Depression ist Scheiße

Zum Welttag der Gesundheit Vortrag bei der Diakonie im Hohberghaus

Depression ist einer der Behandlungsschwerpunkte des Maulbronner Kinderzentrums. Das Thema hat sich in Corona Zeiten verschärft. Über diese Tendenz berichteten die Diplom-Psychologin Christina Wacker und ihre Kollegin Hannah Scheu-Hachtel während einer gemeinsamen Veranstaltung des Brettener Hohberghauses und der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Diakonie in Bretten.

Mit Fallbeispielen beschrieb zunächst Hannah Scheu-Hachtel die Symptomatik der Depression. Gedrückte Stimmung, Interesseverlust und Antriebslosigkeit seien erste Anzeichen. In der Regel habe die Depression multifaktorielle Grundlagen und trete erst ab einem Alter von zwölf Jahren mit Beginn der Pubertät in Erscheinung. Mädchen seien doppelt so häufig betroffen wie Jungs.

In der ersten Stufe der Therapie spielten die Eltern und ihre Beobachtungsgabe eine große Rolle. Sie sollten sich schnell professionelle Hilfe holen, meinte die Psychologin. Wenn ein Kind sich beispielsweise Informationen sucht, wie man am besten Selbstmord begeht, dann sollte man das nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Dann muss man handeln“, forderte Scheu-Hachtel die Symptome ernst zu nehmen. Bei Gefahr in Verzug sollte man nicht zögern auf das Kriseninterventionsteam des Kinderzentrums zurückzugreifen oder sich auch an die Polizei wenden.

Es gebe jedoch auch eine sehr gute Botschaft: die Depression sei eine Krankheit, die gut zu behandeln sei, versicherte Martina Wacker. Die erste Wahl dabei sei die Psychotherapie, in der Regel die Verhaltenstherapie. Nur in ganz schweren Fällen mit Gefahren des Selbstmords müsse man medikamentös und mit stationären Aufenthalten eingreifen. Ein probates Mittel sei die Aktivierung. Mal wieder rauszugehen und sich mit anderen zu treffen, auch wenn man dazu keine Lust habe. Wichtig dafür sei soziales Kompetenztraining, zu dem auch die Eltern mit ins Boot geholt werden. Sport, besonders Ausdauersportarten biete als therapeutische Intervention eine weitere Möglichkeit wie auch Entspannungsverfahren oder autogenes Training

Eng mit der Depression verknüpft ist das sogenannte nicht suizidale, selbstverletzende Verhalten. Sich ritzen, Wunden mit Salz einreiben beispielsweise komme relativ häufig vor. Mindestens 30 Prozent aller Jugendlichen hätten das schon einmal getan, berichtete Wacker. Das geschehe in Situationen, in denen die Jugendlichen mit ihren Gefühlen nicht klar kommen. Je öfter es angewendet wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für Selbstmord.

Auslöser für die Probleme seien oftmals die sozialen Medien. Wer sich mit den dort zu sehenden Idealbildern vergleicht, der schneide in der Regel schlecht ab. Facebook und Co wirkten dann als Brandbeschleuniger für Minderwertigkeitsgefühle. „Depression ist Scheiße!“ fasste Martina Wacker am Ende mit drastischen Worten zusammen, verband das aber mit der Aussicht: „Daraus kann man auch wieder gestärkt rauskommen“.

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