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Gottesdienst geht auch in Mundart bewies Wolfgang Müller in der Wössinger Weinbrennerkirche.

Dialektpfarrer

Wolfgang Müller predigte in der Weinbrennerkirche in Mundart
Die deutschen Protestanten feiern 500 Jahre Reformation, die Wössinger 200 Jahre evangelische Kirche. Da ist in der Weinbrennerkirche manches anders als sonst. Luther war schon mal symbolisch zu Gast. Er steht immer noch etwas versteckt im Treppenhaus. Eine weitere Besonderheit präsentierte Pfarrerin Martina Tomaides während des Gottesdienstes am Sonntagmorgen. Zunächst einmal die, dass sie mit profaner Strickweste in der ersten Kirchenbank Platz genommen hatte und nur zur kurzen Einführung an den Altar trat.

Lukas Goppelsröder präsentierte ein antikes Gewand

Lukas Goppelsröder präsentierte ein antikes Gewand

Der Talar blieb Wolfgang Müller überlassen. Der Söllinger Prädikant zelebrierte zusammen mit seiner Frau Rosie einen Mundart-Gottesdienst unter dem Motto: „Schlupfet in d’Liebe nei!“ Ein ungewöhnlicher Gottesdienst, bei dem der pensionierte Sonderschullehrer gleich zu Beginn hoffte, „dass ich von allen problemlos verstanden werde“. Wer nicht gerade im hiesigen Idiom groß wurde, dem fiel das nämlich nicht immer leicht angesichts solcher sprachlichen Kostbarkeiten wie „Mia senn ehna zurickhaltend ebbäs zu verennere“! oder „Auf machet norä, traget des was eich schdeht.“

Thema war in vielen Facetten und durchaus doppeldeutig die Mode. „Klaida machä Leid und des war fria aa scho so,“ zitierte Müller ein altes Sprichwort und ergänzte es mit der Parallele „Än dä Klaidung hen sich domols wie heit die Gaischda gschiedä“. Er empfahl „die aldä Klamoddä emol abzulegä unn in die neie zuversichtlich neizuschlupfä“. Womit er nicht nur auf die Äußerlichkeiten anspielte, sondern zur inneren Einkehr aufrief. Denn „Ä gsunds Maß an Demut, des helft bei der Einordnung von oim selbst wie von da annerä“. An dieser wie an vielen anderen Stellen bewies er, dass Tiefgang und fundamentale religiöse Gedanken dem Dialekt nicht fremd sind und sich durchaus so ausdrücken lassen.

Auch wenn der Geistliche an der ein oder anderen Stelle durchaus Differenzen zum hiesigen Dialekt zeigte, so glitt doch immer wieder ein zufriedenes Lächeln über die Gesichter unter den Besuchern, wenn er solche Weisheiten zum Besten gab wie diese: „In neie Klaidung neischlupfä unn ihr werret merke – sie sitzt, basst, wackelt unn hat Luft.“ Das galt besonders für die weiten, wallenden Tuniken, in denen sich Lukas Goppelsröder und Tim Schückler vor dem Altar präsentierten. Die beiden Konfirmanden stellten sich dem Prädikanten als Demonstrationsobjekte zur Verfügung.

Neun Mundartgottesdienste dieser Art hat der Beauftragte des Kultusministeriums für Mundart in der Schule schon absolviert. Zwölf 12 weitere liegen noch vor ihm in diesem Jahr. Der nächste schon am kommenden Sonntag um 9:30 Uhr in Leopoldshafen. Später folgen Weingarten, Spielberg und Kleinsteinbach.

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