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„Christus“ schweigt

Glocke im Turm der Weinbrennerkirche seit eineinhalb Jahren stumm

Die größte Glocke der Wössinger Weinbrennerkirche – die Christusglocke – ist im Frühjahr 2018 verstummt. Seither müssen sich die Wössinger Gläubigen mit dem Klang von „Luther“ und „Melanchthon“ begnügen. Zwei Ursachen gibt es. Zunächst die materielle:

Das metallene Stahljoch, über das die knapp hundert Jahre alte Christusglocke angetrieben wird, ist ausgeschlagen. Im schlimmsten Fall droht das 1,7-Tonnen-Ungetüm bei weiterem Betrieb abzustürzen mit unabsehbaren Folgen für den Kirchturm. Für so etwas will in der Wössinger Kirchengemeinde niemand die Verantwortung übernehmen. Deshalb schweigt seither die Christusglocke.  

Der Glockensachverständige der evangelischen Landeskirche Martin Kares hat bei der Besichtigung der Malaise entdeckt, dass das auf dem Glockenstuhl aufsitzende „Zahnkranzwälzlager“ wie es exakt heißt ist durch Materialabnutzung am Ende sei. Im Frühjahr 2018 war Joachim Dittus, Bauexperte im Wössinger Kirchengemeinderat, noch der Meinung, die Reparatur könne bis zum Ende der Sommerferien 2018 gelingen. Weit gefehlt. In der Zwischenzeit ist mehr als ein Jahr über der hoffnungsfrohen Erwartung vergangen und ein Ende ist immer noch nicht endgültig in Sicht. Die Reparatur gleicht der unendlichen Geschichte.

Denn es ist ein sehr seltenes Exemplar an Aufhängung, auf der die im Juni dieses Jahres in einem aufwändigen Verfahren mit einem Hochkran demontierte „Christus“-Glocke aufsaß. Seither sitzt sie friedlich schweigende zwischen „Luther“ und „Melanchthon“. Das Corpus Delicti, das stählerne Zahnkranzwälzlager, wurde nach unten gebracht. Es ist der zweite, eigentliche Faktor, der das ganze Verfahren zur unendlichen Geschichte werden lässt. Das Denkmalamt, auf dessen Zuschüsse die Kirchengemeinde bei der Sanierung angewiesen ist, besteht auf der seltenen Ausführung in Stahl. Doch während ein Holzjoch als mögliche Alternative schnell parat wäre, ist die Herstellung desselben in metallener Ausführung ein Problem, das bisher noch niemand gelöst hat.

Not amused über den Glockenzustand – Kirchengemeinderat Günter Schöffel

Eine beauftragte Ingenieurgruppe hat jetzt wenigstens Anfang Oktober einen Plan vorgelegt, mit dem ein Metallbauer die Aufgabe angehen könnte. Einen solchen zu finden, der einen so speziellen Plan auch realisiert, gleicht wiederum der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen, wie aus dem Kirchengemeinderat zu erfahren war. Im Moment allerdings zeigt sich Bausachverständiger Joachim Dittus optimistisch, dass es in den nächsten Monaten gelingen könnte.

Es wird auf jeden Fall eine schöne Stange an Investitionen auf das Kirchengemeindesäckel zukommen. Die Kirchengemeinde wird darauf nicht allein sitzen bleiben müssen. Von der Landeskirche gibt es einen Zuschuss von 25 Prozent, die politische Gemeinde wird auch einen Obulus beisteuern und nicht zuletzt hofft der Leiter des Glocken- und Orgelprüfungsamtes auch auf einen Zuschuss des Denkmalamtes.

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