Gemeinderat,Kommunalpolitik,Walzbachtal

„Das gehört verschwunden“

"Das gehört verschwunden" - hätte Roger Willemsen getitelt. Die häßlichen Bohrpfähle stören nicht nur Architekt Afshn Arabzadeh.

„Das gehört verschwunden“ – hätte Roger Willemsen getitelt. Die häßlichen Bohrpfähle stören nicht nur Architekt Afshin Arabzadeh.

Bohrpfähle waren für die Sicherung des Neubaus des Wössinger Rathauses und des späteren Baus unabdingbar. Schön sehen sie nicht aus. Der Architektenentwurf des Planungswettbewerbs sah hier eine aufwändige Betonverkleidung vor. Aus Kostengründen wollte die Gemeindeverwaltung darauf verzichten. Afshin Arabzadeh, Planer des Gebäudes, wollte unter allen Um-ständen verhindern, dass der Endausbau noch den Eindruck einer Baustelle vermittle.

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Bürgermeister,Burgey

Kaffeefahrt als Lösung

Pressekonfernz bei der Susanne Amann auf den Shuttle-Service hinwies

Pressekonfernz bei der Susanne Amann auf den Shuttle-Service hinwies

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. REWE will den Befürchtungen um einen Versorgungsnotstand in Wössingen mit einem umfangreichen Angebot begegnen. Teil dessen ist nicht nur der Shuttle, der zwischen Wössingen und Weingarten (Mit angedachten weiteren Zustiegsmöglichkeiten in Jöhlingen) verkehren soll. Überdies hat der Lebensmittelkonzern mit dem heutigen Tag ein online-Angebot (rewe.de Navigationspunkt „online bestellen“) freigeschaltet, bei dem die gesamte REWE-Produktpalette bestellt werden kann. Die Bestellungen werden noch am gleichen Tag an die Haustür geliefert. Die Kühlkette für frische Lebensmittel ist sichergestellt. An der haustür können die Wössinger die Ware prüfen und gegebenenfalls verweigern. Einen Pferdefuß hat das Ganze – es gibt einen Mindestbestellwert von 40 Euro. So einen schnellen Kleineinkauf wie bei Edeka wird es nicht geben.

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Kommunalpolitik,Walzbachtal,Wirtschaft,Wössingen

Edeka schweigt

Ein Container dominiert den Eingangsbereich des ehemaligen Jöhlinger Edeka.

Ein Container dominiert den Eingangsbereich des ehemaligen Jöhlinger Edeka.

Kommt es in Wössingen zum Versorgungsnotstand? Neben vielen anderen befürchten das Ingeborg Lübke und und ihre Nachbarin Leitgieb nach der Schließung des Wössinger edeka. Anders als die meisten haben die beiden Nachbarinnen es nicht bei der Befürchtung belassen. Sie haben eine Unterschriftensammlung gestartet. Unter der Überschrift „Kein Versorgungsnotstand in Wössingen?“ sammeln sie seit geraumer Zeit Unterschriften für teils drastische Formulierungen. Sie scheuen auch vor falschen Behauptungen wie der nicht zurück, die Entscheidung zugunsten REWE hätten Gemeinderat und Bürgermeister nichtöffentlich gefasst.

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Personen

Gunda Fahrion – die schönste aller Schäferinnen

16.01.2012 23:32 von Arnd Waidelich Ein Artikel aus unsererm Archiv Schäferin Gunda Fahrion Gunda Fahrion ist Schäferin. Im Winter eine harte Arbeit. Selbst wenn der erste scharfe Frost Raureif auf die Gräser legt, ist sie draußen bei ihren Schafen. Nun ist das für einen Schäfer ja nichts Außergewöhnliches. Außergewöhnlich ist nur die Frau, die ihre Schafe derzeit rund um Jöhlingen hütet. Fast glaubt man, ein Model habe direkt vom Laufsteg in die Schäferweide verirrt. In der Tat „bin ich schon gefragt worden, ob ich modeln wollte, aber das ist nichts für mich!“ ist sie sich ihrer Schönheit wohl bewusst. Unter dem breitkrempigen Hut hat sie die schwarzen Haare zu einem adretten Zopf geflochten, lugen grüne Augen kat-zenhaft hervor. Ein Diamantstecker im Nasenflügel, ein zartes Make Up betont die harmonischen Gesichtszüge. „Ich bin eitel!“ gesteht sie mit einem Lächeln. Für ihr Aussehen tut sie eini-ges. Morgens beginnt ihr Tag schon vor fünf Uhr mit festen Ritualen. Laufen mit den Hunden, Rückengymnastik und dann ein gründliches Make Up. Abends ist der Tag allerdings schon um 9 Uhr für sie zu Ende. In der elterlichen Landwirtschaft groß geworden, war ihr schon als kleines Mädchen klar: „Ich wollte immer etwas mit Tieren zu tun haben.“ Auf Wunsch der Mama absolvierte sie zwar zunächst noch eine Lehre als Köchin, holte später mittlere Reife und Abitur nach. Erst nach verschiedenen Jobs als Trainerin im Fitnessstudio oder als Erntehelferin begann die 32-Jährige ihre Ausbildung zur Schäferin in Futterkamp bei Kiel. Sechs Jahre hütet die 32-jährige jetzt schon Schafe. Zunächst als Springerin und Lohnschäferin, hat mal im Wohnwagen, mal im Bauwagen gehaust. Sesshaft ist sie nie geworden. Geht auch gar nicht. Damit die Herden auf den Weiden genügend Futter finden, müssen die Tiere oft große Entfernungen zurücklegen. Sie führt ein nomadenhaftes Leben. Als Eremit fühlt sie sich trotzdem nicht. „Ich habe mir das ausgesucht, damit ich meine Ruhe habe. Ich bin nicht einsam“, sagt sie, denn Kontakte fehlen ihr nicht: „Es kommen immer wie-der Leute vorbei, die mit mir ein Schwätzchen halten wollen.“ Eine große Rolle spielen für sie Ivan, Jule und Silas. Die drei altdeutschen Hütehunde seien für sie „wichtiger als das Schaf. Meine Stimmung hängt davon ab, wie die Hunde arbeiten“. Die sind auch ihre Versicherung. Bei so einer Frau allein draußen in der Flur könnte schon mal einer auf dumme Gedanken kommen. Aber die Hunde passen auf. So schön die Frau, bleibt ihre Arbeit doch hart. „Im Moor mit Gummistiefeln im halbgefrorenen Wasser, da sind die Finger steif am Abend, da kannst du nicht mehr den Mantel aufknöpfen“, erinnert sie sich an die Weiden in Norddeutschland. „Andere Schäfer setzen sich bei dem Wetter ins Auto. So was mache ich nicht. Das ist für mich nicht Schafe hüten, sondern nur hoffen, dass die Schafe nicht weglaufen.“ So widrige Bedingungen findet sie im Kraichgau nicht vor. Seit 12 Wochen versucht sie, von Untergrombach aus selbst eine eigene Herde aufzubauen. Etwas über 60 Tiere sind es mittlerweile geworden. Gunda Fahrion hofft, dass ihre kleine Herde bald auf die 400 bis 450 zugeht. Zusammen mit den Lämmern sei das die Grenze, ab der man von der Schafzucht leben kann. Derzeit ist sie noch auf eine Nebenbeschäftigung angewiesen. Doch sie ist genügsam: „Ich brauche nicht viel Geld. Ich mache keinen Urlaub und habe kein Wochenende“. Nicht dass sie sich darüber beklagen würde. Im Gegenteil. Wäre sie nicht bei ihren Schafen, „da hätte ich ein schlechtes Gewissen.“

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Journalismus,Satire

Eine ernste Satire

Philippika wider die eigene Wichtigkeit
„Das ist keine vergnügungssteuerpflichtige Veranstaltung“! So pflegte ehedem ein Walzbachtaler Bürgermeister des öfteren kommunalpolitische Veranstaltungen zu etikettieren. Noch mehr gilt dieses geflügelte Wort für die zur Qual aller zäh sich über Stunden hinweg ziehenden, sogenannten Ehrenabende und Festbankette, für die Einführungen von Rektoren und deren Verabschiedung. Selbst in kleinen Grundschulen gerät so ein Ereignis lässig zum etwa zweieinhalb Stunden langen, gefühlt aber noch viel längeren Staatsakt, an dem aber auch jede der neuen Kolleginnen zeigen will, wie toll ihre Kleinen ein Liedchen trällern, wie geschickt sie das Tanzbein schwingen können oder gar – sehr beliebt das und als besonderer Ausweis gelungener Bildungsbemühungen verstanden – einen englischen Sketch mühsam zu Ende bringen. Der Höhepunkt: die Verabschiedung verdienter Rektoren, bei denen nach über drei Stunden zwar schon längst alles gesagt ist, was gesagt werden sollte, aber eben noch längst nicht von allen. Zu einem solchen, karikaturgleichen Akt in Mikroformat geriet jetzt die Vorstellung der Sonderveröffentlichung Nr.36 des Heimatvereins Kraichgau: „Zeichen der Siege – Zeichen der Trauer. Kriegerdenkmale und Gedenktafeln im Kraichgau“. Stätte des Dramas. Der Wössinger Hof. Geladen. Sämtliche Bürgermeister der Region, sämtliche Vorsitzenden der Heimatvereine der Region und noch viele andere Honoratioren. Anwesend: Der Autor, der Ehrenvorsitzende des Heimatvereins Kraichgau, der Vorsitzende des Heimatvereins Kraichgau und sein Stellvertreter samt Gattin, der hiesige und ein benachbarter Bürgermeister, der Vorsitzende des hiesigen Heimatvereins und ein frohgemut auf ein schnelles Ende hoffendes Pressevertreterlein. Neben dem Autor sechs, in Worten: sechs Personen. Später – der Vorsitzende befindet sich gerade im Höhenflug eines zwar nicht von ihm verfassten, in vier eng beschriebenen Manuskriptseiten aber sehr inhaltsreichen Elaborats, das selbst vor den Kriegen des Mittelalters nicht Halt macht und bis zu denen in der Neuzeit streift – stößt ein weiteres verdientes Mitglied des Heimatvereins Kraichgau zur Truppe hinzu. Man ist gemütlich im aller-, allerengsten Kreis unter sich. Die Stimmung: eher gedämpft angesichts des Einladungserfolgs. Lustlos ringt man sich nach ebenso länglichem wie vergeblichem Warten auf verspätet hereinhastende Besucher zum Start durch. Dem Beobachter scheint die Absage der Veranstaltung geraten oder zumindest das Eindampfen auf eine rabiate Kurzform geboten. Doch weit gefehlt. Als ob die Veranstalter das fehlende Publikum durch umso mehr Verve wettmachen wollten, läuft zunächst der einführende Vorsitzende zu ganz großer Form auf. Als ob auf den leeren Stuhlreihen gleich hunderte begierig an seinen Lippen hängen würden, benutzt er sein Manuskript als Grundlage zur freien Assoziation über Jugenderinnerungen und Naziterror. Erschrocken kommentiert er später die Vorhaltung, sein Vortrag habe 25 Minuten gedauert: „Was? 25 Minuten?“ Selten hat man einen so ungläubigen Blick gesehen. Es folgt eine kleine Pause. –Erwartungsfroh klemmt sich der verdienstvolle Autor des Bandes hinter seinen Laptop, rückt seinen Stuhl zurecht, macht es sich bequem für das, was da kommen sollte. Ein kurzer Blick auf sein Manuskript lässt Schlimmes ahnen. Ein dickes Bündel Papier legt er sich sorgfältig neben dem Laptop zurecht. Ein besorgter Blick zum Nachbar Ehrenvorsitzender. Der beruhigt: „Das dauert höchstens eine drei viertel Stunde!“ Spätestens da war Schluss mit lustig und die Veranstaltung ging in den pressefreien Status über. Zurück Einen Kommentar schreiben Kommentar von T.R. | 25.11.2011 Köstlich! :oD Kommentar von Michael Krause | 25.11.2011 Ein ganz fantastischer Bericht in einer leider selten genutzten Deutsch-lichkeit, bemerkenswerter Wortwahl und feinem Satzbau. Dieses Können, Wissenswertes entweder gekonnt zu verdichten oder aber Längen unterhaltsam zu spannen, schien den Vortragenden abhanden oder nie zugetragen worden zu sein. Liebe Heimat zeigt sich eben auch im Gebrauch und Pflege der Muttersprache. Danke für den Beitrag Kommentar von Robert Hörr | 25.11.2011 Herrlich! T. R. und M. K. haben schon alles gesag; bleibt nur zu wünschen, dass man so etwas Schönes öfter liest.

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