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Es summt weniger

Diedelsheimer Imker mit Vorwürfen an die Landwirte

Um die Bienen steht es schlecht. Im vergangenen Jahr wurde deshalb von den Naturschutzverbänden das Volksbegehren Artenschutz – „Rettet die Bienen“ beantragt und vom Innenministerium zugelassen. Es mündete in einem ambitionierten Gesetzentwurf gegen das Artensterben. Das Volksbegehren war von den beiden Berufsimkern David Gerstmeier und Tobias Miltenberger initiiert worden.

In Diedelsheim beobachtet ein Kollege die Entwicklung vor Ort mit nicht weniger Sorge. „Schauen sie sich doch mal um“, sagt Markus Behme und beschreibt auf dem Kraichgauhügel oben auf dem Seeberg neben der Scheune des Diedelsheimer Bauern Wolfgang Wörner mit seinem Armen einen großen Kreis. „Weit und breit ist keine einzige Wiese mehr zu entdecken“, stellt der Imker fest. Vor zehn Jahren, als er nach Bretten kam, habe er seine Leidenschaft für die Bienen entdeckt. Eine heile Welt habe damals zwar auch nicht geherrscht, doch Wiesen habe es noch reichlich gegeben, erinnert sich Behme.

Mittlerweile entdecke er höchstens noch seine eigene und die des NABU, für die er Heckenpate ist. „Das ist schon erschreckend, dass in einem Umkreis von über 1000 Fussballfeldern keine Wiesen mehr da sind,“ entsetzt er sich. Der Trend der vergangenen Jahre habe sich in diesem Jahr dramatisch fortgesetzt: „So schlimm wie in diesem Jahr, war es noch nie!“ Diese Entwicklung habe nicht nur Auswirkungen auf die Bienen, sondern auf die komplette Natur, auf Schmetterlinge, alle Insekten und auf die Vogelwelt.

Für ihn tragen die Bauern die Verantwortung für den Rückgang von Bienen, Schmetterlingen und Co. Schädlinge und Schadpflanzen bekämpfen sie mit Pestiziden und Herbiziden, ist er überzeugt,  und das in verstärktem Maß. „Früher ist die Unkrautkeule einmal im Jahr ausgepackt worden, jetzt vier Mal pro Jahr“, behauptet der Imker. Für ihn ist damit klar: Viele der Bienen fallen diesem Gifteinsatz zum Opfer. Er selbst habe das schon erlebt, als einer Maisspritzung acht Völker zum Opfer gefallen seien. Die vielfach gelobten Blühstreifen blieben von dem konzentrierten Einsatz zwar verschont, doch von der Abgischt der Gifte lande trotzdem genügend dort und zeige verheerende Wirkung.

Fast noch schlimmer als die Bekämpfung mit Pestiziden empfindet er den vollständigen Raubbau an der Landschaft, dass das bäuerliche Wirtschaften ausschließlich auf Ertrag ausgerichtet sei. Ein Loblied singt er in der Beziehung auf den Diedelsheimer Bauern Wolfgang Wörner. Er lasse vieles stehen, was bei anderen Bauern schnell unter die Gift-Geisel kommt. Auf dessen weitläufigem Grundstück am Seeberg hat er sechs seiner 18 Völker aufgestellt und ist ihm dankbar für diese Möglichkeit, „dass meine Bienen ihren Dienst an der Natur tun können“.

Für ihn sei ökologisches Wirtschaften eine Selbstverständlichkeit und Notwendigkeit. Darauf führt er es auch zurück dass anders als bei anderen Imkern Varroa und Faulbrut in seinen Völkern nicht erfolgreich sind. Er bedient sich biologischer Bekämpfungsmethoden. Die Varroa Milben beispielsweise werden bei ihm durch den sogenannten Bücherskorpion bekämpft, der die Schädlinge aussaugt.

„Ich will die die Bauern nicht verurteilen“, sagt er, will sie aber andererseits auch nicht aus der Verantwortung entlassen. Er hofft auf einen Bauern, der ein großes Feld zur Verfügung stellen und als Blühwiese einsäen würde. Den wirtschaftlichen Ausfall sollen Spender ausgleichen, die etwa 10 Euro pro Quadratmeter geben und für diese Spende am Ende des Jahres ein Glas Honig und ein Zertifikat erhalten.

Alexander Kern

Nicht weit von seinen acht Völkern betreibt Alexander Kern seinen Bauernhof. Er kann die Behmesche Kritik nicht nachvollziehen. „Ich setze überhaupt keine Insektizide ein und pflanze keine Rüben und keinen Raps mehr an, bei denen das eingesetzt werden muss. Durch meinen Betrieb stirbt keine einzige Biene“, weist er die Kritik entschieden zurück. .

Beim Maisanbau setze er ausschließlich im April ein Mal Herbizide ein. Ansonsten bekämpfe er die Schädlinge mit Schlupfwespen. Dass Grünland weniger werde, wollte er ebensowenig bestätigen. In Baden-Württemberg bestehe ein striktes Grünlandumbruchverbot. Wenn ein Bauer eine Wiese in Acker umwandle, dann sei das eine Straftat oder sei erst nach einem langwierigen Genehmigungsverfahren möglich. Vorstellen könne er sich allerdings, dass die Umwandlung eines Kleegrasfutterfeldes in einen Kartoffelacker bei Betrachtern einen falschen Eindruck erwecke. Das aber sei durchaus nichts Außergewöhnliches.

Und noch eine Ergänzung: Die Kernsche Kritik an den Aussagen des Imkers wird von etlichen anderen Landwirten massiv unterstützt.

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