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Flugscham

Unterschiedliche Reaktionen auf „Fridays for Future“

Greta Thunberg – hoch im Kurs als nächste Friedensnobelpreisträgerin – war auf dem Atlantik unterwegs. Sie will im September am UN-Klimagipfel in New York teilnehmen. Als Transportmittel hatte die Klimaaktivistin und Gründerin der „Fridays for Future“-Bewegung das Segelboot gewählt. Sie wollte damit ihre Entschlossenheit demonstrieren, diesen Schritt ohne großen ökologischen Fußabdruck zu tun.

Diese fundamentalistische Herangehensweise ist nicht jedermanns Sache. Ihre Flugscham teilen nur ganz wenige. Selbst Anhänger der Grünen müssen mitunter an Flughäfen mit hochrotem Kopf gestehen, dass der Wille zu klimaneutralem Verhalten doch etwas geringer ausfällt als die Lust auf einen karibischen Urlaub. Rein gar nichts von dem Thunbergschen Verhalten ist in den Reisebüros der Region zu spüren.

Für Jürgen Kuch beispielsweise von den YAG-Reisen in Eggenstein spielt das Thema überhaupt keine Rolle. Er, der als Tourguide mit sehr kleinen Gruppen nach Südafrika fliegt, um dort Elefanten und Löwen zu sehen oder zum Haitauchen aufs Meer zu fahren, hat Diskussionen um das Thema Klima noch nie erlebt. Das könne allerdings auch an dem durchweg älteren Klientel liegen, meinte er: „Die freuen sich auf den Trip. Da spielt dieses Thema keine Rolle.“ Er hingegen sei schon der Meinung, dass in der Beziehung etwas getan werden müsse.

Identisch die Einschätzung von Veronika Dekkar und Saskia Scheibli vom HDR-Reisebüro in Berghausen. Von Kunden sei das Thema noch nie angesprochen worden, obwohl es derzeit in den Medien überaus präsent sei. „Wir als Verkäufer beschäftigen uns mehr damit als unsere Kunden“, sagt Veronika Dekkar. Bei Schulungen werde immer wieder Wert auf das Thema Nachhaltigkeit gelegt, allerdings mehr im Bereich Einsatz von Plastikflaschen oder Plastikröhrchen beispielsweise in Hotels. Bei den Kreuzfahrten hingegen prognostizieren die beiden eher eine Zunahme, denn eine Abnahme. Saskia Scheibli geht davon aus, „dass dieser Trend bleibt und sich eher noch verstärken wird.“

Etwas differenzierter sieht die Sache Thomas Lang von TUI Eggenstein, der – so sagt er – viele Kreuzfahrten und Flugreisen vermittelt. Das sei bei ihm sehr wohl Gesprächsthema mit den Kunden, die sehr viele Nachfragen hätten. Nachdem er zehn Jahre lang bei einer Reederei gearbeitet habe, wisse er, was Sache ist und könne in der Beziehung sehr gut mitreden. Die Belastung sei sicher ein Problem, das allerdings nicht in der gebotenen Verhältnismäßigkeit diskutiert werde. Vereinzelt gebe es Kunden, die darauf bestehen, nicht mit Schiffen fahren zu wollen, die mit Schweröl betrieben werden. Er wisse aber, dass fast alle Reedereien sich der Problematik bewusst seien und an Lösungen arbeiten, wie etwa bei der gasbetriebenen AIDA-Nova. Wiederum andererseits stelle die Kreuzfahrtflotte nur rund 0,2 Prozent aller weltweiten Schiffe. Die Handelsflotte sei das weitaus größere Problem, über das derzeit niemand spreche.

Bei selbst organisierten Flugreisen lasse er den CO2-Ausstoß bewerten und die Folgen für den ökologischen Fußabdruck einschätzen. Für einen Gruppenflug nach Atlanta in diesem Jahr spende er aus diesem Grund 1500 Euro an Atmosfair, eine Organisation, die sich für den Klimaschutz einsetze. Bei allen Problemen werde es allerdings nicht gelingen, „den Leuten die Reisefreudigkeit auszutreiben“.

In seinem Linkenheimer Reisebüro noch nicht bemerkt hat das Thema Robert Ochs. Wer generell nicht fliegen wolle, der fahre eben mit dem Auto, dem Zug oder dem Bus. In der Beziehung reagiere das Publikum im ländlichen Raum nicht so sensibel wie in den Städten. Die Kreuzfahrten hingegen seien auch bei ihm immer wieder mal ein Thema. Auch er schätzt aber die Bemühungen der Reedereien hoch ein, mit dem Einsatz von Filtern, Akkus oder Flüssiggas nach Lösungen zu suchen. Es gebe schon Kunden, die sagen: „Mit so einer Dreckschleuder fahre ich nicht“. Aber die würden eben etwas anderes buchen.

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