Bei der Hitze hilft nur noch untertauchen

Essen auf Rädern

Eine Kolonie von Foodtruckern sorgt in der Region für gastronomische Alternativen

Den Imbisswagen für die Currywurst kennt ein jeder. In den letzten Jahren erhält er gewaltig Konkurrenz. Das schnelle Brathähnchen steht dort nicht auf der Speisekarte. Foodtrucks nennt sich die Konkurrenz. Der klassische Burger geht bei vielen über den Tresen, aber nicht in der matschigen Mac-Donalds-Version.

Die Trucks haben sich mittlerweile auch in der Region etabliert. Im 1700-Seelen-Dörfchen Zaisenhausen betreibt Christian Utescheny einen besonders erfolgreichen. Seinen Trailer nennt er eher traditionell „Dorfplatzküche“.

Der Name ist Programm. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen ist er höchst selten mobil. Außer dem 2020er Brettener Weinmarktersatzfest mit dem Standort Melanchthonhaus hatte er bisher kaum auswärtige Termine. Von 15 in jenem Jahr geplanten Events haben nur drei stattfinden können, berichtet Utescheny. Denn wie alle Gastronomen war auch seine Dorfplatzküche von der Pandemie schwer gebeutelt.

Seither konzentriert er sich auf den Zaisenhausener Dorfplatz. Auf ihm habe er im August 2019 einen sensationellen Neustart nach einer langen, gastronomischen Pause hingelegt. Als der Foodtruck-Hype von Amerika nach Deutschland geschwappt sei, habe er die neue Möglichkeit wahrgenommen und mit dem aus Tübingen organisierten Trailer einen Glücksgriff getan: „Er passt für uns wie die Faust aufs Auge“, sagt Utescheny. Er biete mit seiner modularen Bauweise ideale Voraussetzungen für die Zubereitung der wöchentlich wechselnden Angebote. In der „Dorfplatzküche“ steht mit dem Zaisenhausener Rostbraten, Pfifferlingen oder Maultaschen eher Klassisches auf dem Speiseplan. Freitags ab 16 Uhr kann das schon mal länger gehen im Sommer.

Monika Carbone lässt sich die Burger von Casim Cilek schmecken.

Ein anderes Erfolgsmodell betreibt Casim Cilek in Oberderdingen. In der Brettener Straße öffnet er dienstags bis donnerstags sein „Streetfood 22“. Das allerdings ist nicht sein wichtigstes Standbein. Er ist klassischer Foodtrucker mit mittlerweile vier Wagen. Ein im Saarland gekaufter, ausrangierter Feuerwehrwagen habe sich als Goldgrube erwiesen. Schon 2020 folgte ein Pferdeanhänger, 2021 ein alter Postwagen und erst jüngst im Februar ein vierter Foodtruck, erst jüngst im Februar ein vierter Foodtruck, alle auf die Bedürfnisse der Szene umgebaut.. Er braucht alle vier, denn „für 2022 haben wir Termine noch und nöcher. Wir haben so gut Fuß gefasst, dass die Städte sich bei uns von selbst melden. Wir müssen keine Werbung machen“, sagt er.

Mit seinem umgebauten Feuerwehrwagen steht er abwechselnd montags in Wössingen auf dem Rathausplatz und donnerstags in Jöhlingen auf dem Kirchplatz, am Wochenende in Philippsburg. Er habe unter dem Lockdown nicht so sehr gelitten. Das Geschäft sei im Gegenteil so gut gelaufen, dass er keine Corona Hilfen beantragen musste.

Angefangen habe alles mit einem Hotdog-Wagen. Eine entscheidende Wende habe der Besuch eines Streetfood-Festivals 2019 gebracht. „Das hat uns so gut gefallen, dass wir in die Food-Truck-Szene einsteigen wollten“, berichtet er. Mit seinen Foodtrucks profitiere er davon, dass die Kunden im Moment nach Alternativen suchten zu Pizza und Döner.

In Jöhlingen mache sich das ganz besonders bemerkbar. Dort herrsche Ausnahmezustand im positiven Sinn. Schon zur Öffnungszeit um 16 Uhr lägen so viele telefonische Vorbestellungen vor, dass keine weiteren mehr angenommen werden können. Wer spontan noch vorbeikomme, der müsse mit Wartezeiten von einer Stunde und mehr rechnen. Sein Geheimnis bestehe darin, dass er täglich frische Zutaten biete. Seine Qualität habe einen so guten Ruf, dass Philippsburger Stammgäste die Woche über sogar den Weg nach Oberderdingen nicht scheuten, wo er ein stationäres Geschäft betreibt.

Ein ähnliches Konzept verfolgt Steffen Warner mit seinem „Beardbecue“. Der Sulzfelder steht mit seinem Foodtruck in Sulzfeld bei REWE, auf dem Parkplatz des Hagebaumarkts in Bretten und bei Edeka in Oberderdingen. Wie so viele aus der Foodtruck-Szene hat der gelernte Industriemechaniker den Schritt als Quereinsteiger in die Alternativ-Gastronomie gewagt. „Ich habe schon immer gern am Smoker gebrutzelt und hab 2019 mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt Warner.

Die Begeisterung seiner Gäste auf dem Hagebaumarktplatz scheint ihm recht zu geben. Viele kommen in der Mittagspause aus dem benachbarten NEFF. „Sehr, sehr lecker“, sei alles und eine Abwechslung zum Kantinenessen, meint Dominik Wolf. Die Begeisterung teilt Christoph Schäfer. Er lässt sich gar zehn Burger für seine Kollegen in der NEFF-Entwicklungsabteilung einpacken. Einige Kollegen würden sogar nur wegen der Burger donnerstags ihr Homeoffice unterbrechen und ins Büro kommen, berichtet er.

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