten wolle die CDU nicht völlig losgelöst von der Religion sehen. Schließlich präge das christliche Abendland unser Weltbild „und nicht der Islam und Gottseidank auch noch nicht der Atheismus“. Er stellte einen Zusammenhang zwischen Namenswahl und inhaltlicher Konzeption her. Eine Einrichtung, in der dieser Name Programm ist, könnten die Christdemokraten nicht unterstützen.

Wortreich vermutete Paul, dass eine Einrichtung mit einem solchen Namen oder etwa die Waldorfschulen verantwortlich sein könnten für mangelndes Engagement im Ehrenamt bei Feuerwehr und DRK. Diesen Gedanken wies Michael Futterer entschieden zurück. Er verwies auf gegenteilige Erfahrungen in seinem Freundeskreis. Der Grüne freute sich im Gegenteil über das differenzierte Angebot, das mit diesem Kindergartenkonzept in Walzbachtal entstehe.

Auch der Bürgermeister konnte keinen Punkt erkennen, der gegen Ehrenamt und soziales Engagement spreche. Der Name sei kein Programm für den Atheismus. Man müsse aber an die 35 Prozent konfessionslosen Walzbachtaler denken, „die nix mit dem Gotteslob am Hut haben. Denen muss ich auch ein Angebot machen“. Er gestand, dass es aus der Bevölkerung per mail harsche Reaktionen auf den Namensvorschlag gegeben habe.

Viel wichtiger als der Name sei das Konzept. Da wolle er keine Abstriche machen. Die „Mutter aller Dinge“ dafür sei der baden-württembergische Orientierungsplan „und dieses Konzept stimmt zu hundert Prozent damit überein.“

Die Gemeinderäte mochten ihren Widerstand gegen den sperrigen Namen trotzdem nicht aufgeben. Das Konzept könne sie zwar befürworten, meinte Karin Herlan (SPD), aber nicht diesen Namen, mit dem kein Kind etwas anfangen könne. Andrea Zipf räumte ein, dass die grüne Fraktion „beim ersten Mal geschluckt hat, als wir den Namen hörten.“ Sie könne sich mit dem Namen ebenfalls nicht anfreunden meinte sie und setzte hinzu: „Ich bin froh, dass meine Kinder schon ein bisschen größer sind.“

An der sich abzeichnenden Abstimmungsniederlage (“Dieses Abstimmungsergebnis hole ich mir,“ zeigte sich der Bürgermeister kampfentschlossen) änderten auch die leidenschaftlichen Plädoyers von Karl-Heinz Burgey und Silke Stephan nichts. Die designierte Leiterin und Urheberin des Namensvorschlags hatte zunächst den Tagesablauf für die 22 Kinder und die pädagogischen Grundsätze der neuen Einrichtung vorgestellt, die mit einem hohen Maß an Selbstbestimmung geprägt seien von der bestmöglichen individuellen Begleitung der Kinder in ihrer Entwicklung. Dieses freigeistliche Konzept spiegele sich in der Raumgestaltung. Im Übrigen bestehe an dem neuen Kindergarten großes Interesse: „Wir können gar nicht alle annehmen, die rein wollen“, versicherte Silke Stephan auf Nachfrage. Karl-Heinz Burgey ergänzte: „Wenn jemand das Konzept nicht passt, dann geht er“. Die Eltern würden „mit den Füßen abstimmen“.

Mit abgelehnten „Freigeistern“ muss der Gemeinderat über dem Thema noch einmal nachsitzen. Der Name soll jetzt schon in der nächsten Gemeinderatssitzung festgelegt werden. Jutta Belstler (CDU) preschte sofort mit einem Vorschlag vor. Sie plädierte für eine „Schatzkiste“.

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Kommentare (2)

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    Raimund Würtz

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    Zum Beitrag „Freigeist gestrichen

    “Freigeist“, also nein. “ Moby Dick“ haben wir schon. “Scheiß egal“ geht nicht. Warum? Googeln Sie dies doch einmal bei Wikepedia und was ist? Nichts. Kein Argument dagegen. Nichts mit Lessing und dergleichen im “Schatzkästchen“ des Wissens.

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    R. Rose

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    Zum Beitrag „Freigeist gestrichen

    Die Ablehnung von “Freigeister“ kann ich neben den philosophischen Hintergründen (welche v.a. für Erwachsene zählen dürfte) auch im Hinblick auf die Kindergartenkinder verstehen, denn ob sie damit etwas anfangen können wage ich zu bezweifeln.
    Kriterien für einen Name sollte aus meiner Sicht sein:
    – Etwas mit dem die Kinder was verbinden bzw. unter dem sie sich etwas vorstellen können,
    – Etwas indem das Konzept anklingt
    – Etwas das einen (einigermaßen) positiven Unterton hat
    Sowas könnte z.B. Wildblume o.Ä. sein…

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