Erinnerung an die Synagoge

Oberrat der Israeliten enthüllt zusammen mit dem Bürgermeister eine Erinnerungstafel

In Jöhlingen war im 19. und zum Beginn des 20 Jahrhunderts eine lebendige jüdische Gemeinde beheimatet. Ihr Ende fand sie in der Reichspogromnacht. Wie deutschlandweit  am 10 November 1938 viele Synagogen zerstört wurden, so wurde das gleiche Schicksal auch der Jöhlinger Synagoge zuteil. Sie wurde durch ein SA-Rollkommando zerstört, an dessen Spitze sich die heausragenden Personen der Jöhlinger NSDAP beteiligten. Aus der Synagogenstraße wurde unmittelbar darauf die Stürmer-, nach dem Zweiten Weltkrieg die heutige Friedrichstraße.

An die Synagoge erinnerte bis jetzt bloß eine Gedenkplatte, die in den 80ern an der Garagenwand eines gegenüberliegenden Gebäude angebracht worden war. Ein geschichtsbewusster Jöhlinger wollte es dabei nicht belassen. Er schlug die Rück-Umbenennung in Synagogenstraße vor. Seine Anregung griff Michael Plaumann (CDU) im Gemeinderat auf. Gemeinsam mit dem Oberrat der Israeliten Badens einigte man sich auf das Konzept, das Straßenschild mit einem Hinweis auf die ehemalige Synagogenstraße zu ergänzen.

Der Vorsitzende des Oberrats der israelischen Religionsgemeinschaften Badens Rami Suliman (rechts) informierte über die Geschichte der kleinen Jöhlinger jüdischen Gemeinde.

Zur dessen feierlicher Enthüllung war auch Rami Suliman, Vorsitzender des Oberrats der israelischen Religionsgemeinschaften Badens gekommen. Bürgermeister Timur Özcan wies vor einer kleinen Gruppe von Gemeinderäten darauf hin, dass der ebenfalls anwesende, ehemalige Konrektor der Walzbachschule und ausgewiesener Experte Jürgen Protz sich sehr intensiv mit der Geschichte der Jöhlinger Juden beschäftigt habe. Die Erinnerung an die bis 1938 in Jöhlingen existierende Gemeinde wolle man mit diesem Schild immer wach halten.

Das jüdische Leben in dieser Straße sei von der SA zerstört worden und die ehemalige Synagogengasse verschwunden. Der Gemeinderat habe sich darauf geeinigt, die Straße nicht umzubenennen, sondern mit einem Zusatzschild zu ergänzen. „Wir wollen damit ein Zeichen setzen gegen Antisemitismus und Rassismus“, betonte der Bürgermeister.

Jürgen Protz zeigte der Runde Fotos der ehemaligen Synagoge.

Diese Vorlage griff der Vorsitzende des Oberrats der badischen Israeliten auf. Er sei gerne nach Walzbachtal gekommen, um gemeinsam das Hinweisschild zu enthüllen, das für alle sichtbar machen solle: hier stand einmal eine Synagoge. Zunächst sei er aus dem Gemeinderat heraus mit der Frage konfrontiert worden, ob man die Friedrichstraße umbenennen sollte. Oft gehe es bei solchen Vorgängen um Straßen, die nach Nazigrößen oder Nazi Sympathisanten benannt waren. Die, die Menschenrechte mit Füßen getreten haben, dürfe man nicht weiter mit Straßennamen ehren. In Jöhlingen allerdings liege die Sache anders. Der Name Friedrichstraße weise auf einen anderen verdienten Mitbürger hin. „Lassen wir es so!“ meinte er.

Jöhlingen habe eine kleine jüdische Gemeindebeschrieb gehabt, meinte Rami Suliman. Nach den vorliegenden Quellen habe es jüdische Einwohner etwa seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gegeben und gegen Ende des 19 Jahrhunderts seien es 99 Gemeindemitglieder gewesen. Deren Zentrum sei seit 1802 die Synagoge gewesen. Sie habe sogar eine Mikwe also ein Ritualbad und eine Schule beheimatet. Die letzten sechs Jöhlinger Jüdinnen und Juden – zumeist hochbetagt – mussten am 22. Oktober 1940 den beschwerlichen Weg nach Gurs antreten und wurden schließlich in Auschwitz ermordet.

Das Schild selbst fällt klein aus. Es ist eingeklemmt zwischen dem Friedrichstraßenschild und der Hinweistafel auf die KITA. Es erreicht noch nicht einmal die Hälfte deren Größe. Wer nicht weiß, dass es dort hängt, der wird darauf genauso wenig aufmerksam werden wie auf das wenige Meter entfernte Hinweisschild, das in eine Garagenmauer eingelassen ist.

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