Der Bonze

Ein Oberderdinger Original weiß von vergangenen Pandemien

Die Lichtmess hat in Oberderdingen den Status „Nationalfeiertag“. Grundlage dafür sind Menschen, die sich mit Begeisterung dafür engagieren. Einer von ihnen ist Kurt Bonzheim. Der waschechte Oberderdinger ist ein Original, das wie kein zweites über Jahrzehnte hinweg der Lichtmess seinen Stempel aufdrückte.

Sechzig Jahre lang marschierte der „Bonze“, wie Kurt Bonzheim von seinen Musikkameraden liebevoll genannt wird, jeden 2. Februar als Hornist bei dieser Tradition vorneweg.

Vor fünf Jahren erst hat der mittlerweile 85-Jährige sein Tenorhorn beiseitegelegt. Das Interesse an Lichtmess ist bei ihm damit keineswegs erloschen. Jedes Jahr ist er mit Leib und Seele aufs Neue dabei und weiß unzählige Episoden zu erzählen. Schließlich gehört er zu den wenigen, die den Start der Tradition in der Nachkriegszeit noch erlebt haben. So konnte er Bürgermeister Thomas Nowitzki bei der diesjährigen Auflage darüber informieren, dass ähnlich wie heute wegen Corona im Jahr 1947 das Lichtmessreiten ebenfalls aus Pandemie-Gründen hatte ausfallen müssen.

Damals – kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – grassierte der Typhus in Oberderdingen. Die heutige alte Schule sei zum Krankenhaus umfunktioniert worden, erinnert sich Kurt Bonzheim. Die Schüler mussten den Unterricht in einer alten Holzhütte bei Blanco besuchen, die russischen Kriegsgefangenen als Unterkunft während des zweiten Weltkriegs gedient hatte.

Immer wieder spielt in den Erzählungen rund um Lichtmess auch das Wetter eine Rolle. So etwa die legendäre Kälte im Jahr 1956. Damals sei es so kalt gewesen, dass die Instrumente der Musiker schon nach dem ersten Spielen bei 20 Grad minus eingefroren seien, sagt Bonzheim. Erst am Lindenplatz seien die Instrumente bei einem Musikerkollegen mit heißem Wasser wieder aufgetaut worden.

Sehr gut kann sich der „Bonze“ noch an ein Reiterunglück erinnern. In den ersten Ausgaben der Lichtmess gingen die Musiker noch das kleine Treppchen von der Flehinger Straße zur Strombergschule hoch. Als ein Reiter hoch zu Ross ihnen auf der Treppe folgen wollte, sei er zu Sturz gekommen. Das Pferd sei so unglücklich gefallen, dass es aus eigenen Kräften nicht mehr in die Höhe kam. Die hochschwangere Stute habe erst mit einem Seil aus ihrer misslichen Situation befreit werden können. Die besondere Rolle, die Kurt Bonzheim während der Lichtmess spielte, beeindruckte auch außerhalb. „Er ist mir sofort aufgefallen, als ich die Umzüge beobachtet habe“, berichtet Helga Essert-Lehn, die den Auftrag erhalten hatte, auf dem Kelterplatz der Lichtmess ein Denkmal zu setzen. Es sei durchaus kein Zufall, dass er in der Reihe der verewigten Musiker den ersten Platz einnehme. „Er hat das Recht an dieser Stelle zu stehen, denn er hat für den Musikverein einfach eine besondere Bedeutung,“ meint Essert-Lehn. Er habe überdies ein so prägnantes Gesicht, dass er bei der Übergabe des Denkmals im Jahr 2012 von den Gemeinderäten und dem Bürgermeister sofort erkannt worden sei. Und nicht nur deshalb ist der „Bonze“ mächtig stolz auf

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