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Dort wo der Hund den Fuß hebt

Stolpersteinverlegung erntet harsche Kritik

Am 11. Februar verlegte Gunter Demnig in der Flehinger Bahnhofstraße drei sogenannte Stolpersteine für eine jüdische Familie (siehe meinen Beitrag https://nadr.de/stolpern-in-flehingen/ ). Vorher hatten die Steine zehn Jahre lang in einer Vitrine im Flehinger Rathaus darauf warten müssen, weil die Hausbesitzer ihr Veto eingelegt hatten.

Der Platz, der von Bürgermeister Thomas Nowitzki jetzt für die Verlegung zur Verfügung gestellt wurde, wurde von Nachkommen der Familie und den Organisatoren um den MGB-Lehrer Dirk Lundberg nur deshalb akzeptiert, um einen Eklat zu vermeiden. Jetzt üben nicht nur die beteiligten Schüler harsche Kritik daran. In einem Leserbrief schließt sich ihnen Wolfgang Schönfeld an. Der Zaberfelder hatte zu der Verlegeaktion die historischen Informationen geliefert. Sein Leserbrief im Wortlaut:

Zum Artikel „Stolpersteine erinnern an Opfer der NS-Zeit“ vom 12. Februar in den Brettener Nachrichten: Nun sind sie also verlegt, die letzten drei in Flehingen noch fehlenden Stolpersteine: für Robert und Fanny Schlessinger und den Vater Gottschalk Schlessinger. Eine fast zehn Jahre währende Geschichte hat ihr Ende gefunden. Das Ziel, für alle aus Flehingen am 22. Oktober 1940 deportierten Jüdinnen und Juden einen kleinen Gedenkstein zu verlegen, ist erreicht. Doch die Verlegung wirft Fragen auf. Eine davon ist, weshalb es nach zehn Jahren Verzögerung plötzlich doch gelang, die Verlegung der fehlenden Steine für die Familie des letzten jüdischen Gemeindevorstehers zu erreichen. Hatte es einen Gemeinderatsbeschluss gegeben, der Verlegung auf öffentlichem Grund auch gegen den Willen der heutigen Hausbesitzer zuzustimmen und dadurch zu zeigen, dass die Verlegung der Steine nicht in das Belieben von Einzelpersonen gestellt werden kann, sondern Anliegen und Aufgabe der Gemeinde ist?

Für die Gemeinde bietet die Verlegung von Stolpersteinen im Gehweg unmittelbar vor dem gemeinten Haus eine sehr gute Gelegenheit zu zeigen, wie wichtig die Gedenkarbeit genommen wird. Bei allen bisher verlegten Stolpersteinen in Flehingen wurde diese Gelegenheit durch eine gut sichtbare Platzierung genutzt. Über zehn Jahre hinweg ist dies in der Bahnhofstraße in Flehingen allerdings nicht geschehen. Die Weigerung der Hausbesitzer gipfelte bei einem Besuch von anderen Nachfahren der Familie Schlessinger auf der Straße in der Äußerung der Hauseigentümerin, sie habe „genug von dem Schuldkult“ und wir sollten uns entfernen.

Die Steine, die nach Aussage des Künstlers Gunter Demnig die Erinnerung an die Menschen lebendig halten sollen, erfüllen diese Zielsetzung in der Bahnhofstraße nicht. Die Oberderdinger Verwaltung hat die Verlegung der Steine und die Auseinandersetzung mit der Verweigerung der Anwohner verschleppt. Das bekam der jetzige Geschichtsleistungskurs des Melanchthon-Gymnasiums Bretten zu spüren, weil auf die Kontaktaufnahme zur Verwaltung nicht oder immer verzögernd spät reagiert wurde. Letztlich gab es dann doch die Nachricht, dass die Verlegung stattfinden könne.

Die Freude der Schülerinnen und Schüler war groß. Um so ernüchternder war vor Ort dann die Feststellung, welche Stelle für die Verlegung gewählt wurde. Es war die Ecke des Grundstücks, weit ab vom Haus, wodurch die beabsichtigte Beziehung zwischen den auf den Steinen genannten Menschen und dem ehemaligen Wohnhaus unmöglich gemacht wurde. Überspitzt: Die Steine liegen mit ihren Schriftzeilen nicht auf das Haus hin orientiert, aber an einer Stelle, wo gewöhnlich Hunde ihre Notdurft verrichten. Das ist nicht nur ausgesprochen peinlich, sondern empörend und zeigt noch einen anderen Aspekt. Durch die Wahl dieses Verlegeorts, der die ehemaligen Einwohner eigentlich zum Gedenken wieder in das tägliche Ortsbild zurückholen sollte, wird offenbart, dass man auch heute immer noch bereit ist, jüdische Menschen oder die Erinnerung an sie wegzudrücken, sie an die Seite zu schieben und so möglichst die Erinnerung an sie zu verhindern. Das lässt sich durchaus unter Antisemitismus subsumieren, der gegenwärtig offenbar wieder salonfähig wird.

Wolfgang Schönfeld Zaberfeld

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Kommentare (2)

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    Johann Barabas

    |

    Als Antwort auf: Dort wo der Hund den Fuß hebt
    Danke für die beiden interessanten Artikel. Ja, die Geschichte in Flehingen ist unglücklich gelaufen, aber gleich von Antisemitismus zu reden?

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