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Der im Lustbarkeitsgewerbe

Kabarettist Kräuter im Wössinger Hof

Am Vortag hatten die Vorstandschaft des Walzbachtaler „Familientreff Kunterbunt“ noch erwogen, das für den Samstagabend geplante Gastspiel von Jörg Kräuter im Wössinger Hof abzusagen. Befürchtet wurde, dass der Corona-Virus etliche vom Besuch abhalten würde. Die Befürchtungen bestätigten sich nicht. Der Kabarettist und „König von Baden“ wie er sich selbst nennt, machte vor einer gut gefüllten Scheune des Wössinger Hofs auf bewährte Weise „InvenTour“.

Kräuter ist nämlich in Walzbachtal kein Unbekannter mehr und hat hier schon mehrere Auftritte absolviert. Auf Kräuter kann man sich also verlassen. Bei ihm herrscht Kontinuität. Wenn ein Kabarettist überdies sein Programm schon „Inventour“ übertitelt, dann kann man bei einer solchen Bestandsaufnahme davon ausgehen, dass sie Stücke enthält, die sich schon seit Jahrzehnten immer wieder bewährten. Nach 40 Jahren im „Lustbarkeitsgewerbe“ wie er es selbst bezeichnete, wolle er abrechnen.

Der Bühler streute also etliche Elemente ein, mit denen er schon vor fünfzehn Jahren bei seinen Auftritten in der Scheune des Wössinger Hofs für Heiterkeit sorgte. So etwa seine Betrachtungen zu seinen 437 Sonntagsspaziergängen und Kaffeetische bei Hochzeiten und Beerdigungen, die ihm zwischen Bienenstich und Linzertorte die Kindheit raubten. Oder etwa die Ü-65-Partys von SWR4. Nicht fehlen durfte das „Brikett“-Lied über die Wonnen des heimischen Holzofens.

Das alles zum großen Teil in Mundart dargeboten. Der badische Entertainer, im vorderen Murgtal geboren und dann nach Bühl „emigriert“, verstand seinen Auftritt in Wössingen als Heimspiel, bei dem er seinen Dialekt nicht nur nicht versteckte, sondern sogar in einen Vorteil ummünzte. Dem Thema Migration gewann er eine ganz eigene Lesart ab und brach sie gar auf Walzbachtaler Verhältnisse herunter. Reinrassige Wössinger gebe es angesichts der Fusion mit Jöhlingen überhaupt nicht mehr „unn wenns dumm laaft, isch no en Grötzinger mit drin“!

Ob nun Klima, Mann-Frau, Kirchenkrise („Pädophilius von Sankt Blasien“) oder eben Migration, er bespielte die ganze aktuelle Themenpalette. Ganz schwerer Tobak hatte er für die türkischen Landsleute parat. Sollten welche im Publikum gewesen sein, sie hätten zu schlucken gehabt angesichts seiner Definition der Entstehung der türkischen Rasse.

Oftmals in geradezu maschinengewehrartig vorgetragenen Sequenzen. So schnell und so genau konnte man gar nicht hinhören, dass man alles verstand. Denn sein flinkes Mundwerk, kombiniert mit badischer Mundart, überforderte an manchen Stellen die Konzentration und man blieb ratlos darüber zurück, was von der Bühne auf einen herabprasselte.  Der Funke sprang dennoch schnell auf das Publikum über. Mit subversiver Komik verstand er es prächtig, die Lachmuskeln des Publikums zu kitzeln.

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