Fakten, Fakten, Fakten?

Fortsetzung der Diskussion um B293

Die Diskussion um die B-293-Umgehung Jöhlingen hat Fahrt aufgenommen. Mein Angebot, sie auf NadR weiter zu begleiten, wurde heute vom „Jöhlinger“ mit einem seeehr ausführlichen Kommentar angenommen. Der ist allerdings so ausführlich, dass er die Kommentarspalte sprengen würde.

„Jöhlingers“  Antwort an „Sabine“  kann und will ich trotzdem nicht unter den Tisch fallen lassen. Dafür hat sich hier jemand viel zu viele Gedanken gemacht. Ich wähle aus dem Dilemma deshalb mal wieder die Lösung, diesen Kommentar aus der zuständigen Rubrik heraus auf die Startseite zu heben.

Hallo Sabine,

wenn hier schon mit Fakten gearbeitet werden soll – der Stau am Grötzinger Tunnel ist bedingt durch die Pförtnerampel am Ortseingang Berghausen. Diese wird samt Kreuzung verschwinden, der neue Ortseingang ist dann der Kreisverkehr, von dem die B293 in Berghausen abzweigen wird. Ich gehe davon aus, dass sich hierdurch die Situation deutlich verbessern wird (staufrei ist ja nicht das Ziel). Die Abbieger in Richtung Karlsruhe – das kann dann nur innerörtlicher Verkehr sein – die Rushhour in Walzbachtal lässt dies sicherlich zu einem unlösbaren Problem werden.

Komplett vergessen bei der Diskussion werden die direkten Anwohner der 293, die jeden Tag das alles aushalten müssen, ich denke, auch die haben eine gescheite Lösung verdient, oder?

Ich habe eher das Gefühl, dass die Attentaler ein Problem mit der Umgehung haben, weil die dann auf einmal an deren Gärten (mit Abstand) vorbei eine Straße haben. Aber hey – an anderen Stellen in Jöhlingen läuft es ja genauso, und da wird auf die „Kläger“ eingedroschen. Beispiel Altersheim im letzten Eck von Jöhlingen mit 1A-Ausblick auf den Friedhof – klasse Idee! Da kämpfen die Gageneckler dafür, dass es menschlicher wäre, man würde ihnen den Zugang zum Dorf ermöglichen, dass die Entlüftung der Küchen nicht direkt an der Grundstücksgrenze in Richtung der eigenen Gärten bläst, aber nein – ist nicht erwünscht. Die Leute werden hier öffentlich bloß gestellt – bis in den Gemeinderat rein.

Oder – Beispiel Windräder: Da will man grüner werden, und schon kommen die Windradgegner an. Witziger Weise auch mit Umweltschutz und Kosten.

Man kann es machen, wie man will, man wird es nie allen recht machen. Von daher muss die Emotionalität aus den Diskussionen genommen werden. Dazu gehören für mich sachliche Diskussionen:

1) die B293 hat in der heutigen Zeit nix mehr im Ortskern von Jöhlingen zu suchen, die muss einfach raus aus dem Ort. Viele Möglichkeiten gibt es nicht, und wenn statt der offenen Trasse eine Tunnellösung gewählt worden wäre, wäre ich mir sicher, dass die Einwände auf einmal zusammen bröseln würden, keiner mehr die Millionen an Mehrkosten in Frage stellen würden usw.

2) Wenn mehr Altersheimplätze benötigt werden, dann sollen die auch gebaut werden. Die Auswahl der Bauplätze hierfür ist genauso gut entschieden, wie die Straßenführung der B293, oder etwa nicht?

3) Und wenn alles ökologischer werden soll (+ Naturschutz etc.) , dann baut endlich die Windräder. Ich würde hier wetten, dass bei den Unterschriftenaktionen Gegner der Windkraft und (und nicht oder) der B293 unterschrieben haben. Und genau die sollten sich jetzt mal hinterfragen, was sie wollen. Soll die Natur geschützt werden, oder nicht?

Es wird nie eine optimale Lösung geben. Im Gegenteil – wir haben jetzt die historische Chance, dass auch Jöhlingen sich endlich zu einem schönen Ort entwickeln kann und sollte. Warum soll diese Chance nicht endlich genutzt werden. Eigentlich müsste man sich für Jöhlingen freuen, dass es endlich nicht mehr so durch eine Fernstraße getrennt wird.

Das, was man hier im Ort erlebt, ist – die gesamten Projekte werden alle losgelöst voneinander betrachtet, zerpflückt, in Silos gepackt. Es wird aber nie bei den ganzen Projekten das Big Picture gesehen und an diesem auch gearbeitet. Es wird nicht betrachtet, welche Chancen und Möglichkeiten sich aus den Teilprojekten ergeben können usw. Diese Fähigkeit verlernen wir aus meiner Sicht immer mehr und mehr. Das Ergebnis ist dann der berühmte Flickenteppich, bei dem wir uns dann im Nachhinein fragen, warum da keiner mitgedacht hat. „So ischs halt worre“. Der BER lässt grüßen.

Ich sehe alles noch recht neutral und würde, bevor ich mir eine Meinung bilde – alles in Summe anschauen wollen und dann entscheiden, was die beste Lösung ist.

Also, ran an die Tastatur – ich möchte von den Gegnern jetzt auch mal die Vorteile hören. Über die habt ihr euch auch bestimmt ausführlich Gedanken gemacht.

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Kommentare (10)

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    Sankt Florian

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    Als Antwort auf: Fakten, Fakten, Fakten?
    Wer sich objektiv und sachlich mit Fakten befassen will, sollte an die Jöhlinger Autofahrer denken, die mit dem Auto nach Karlsruhe wollen. Eine Zufahrt über die jetzige Hohl der B 293 hat Herr Minister Hermann in seiner Planung bereits zugunsten der Grünbrücke ersatzlos gestrichen. Alle (alle!!) Jöhlinger Autofahrer sollen zunächst eine halbe Runde um ihr Dorf auf der neuen B 293 drehen, um am Sportplatz am Jöhlinger Buckel unter der Grünbrücke zu sein. Danach haben sie zwei Kreisverkehre in Berghausen vor sich und den Grötzinger Tunnel, um zur Anschlussstelle der A 5 zu kommen. Abends dann umgekehrt, wobei sie durch den weiterhin bestehenden Stau im Grötzinger Tunnel zusätzlich aufgehalten werden. Dann über die beiden Kreisverkehre in Berghausen und fast bis Wössingen, um wieder zuhause in Jöhlingen zu sein. Verständlich, dass fast (fast !!) alle den einfacheren, schnelleren und kürzeren Weg über die Jöhlinger und Durlacher Straße in Weingarten wählen, um am gleichen Punkt an der AS der A 5 oder zurück in ihre Heimatgemeinde zu kommen. Es werden die Bewohner von 206 direkten Häusern in Weingarten an diesen beiden Straßen belästigt, gegenüber den Bewohnern von 13 Häusern direkt an der jetzigen Ortsdurchfahrt der B 293 in Jöhlingen. Eine gescheite Lösung für die Anwohner in Jöhlingen zu finden, sollte doch auch für die Menschen in Weingarten gelten? Das Bundesverkehrsministerium wird sich für das Ergebnis der Abwägung dieser Fakten interessieren, bevor es die 40 Mio. Euro zum Bau der Ortsumfahrung Jöhlingen einer B 293 frei gibt.

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    Wingerter

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    Zur Frage, was ist Fernverkehrsrelevanz: Der im Straßenrecht (nicht zu verwechseln mit Straßenverkehrsrecht) verbindliche Begriff „Fernverkehr“ (richtiger ist weiträumiger Verkehr) war vor einem Jahr noch relativ einfach zu erklären. Der Begriff „Fernverkehr“ wird seit sechs Jahrzehnten zwischen dem Bund und den Ländern einvernehmlich gehandhabt. Eine Fahrweite von mehr als 50 km an einem Stück gilt als Fernverkehr. Der Bund wollte vor der erforderlichen Finanzierungszusage zur B 293 über den Rhein (mit einer zusätzlichen Rheinbrücke) wissen, wie hoch der Anteil des „Fernverkehrs“ auf dieser verlängerten Strecke von Bretten bis über den Rhein und umgekehrt eigentlich ist. Bislang war er von Verkehrsminister Hermann (Grüne) und seinen Vorgängern mit fünf Prozent angegeben. Das ist zu wenig, um den Bund zum Bau und zur Finanzierung verpflichten zu können. Daher hat der Deutsche Bundestag die Finanzierung abgelehnt (Bundestagsdrucksache 18/4650 vom 24.04.2015). Der Bau sei durch den dafür zuständigen Straßenbaulastträger zu finanzieren, denn sie wäre eine Straße mit nahezu ausschließlich regionaler Bedeutung. Überwiegend handelt es sich um Pendlerverkehr, der keine 50 km an einem Stück fährt. Eine aktuelle Verkehrsbefragung auf der B 293 gibt es nicht, weder am Rhein noch in Jöhlingen. Verkehrsminister Hermann (Grüne) gelang es in den letzten fünf Jahren nicht, diesen zu geringen Prozentsatz auf eine erforderliche Höhe nachvollziehbar zu belegen. Das Bundesverkehrsministerium hat am 17.12.2020 den Auftrag bekommen, festzulegen, was unter „Fernverkehr“ zu verstehen ist. Was bisher gegolten hat, soll nunmehr vielleicht geändert werden, um das Gesetz passend zum Projekt B 293 zu machen.

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      Waidelich Arnd

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      Als Antwort auf: BI kämpft weiter gegen Umgehung
      Lieber Wingerter,
      in den letzten beiden Tagen sind unter Ihrer IP vier Kommentare eingetroffen unter den Nicknames „Suchende“, „Sankt Florian“, „Hopfentunnler“ und eben „Wingerter“. Dabei gibt der „Hopfentunnler“ sogar der „Suchenden“ Antwort auf ihre Frage. Das verstößt nicht nur gegen die Netiquette, wonach jeder nur unter einem Namen oder NIckname kommentieren darf, sondern ist in dem gegenseitigen Frage-Antwort-Spiel eine ziemlich seltsame Strategie. Ich würde nur ungern auf die fundierten Kommentare verzichten, die Sie unter „Wingerter“ einreichen. Den eben eingereichten Kommentar werde ich trotzdem so lange nicht freischalten, bis ich Aufklärung erhalte habe.

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    Wingerter

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    Es gibt Leute, die mich bitten ihre Meinungen und Kommentare, die ich per E-Mail bekomme, an NadR weiterzuleiten, da sie befürchten über ihre IP persönlich angegangen zu werden.

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      Waidelich Arnd

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      Mit dieser Argumentation tue ich mich schwer. Die IP sehe nur ich. Niemand kann Kommentatoren über die IP angehen. An der Netiquette gibt es kein Vorbei, auch mit dieser Argumentation nicht.

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    Jöhlinger

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    Als Antwort auf: Fakten, Fakten, Fakten?
    Hallo zusammen,
    als Verfasser des Beitrags, der hier von Herrn Waidelich zum Artikel bei NADR wurde – die letzten Beiträge unserer Umweltschützer gingen klar in die Richtung, dass sie es nicht gut fänden, jetzt bis zu drei Kilometer mehr aus Jöhlingen zu fahren, um nach Karlsruhe zu kommen.
    Als ich das gelesen hatte, wurde es für mich immer absurder – wenn man sich den Umweltschutz auf die Fahnenstange schreibt, dann gehört auch dazu, dass man ihn konsequent lebt und nicht nur predigt. Wenn man sich für den Umweltschutz einsetzt, dann doch bitte auf das Auto verzichten und so wie ich größten Teils auf die gute S4 umsteigen. Auch hier wird das Angebot ja deutlich verbessert, so kommt (ich meine schon Ende diesen Jahres??) der Regionalexpress dazu, der euch stündlich direkt zum HBF bringt, ab Jöhlingen nur mit einem Stopp in Durlach. Und wenn dann auch noch unsere Strecke ausgebaut ist, wird es zusätzliche S4-Züge geben.

    Nicht nachvollziehbar der Aufschrei, dass auf einmal, weil die Verkehrssituation in Berghausen deutlich verbessert wird, gefühlt „tausende“ Jöhlinger auf die Idee kommen sollten, wegen der paar Meter zur Anschlussstelle der B293 über Weingarten auszuweichen und sich dort in das Tetrisspiel zu werfen, dass sich fang die Lücke nennt.

    Ich bin gestern Abend mal sehr bewusst die Strecke durch den Ort gelaufen, habe mal die Anzahl der Häuser gezählt, die unmittelbar an der Strecke liegen. Wo sind denn bei der ganzen Diskussion hier diejenigen, die diesen Anwohnern auch mal den Rücken stärken und sich dafür einsetzen, dass es denen besser gehen könnte?

    Es wird eine Lösung benötigt, die Frage ist doch nur, wie diese aussehen könnte? Gibt es eine perfekte Lösung, die auch den B293-Anliegern, die seit Jahren die Schilder in den Gärten stehen haben mit B293 raus aus Jöhlingen, helfen könnte?
    Obwohl ich mit dem jetzigen Vorschlag auch nicht ganz glücklich bin – viele Alternativen scheint es nicht zu geben. Also muss an dem „Finetuning“ gearbeitet werden, und da stehe ich voll hinter manchen Aussagen der BI Jöhlingen, vor allem was den Lärmschutz angeht. An den Punkten müsste noch deutlich nachgearbeitet werden.
    So, jetzt weiterhin ran an die Tastatur und sachlich mitdiskutieren – vor allem in Richtung Lösungen und nicht dem Aufzählen von Problemen.
    @Herr Waidelich: Ich habe ihren Beitrag zum Bebauungsplan sehr positiv zur Kenntnis – genommen, es ist das erste Mal, dass hier die Initiative nicht negativ erwähnt wurde. Es ist auch ein sehr gutes Beispiel dafür, dass wenn man im Dialog etwas ausarbeitet, es eher Früchte tragen kann, als wenn jemand im Alleingang mit der Brechstange unterwegs ist.
    Auch Klasse von unserem Bürgermeister, dass er mal für diese Bürgerinitiative ein offenes Ohr hatte. Wirklich Super!

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    Raimund Würtz

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    Neue Stauwege zurück in die Zukunft

    Es gibt drei Möglichkeiten:
    1. Alles lassen, wie es ist.
    2. Das Geplante realisieren.
    3. Etwas Neues, die Zukunft Antizipierendes planen

    Endlos werden die Punkte Eins und Zwei durchgeknetet und dabei der dritte im Keim erstickt. Durchgängig erkennbar sind Wesensmerkmale:
    1. statisch
    2. hedonisch
    3. rationalistisch

    Trotz Eifer im Vortrag kommt das Angepasste am Wohlempfundenen und am Gegebenen zum Vorschein. Der Diskussion fehlt ein energischer Antrieb, Dynamik. Zu viel Gleichgewichtsmensch. In einer Zeit der kurzen Zyklen und schnellen Veränderungen – fatal.

    Die Planung der B 293 ist aus dem vorigen Jahrhundert und zeigt keinen Weg ins fortschreitende 21., von dem ein Fünftel schon Vergangenheit ist. Das bestehende und alte Mobiltätskonzept wird unweigerlich der Innovation – einer schöpferischen Zerstörung – weichen müssen. Geplant ist und gebaut wird ein anachronistisches Monster.

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    Hilda

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    Als Antwort auf: Fakten, Fakten, Fakten?
    Was haben die Gärten der Attentäler mit Fakten zu tun?Das ist genau so unsachlich und populistisch wie frühere Aussagen ala „Wir hatten lange genug den Krach, jetzt sollen die im Attental den Lärm bekommen.“
    Genau das ist das Problem in Jöhlingen.Man interessiert sich nicht für Fakten.Wenn man sich dafür interessieren würde, zB für die unter „BI kämpft weiter gegen Umgehung“genannten, dann würde man erkennen, dass die Ortsumgehung für den ganzen Ort zum Problem wird.

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    Christian

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    Als Antwort auf: Fakten, Fakten, Fakten?
    Wenn man wie Jöhlinger eine sachliche Diskussionskultur einfordert, dann sollte man auf polemische Anspielungen nach dem Motto, die Attentäler sind nur um ihre Gärten besorgt, verzichten. Man sollte nicht alle drei umstrittenen Projekte in einen Topf werfen und dann auch noch ohne jeden Beleg unterstellen, dass die gleichen Personen bei den Unterschriftsaktionen gegen Windkraft UND gegen B293 unterschrieben haben.

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