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Das Messer in den Rücken?

Bauern protestieren gegen Volksbegehren

Mit dem Verhältnis zwischen Bauern und Umweltschützern ist es so eine Sache. Zumeist geraten Diskussionen zwischen ihnen schnell in emotionales Fahrwasser. In Baden-Württemberg hat das seit dem Volksbegehren Artenschutz – „Rettet die Bienen“ an Schärfe noch zugenommen.

Auch in Bretten stehen vor einigen Bauerhöfen mittlerweile zartgliedrige grüne Kreuze. Mit ihnen wollen die Bauern ihren Protest ausdrücken gegen das Volksbegehren. Eines davon steht vor dem Bauernhof von Alexander Kern in den Diedelsheimer Heringsäckern.

Genau dorthin hatte der NABU, einer der Initiatoren des Volksbegehrens zu einem „Dialogforum Landwirtschaft und Naturschutz“ eingeladen. Der Schwerpunkt sollte darauf liegen, zu zeigen, wie im Biotopverbund auf Agrarflächen Kommunen und Landwirte gemeinsam Biotope vernetzen. Das gelang zwar letztlich auch spätestens mit dem Vortrag des Leiter Amt Technik und Umwelt Karl Velte über das gemeinsame „KomBlü“-Programm.

Zuvor jedoch war es zum Zusammenprall der Meinungen gekommen. Die beiden Parteien standen sich wie Antipoden gegenüber. Beide sichtlich darum bemüht, den anderen von seiner verzweifelten (die Bauern) oder herausfordernden Lage (die Umweltschützer) zu überzeugen. Zeichen waren nicht zu sehen, dass eine der beiden Seiten etwas nachdenklich über die Argumente der Gegenseite geworden wäre.

Bei seiner kurzen Einführung in das Thema erinnerte Jochen Goedecke daran, dass jeder persönlich erkennen könne, dass die Zahl der Insekten und Vögel  dramatisch abgenommen habe. In diesem Spannungsfeld wolle man mit den Landwirten vor Ort ins Gespräch kommen, meinte der Referent für Landwirtschaft im NABU Baden-Württemberg.

An seinen Erkenntnissen hegte selbst Alexander Kern keinen Zweifel. Er jedoch sei ganz anderer Meinung als die Initiatoren des Volksbegehrens, wer dafür die Verantwortung trage. Den Bauern die alleinige Verantwortung zuzuschieben, wies er entschieden zurück. Alexander Kern bekannte sich frank und frei dazu konventioneller Landwirt zu sein und hatte kein bisschen schlechtes Gewissen dabei. Mit seinem eindeutigen Bekenntnis:„Nein, Bio sind wir nicht und Ja, wir nutzen Glyphosat“, rammte er schon anfangs zwei deutliche Pflöcke ein. Und dennoch bemühe er sich auf seinen 150 Hektar mit regenerativer Landwirtschaft um umweltfreundliche Bodenbearbeitung („um da drin Leben anzuschucken“), mit Lärchenfenster auf seine Äckern um Vogelschutz  und mit den Blühstreifen entlang seiner Äcker um Insektenschutz.

Das Volksbegehren sei „für uns das Messer in den Rücken“.Den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um 50 Prozent reduzieren zu müssen, bedeute für etliche Anbauarten den kompletten Zusammenbruch. Raps oder Dickrüben könnten dann in Baden-Württemberg überhaupt nicht mehr angebaut werden, meinte einer von Kerns Kollegen unter den rund 40 Teilnehmern.

Da gab es dann schon einiges Kopfschütteln über solch rabiate Bemerkungen und den Hinweis, dass ökologische Landwirtschaft doch auch funktioniere. Zwar brauche es sicherlich noch einige Zeit, aber in den Reihen der Verbraucher bahne sich ein Umdenken an und die Bereitschaft höhere Preis zu bezahlen. Daran hatte Alexander Kern seine Zweifel. Wenn alle, die Grün wählen, auch grün kaufen würden, dann hätten wir kein Problem“ und viel mehr Landwirte könnten zur ökologische Produktion übergehen.

Über das „KomBlüh“ Programm informierte Karl Velte zum Abschluss. Mit hm fördert die Stadt das Anlegen von Blühstreifen. Dadurch solle dem Artenschwund entgegengewirkt und Nahrungsgrundlagen für der Insekten geschaffen werden. 20.000 Euro wurden im Jahr 2019 und 40.000 Euro werden in den Folgejahren zur Verfügung gestellt. Insgesamt beteiligen sich bisher am Förderprogramm 14 Brettener Landwirte mit rund 13 Hektar Blühflächen.

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Kommentare (2)

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    Hable Ulrike

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    Als Antwort auf: Das Messer in den Rücken?
    Ich finde es gut, dass die Jungbauern sich in unsrer Region zur Wehr setzen. Die ganzen sogenannten Umweltschützer machen es sich ganz einfach, einen Berufsstand verantwortlich zu machen. Was macht die Industrie oder die Politik?, Da fliegen zwei Damen in getrennten Flugzeuge über den Teich zum Klimagipfel!? Das ist anscheinend alles gut und glaubwürdig und da der Bauernverband auch lieber im Keller sitzt als seine Mitglieder mit Herz und Verstand zu unterstützen müsst ihr Bauern es mal wieder selber richten. Ich drücke euch die Daumen und hoffe mit euch, dass die Mehrheit zu Verstand kommt.

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    Jöhlinger

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    Als Antwort auf: Das Messer in den Rücken?
    Die Mehrheit der Bevölkerung scheint zu Verstand gekommen zu sein. Auch die Landwirtschaft muss ihren Beitrag zum Arten- und Umweltschutz leisten. Da genügt es nicht ein paar Blühstreifen zu pflanzen um das Gewissen zu beruhigen. Der Schwund an Insekten und Vögeln ist doch nicht zu übersehen. In Bayern, als Agrar – und Bauernland, hat das Bürgerbegehren auch geklappt, die Landesregierung dort hat noch einen draufgesetzt und es läuft.

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