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Ein Hobby – gut für die Seele

16.09.2011 12:20 von Arnd Waidelich Josef Schmitteckert – Korbflechter aus Diedelsheim Ein strahlender Weidenkünstler Josef Schmitteckert: „Korbflechter sind ausgeglichene Menschen.“ Einen Korb vom Geliebten zu bekommen, das hat schon manches Frauenzimmer umgehauen. Wenn jedoch Josef Schmitteckert seine Körbe der holden Weiblichkeit zuteilt, dann kommt Freude auf. Des Diedelsheimers Körbe nämlich sind aus Weide und hochbegehrt, weil nicht nur vielfach verwendbar, sondern darüber hinaus auch noch hoch dekorativ. Er übt ein Handwerk aus, das selten geworden ist in Deutschland. Von Profis wird es kaum noch betrieben. So ist es auch bei Josef Schmitteckert. Werklehrer an der Diedelsheimer Pestalozzischule ist seine eigentliche Profession. Doch mittlerweile hat für ihn das Körbeflechten einen Rang jenseits des Hobbies erhalten. Er macht das keineswegs nur mehr aus Spaß oder zur persönlichen Befriedigung. „Ich habe ein Gewerbe angemeldet und mache das nebenberuflich“, sagt er. Fasziniert hat ihn das Körbeflechten erstmals während eines Besuches der Landesgartenschau 2004 in Kehl. „Auf der Straßburger Seite habe ich damals Dinge gesehen, die haben mich umgehauen. Das war richtige Weidenkunst. Da stand für mich fest: Ich muss auch so was machen“, erinnert er sich an die Anfänge. Das neue Hobby war gut für seine Seele. „Korbflechter sind ausgeglichene Menschen. Das macht zufrieden“, lächelt er, während er mit flinken Fingern einen geschmeidigen Weidenzweig um die etwas stabileren Äste eines strahlenförmigen Grundgestells flicht. „Wenn er hektisch ist, dann geht er an einen Korb und schon wird er ruhiger“, bestätigt Lebensgefährtin Renate Pinhard lächelnd. Ein ruhiger Lebensgefährte war ihr etwas wert. Als sich die ersten Versuche als unbefriedigend herausstellten, schenkte sie ihm einen Kurs bei Hans-Peter Sturm in Dormitz bei Erlangen. Er gilt als der „Papst“ der Weidenflechterei. Doch für Korbflechter gibt es nicht nur einen Papst. Es gibt auch eine Hauptstadt. Wenn in Lichtenfels „Korbermarkt“ ist, trifft sich die europäische Korbflechterszene. Dort lernte er bei Klaus Seyfang erneut neue Techniken kennen. Inzwischen gilt er bei den Fachleuten in der Region selbst als einer, bei dem man Rat holen kann. „Er ist ein Naturtalent“, meint ein Kollege, der ihm beim Peter—und-Paul-Fest über die Schulter schaut. Was er dort fast spielerisch unten am Seedamm präsentierte, das ist gar nicht so einfach. Um die Weiden herumzuwinden, braucht es Kraft in den Fingern, andererseits aber auch ganz viel Fingerspitzengefühl. Runde um Runde wuchsen dort vor den Augen der Zuschauer in rasantem Tempo die Körbe in die Höhe. Die Seitenflächen eines Korbes flach zu bekommen, gelingt nicht jedem. Ihm schon. „Dabei hat sich am Rezept für einen guten Korb im Laufe der Jahrhunderte nichts verändert. Auf die Weide kommt es an“, verrät er. Dafür nimmt er nur die Beste. Die ist aus der Pfalz. Eine halbe Tonne davon hat er auf Lager, aus Neupotz von einem Bauern, der sieben Hektar von den biegsamen Gerten anbaut. Um weitere Kunstwerke aus dem, Hause Schmitteckert muss den Abnehmern also nicht bange sein. Wers etwas genauer in Augenscein nehmen will: Am 23. Oktober ist Josef Schmitteckert beim Kunstgewerbemarkt in der Hessenkelter in Kürnbach.

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