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„Da gibt es keine Improvisation“

Die Schlacht am Simmelturm simuliert im Rahmen des Peter-und-Paul-Festes den Brettener Sieg gegen die Württemberger. Was dort alljährlich so routiniert über die Bühne geht, ist keineswegs selbstverständlich. Das will geübt sein. Denn die Choreographie der Bataille steht fest. Verletzen soll sich überdies niemand. Deshalb treten die Landsknechte schon seit Jahren eine Woche vor dem offiziellen Beginn des Festes zum Waffentraining mit ihren furchteinflößenden 3,50 bis 4,50 Meter langen Spießen an. In diesem Jahr traf sich die Gruppe dazu im Amthof. Die Abläufe sind den langjährigen Teilnehmern präsent und festgelegt. „Da gibt es keine Improvisation“, sagt Benjamin Farr, erster Vorsitzender der Landsknechtstruppe. Schon aus dem Grund, weil Geschichte ja Geschichte bleiben muss, der Ablauf der Schlacht und die Sieger jenes Kampfes aus dem Jahr 1504 feststehen. Unter einem spitzbübischen Lächeln entfährt Benjamin Farr, zweiter Vorsitzender der Landsknechte, die fast philosophische Einordnung: “Wir proben nur, um zu wissen, ob wir noch wissen wie es geht!“ Höchstens in den einzelnen Duellen und den kleinen Scharmützeln kann schon mal eine Überraschung vorkommen. Blaue Flecken und kleinere Schnittwunden, das sei schon drin, räumt Benjamin Farr ein. Doch der Feldscher habe dabei noch nie ernsthaft in Aktion treten müssen. Dessen frühester Einsatz findet während der Generalprobe am Freitagabend statt, nachdem die Musterung auf dem Marktpatz beendet ist. Dann treffen sich alle an der Schlacht beteiligten Gruppen mit über 200 Teilnehmern noch einmal am Simmelturm. Während dort natürlich die Probe im Gewand und in Uniform stattfindet, traten die Landknechte am Freitagabend im Räuberzivil an. Dabei wollte der Amthof nicht so richtig voll werden. Mit vielleicht 12 bis 14 Waffenträgern startete die Gruppe unter der Leitung der beiden Feldwaibel Florian Wirth und Moritz Gelb ins Spießtraining. In dessen Verlauf trottete immer wieder mal einer oder zwei zusätzlich aufs Schlachtfeld, so dass die Truppe kurz vor dem folgenden gemeinsamen Stammtisch eine erkleckliche Größe angenommen hatte. Eine lustige Truppe war es, bei der es entgegen dem historischen Vorbild nur selten ernst zuging. Da endete ein makabrer Dialog über eine gewisse Unsicherheiten über den weiteren Schlacht-Fortschritt schon mal in einem makabren: „Das weiß doch ich nicht, ob ihr sterben dürft“! Und Albrecht Beyle fügt wegen der Kampfbereitschaft seiner Truppe augenzwinkernd ein weiteres Bonmot hinzu: „Unsere Kämpfer sind fast zu neunzig Prozent Kriegsdienstverweigerer!“ Dem Gegner werde trotzdem regelmäßig Angst und Bange.

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