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Corona macht aggressiv

Schüler der Berghausener Schlossbergschule klagen über Kollateralschäden

So richtig lustig war das mit dem Schulfrei während der Corona-Epidemie nicht. Die Schüler der Berghausener Schlossgartenschule können davon ein Lied singen. Nicht nur, dass das Homeschooling keineswegs immer glatt lief und einige Probleme verursachte. Das „Zocken“ an der Playstation verlor nach zwei, drei Wochen auch seinen Reiz, wich gähnender Langeweile. Das zu Hause Eingesperrt sein, die Freunde nicht treffen zu können wurde viele Schüler zum nur schwer erträglichen Kollateralschaden.

Als fast unerträglich empfand es Elia Armbruster. Im Klassenzimmer sitzt er als einer von nur drei Schülern in einer Kleingruppe, die sich auf den Abschluss an der Werkrealschule vorbereitet und erinnert sich mit Grausen an die Zeit. Er brauche seinen Sport, sagt der Siebzehnjährige, „sonst werde ich aggressiv!“ Auf die Wand in seinem Zimmer sei er mit den bloßen Fäusten losgegangen, habe sich die Fingerknöchel so lange blutig geschlagen, bis ihn sein Vater von der Wand weggezerrt habe, sagt er und zeigt die Wunden, die noch nicht ganz verheilt sind.

Die bleierne Zeit sei schlimm für ihn gewesen, klagt er, „sehr schlimm“ setzt seine Nachbarin Meritta Ademi noch eins oben drauf. Sehr viel habe es geholfen, dass man mit Freundinnen am Handy quatschen und sich gegenseitig das Leid klagen konnte. Umso größer sei jetzt die Freude, wieder Freunde sehen zu können. Aber man fühle sich immer noch nicht frei.

Kurt Gruber unterrichtet mit Schutzmaske. Bedrückend ist für ihn die Corona-Atmosphäre in der Schule.

Bedrückend ist das Erlebnis auch für Kurt Gruber. Der Lehrer vermisst seine Kollegen. Er sei es gewohnt, sich im Lehrerzimmer auszutauschen. „Jetzt liegt es da wie ausgestorben, wenn ich komme“, müht er sich um Verständnis. Dreißig Kollegen rotieren durch nach einem ausgeklügelten Plan, so dass sich so wenige wie möglich treffen. In dem von Rektorin Ulrike Jäger entworfenen Konzept sind nur noch jeweils vier Kollegen präsent und die sind dann schon in ihren Klassenzimmern.

Nicht nur die Leere in der Schlossgartenschule irritiert Kurt Gruber. Es sei fast unheimlich ruhig. „Es fehlt, was mir sonst auf die Nerven geht!“ sagt er: das Geschrei der Grundschüler. Als Sport- und Werklehrer bedaure er sehr, dass die Schüler sich derzeit auf Mathematik, Deutsch und Englisch beschränken müssen. „Jetzt gibt es ganz einfach keine Möglichkeit mehr aus dem strengen Rahmen des Unterrichts auszubrechen“.

Mathe, Englisch und Deutsch finden derzeit auf ganz andere Weise statt. Die beiden neunten und zehnten Abschlussklassen wurden jeweils in zwei Gruppen aufgeteilt, die in Wechselschicht unterrichtet werden. Acht Schüler sind es in der zehnten, zwölf in der neunten Klasse.  Diesen Aspekt der Corona-Not empfindet Kiara Mayer als vorteilhaft: „Bei so wenigen Schülern kann man sich viel besser konzentrieren“, meint sie und fügt mit einem Grinsen hinzu: „… auch weil die Störer in der anderen Gruppe sind“. „Läuft“ bringt es ihr Klassenkamerad Niklas Jochem kurz und bündig auf den Punkt. Dass man von den „für die Prüfung unnötigen Fächern befreit ist“ wie er formuliert mache sich bei den Prüfungsvorbereitungen positiv bemerkbar.

10.-Klässler mit Lehrer Kurt Gruber vor der Notfallbetreuung der Grundschüler, die die Lehrerin bei Sonnenschein in den Pausenhof verlegt hat.

Über allem schwebt immer die Corona-Geisel. Sogar den bei den Schülern eher unbeliebten „Tafeldienst“ müssen jetzt die Lehrer erledigen. Schwamm und Tuch dürfen nur von einer Person berührt werden. Selbst die Toiletten sind so aufgeteilt, dass jeweils eine der vier Gruppen eine ausschließlich für sie reservierte Toilette benutzen kann. Die kleinen Tische weisen den unabdingbaren Abstand auf, der auch mit Markierungen auf dem Boden am Ein- und Ausgang signalisiert wird.

„Klappt alles ganz gut“, sagt Rektorin Ulrike Jäger

Das Social Distancing will aber nicht immer perfekt gelingen. In der Pause drängt sich in einer abgeschiedenen Ecke des Schulhofs schon mal eine Gruppe von Jungen aufeinander. Am Eingang ermahnt ein Lehrer eine Gruppe von Mädchen, doch das Sunkist aus dem Tetrapack nicht mit einem gemeinsamen Röhrchen zu trinken. „Abstand, Abstand, Abstand“ ist von Rektorin Ulrike Jäger immer wieder während ihrer Pausenaufsicht zu hören. „Das läuft jetzt nicht mehr so gut wie in den ersten Tagen“, gesteht sie. In der Zwischenzeit habe bei den Schülern ein gewisser Schlendrian Einzug gehalten. Dringend empfohlen habe sie die das Tragen von Masken, sagt sie. Aber alle dürften es letzten Endes so handhaben wie sie es selbst wollen. Trotz aller kleinen Mängel betont die Rektorin: „Bis jetzt klappt alles gut!“ 

Es wird noch eine ganz schöne Weile dauern, ehe an der Schlossgartenschule wieder Normalzustand eingekehrt ist. Nur für die Grasfrösche im Schulteich ist alles so wie früher. Sie blasen in der „Frühjahrsbalz“ wie eh und je gewaltig die Backen auf und verabschieden mich meinem „Wird schon wieder gut werden“.

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Kommentare (3)

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    Siegel- Günther, Carmen

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    Als Antwort auf: Corona macht aggressiv
    Ich bin mir nicht sicher, Herr Waidelich, was mich fassungsloser macht. Ihre zahlreichen Grammatik- und Rechts hreibfehler, die Ihnen als Journalist unterlaufen, oder die Tatsache, dass Sie Schüler mit vollem.Namen zitieren. Ist dss rechtlich erlaubt? Peinlich, dass Sie den Ort Ihrer Recherche nicht einmal beim Namen kennen. Es ist die Schlossgartenschule.
    C. Siegel- Günther

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      Waidelich Arnd

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      Als Antwort auf: Corona macht aggressivAls Antwort auf Siegel- Günther, Carmen.
      Sie sehen mich genauso fassungslos angesichts Ihres Kommentars, Frau Siegel-Günther. Sie sind ja Lehrkraft der Schlossgartenschule (die ich – ich gebe es selbstverständlich zu – irrtümlicherweise Schlossbergschule genannt habe) und als solche vielleicht rechtschreibtechnisch qualifizierter als ich. Allein, ich habe mal die Word-Dokumentenprüfung über meinen Artikel (an ich dem auf meiner Homepage seither nichts verändert habe) laufen lassen mit dem Ergebnis: 0 Fehler. Alles richtig. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir die Fehler aufzeigen würden, die in diesem Text sein sollen.
      Ganz unabhängig davon weiß ich und bin in der Vergangenheit auch schon öfter darauf hingewiesen worden, dass mir der ein oder andere schludrige Tippfehler (das ist zumindest für mich etwas anderes als Rechtschreibfehler) unterläuft. Wenn ich allerdings die Informationen gewichte, die NadR-Leser erhalten ohne einen Cent dafür zu bezahlen, und sie ins Verhältnis setze zu den darin enthaltenen Tippfehlern, dann bin ich mit dem Ergebnis doch sehr zufrieden. Ersparen kann ich Ihnen aber Folgendes nicht: Ich habe Ihren Kommentar genauso veröffentlicht, wie Sie ihn eingereicht haben. In fünf Sätzen zähle ich drei Fehler! Wenn das mal nicht für eine Lehrerin peinlich ist, die sich über Rechtschreibfehler beschwert!
      Personen mit Namen zu benennen ist eine der edelsten Journalistenpflichten. Das gilt auch dann, wenn es sich um Jugendliche handelt. Ich darf Sie darauf hinweisen, dass der Artikel von Ihrer Rektorin gegengelesen wurde und sie keinerlei Einwendungen hatte und ich die Jugendlichen selbstverständlich vorher gefragt hatte, ob ich ihren Namen veröffentlichen darf. Ganz unabhängig davon nehmen Sie für die Jugendlichen ein Recht in Anspruch, von dem Sie noch nicht einmal wissen, ob es dieses Recht überhaupt gibt. Ich darf Ihnen versichern: Es gibt dieses Recht nicht.

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      S.Fabry

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      Als Antwort auf: Corona macht aggressiv Als Antwort auf: Siegel- Günther, Carmen
      „Ihre zahlreichen Grammatik- und Rechts hreibfehler“
      Werte Frau Siegel- Günther, Carmen,
      haben Sie eigentlich schon mal Ihren Text auf Grammatik- und Rechtschreibfehler überprüft? Und, wenn ich mich auf mein ’strenges Auge‘ verlassen kann, steht der Bindestrich bei einem Doppelnamen nicht mittig? Aber wie ein altes Sprichwort schon sagt: Wer im Glashaus sitzt, ….. Vielleicht wollten Sie aber auch nur das Thema „Corona macht aggressiv“ bestätigen 😉

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