Die Huldigung

Als der badische Markgraf anno 1770 alleiniger Herr in Unter-, Oberwössingen und Dürrenbüchig wurde 

Einem Flickenteppich glich die deutsche Landkarte vor dem Wiener Kongress im Jahr 1806. Ganz ähnlich zersplittert waren die Besitzverhältnissen innerhalb der Kleinstaaten und in den dazugehörigen Dörfern. So beispielsweise auch in Wössingen.

Nur wenige Jahrzehnte nach seiner ersten Erwähnung, als König Konrad II. dem Domkapitel zu Speyer 1024 all seine Besitztümer in “wesincheimero marca “ vermachte, gab es zwei Wössingen: Unterwössingen und Oberwössingen. Fünfhundert Jahre später war das Dorf geradezu auseinandergesprengt in viele Herrschaftszugehörigkeiten. Unterwössingen war in zwei, Oberwössingen gar in sieben Besitzer aufgeteilt 

Nach der Reformation versuchten die Markgrafen nach und nach die verschiedenen Teile zu übernehmen und zu vereinen. Das führte zu diversen Auseinandersetzungen. Nach jahrzehntelangen Streitigkeiten mit dem Domkapitel Speyer scheute die Markgrafschaft Baden Durlach selbst vor gerichtlichen Auseinandersetzungen nicht zurück, die hohe Kosten verursachten. Sie brachten trotzdem keine endgültige Entscheidung. 

Gerade der Erzbischof von Speyer brauchte in jener Zeit aber mächtig viel Geld. Die Zehntabgaben waren gering, denn weite Landstriche lagen öde und wüst da seit den Franzoseneinfällen 1689. Unter diesen Umständen war das Angebot des Markgrafen, den Streit durch Abkauf aller in Frage kommenden Güter zu schlichten, eine wirkliche Hilfe in der großen Notzeit. So kam am 26. Februar 1770 zwischen dem Markgraf Karl Friedrich und dem Domkapitel Speyer ein Vertrag zustande, wonach alle Güter in beiden Wössingen, Dürrenbüchig, Münzesheim und noch einigen Gütern in anderen Gemarkungen, vom Domstift Speyer für die vereinbarte Summe von 95.000 Gulden an das Fürstliche Haus Baden Durlach überging. In Wössingen habe es damals immerhin 63 speyrische Untertanen, 4 Hintersassen und 19 ledige Bürgersöhne gegeben, berichtet der ehemalige Kreisrat und Wössinger Heimatforscher Wolfgang Eberle aus seinen Nachforschungen.

Am 3. März 1770 habe die Kanzlei des Markgrafen dem Rat und Amtmann Hugo in Stein mitgeteilt, dass am 6. März in Wössingen die feierliche Übergabe stattfinden solle. Zu diesem Zweck werde der Amtmann Groß sich mit den Bevollmächtigten des Domkapitels „allda einfinden“. Um dem Übergabe- und Huldigungsakt beizuwohnen, haben Rat und Amtmann Hugo, Verwalter Bodemer und Schatzungseinnehmer Gamer „früh morgens bei guter Zeit“ ebenfalls zu erscheinen. Amtmann Hugo erhielt außerdem den dienstlichen Auftrag, „für diese feierliche Handlung den Huldigungswein und das Brot für die bisherigen speyerischen Untertanen nach Wössingen und Dürrenbüchig zu besorgen.“ Die Rathäuser in beiden Orten seien gehörig richten und säubern zu lassen und dem dahinkommenden Koch sei eine Küche und ein Zimmer in gereinigtem Zustand anzuweisen.

Wenn die Ratspersonen ein Essen bekommen, solle dies in dem besten Wirtshaus von beiden Orten veranstaltet werden, lautete die Anweisung weiter. Der Gemeinde Dürrenbüchig sei zu befehlen, dass sie sich auf Dienstag bereit zu halten habe. Außerdem müsse sie ein geräumiges Zimmer richten für die Kommission. Am Tag darauf meldete Hofrat Groß, dass in Dürrenbüchig keine Huldigung vorgenommen werde. Es werde nur in Gegenwart der versammelten Gemeinde von einem speyrischen Beamten erklärt, dass alles, was bisher dem Domkapitel Speyer gehörte, nunmehr dem fürstlichen Haus Baden gehöre. Da es kein Rat- oder Wirtshaus gab, solle dieser Akt am besten im Schulhaus durchgeführt werden.

Über die Huldigung selbst habe Amtmann Hugo lediglich berichtet, dass sie „glücklich von statten gegangen ist“. Unglück hatten nur die beiden Herren der Kommission. Schon an de rWössinger Ortsgrenze, so vermutet Wolfgang Eberle, seien sie am Hauweg mit sechs Postpferden eine Dreiviertelstunde stecken geblieben. Erst als ihnen acht Ochsen vorgespannt wurden, kam „die schwere Hof Chaise“ dann wieder in Fahrt.

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