Bus auf Abwegen

Dreister Diebstahl bei Oberderdinger Reisebüro

Einen unplanmäßigen Kurztrip nach Paris machte ein Bus des Reisebüros Wöhrle in dieser Woche. Dreiste Diebe ließen sich weder von einem nächtlichen Ausgangsverbot, noch von schweren Rolltoren daran hindern, in der Nacht von Montag auf Dienstag einen Bus aus der Fahrzeughalle des Unternehmens zu entwenden und damit über die Grenze nach Frankreich zu fahren.

Wie die Überwachungskamera des Unternehmens zeigte, sei der „Setra 415 HD“ gegen zwei Uhr nachts seelenruhig vom Hof des Geländes gefahren worden. Zuvor hätte man das Schloss eines Seiteneingangs aufgebrochen und sich so Zugang in das Gebäude verschafft, berichtet Geschäftsführer Thomas Balmer. Der Fahrzeugschlüssel sei aus dem Büro entwendet worden. „Das Rolltor wurde anschließend auch wieder ordentlich geschlossen!“

Im ersten Moment habe er noch gar nicht an einen Diebstahl gedacht, erzählt Balmer weiter, der an diesem Morgen um sechs Uhr für einen erkrankten Linienbusfahrer einspringen musste. „In Corona-Zeiten fällt ein fehlender Bus natürlich sofort auf. Zu normalen Zeiten würde man dies wahrscheinlich gar nicht sofort bemerken.“ Zuerst hätte er bei seinem Werkstattmeister nachgefragt, ob der Bus vielleicht in einer anderen Werkstatt sei. Auch dem Fahrdienstleiter sei keine Erklärung eingefallen.

Unter dem enormen Zeitdruck der anstehenden Linienfahrt sei Balmer im Kopf nochmal alle möglichen Eventualitäten durchgegangen. Es wäre ihm jedoch dann gleich bewusst geworden, dass es sich um Diebstahl handle. Verschiedenste Methoden der Fahrzeugortung schlugen fehl. Weder mit Hilfe des WLAN-Routers, noch über das Fleetboard oder Maut-Erfassungsgerät ließ sich der Aufenthaltsort des Fahrzeugs bestimmen.

Zeitgleich mit der Anzeige bei der Polizei und der Verlustmeldung an die Versicherung verbreitete Disponent Jonas Balmer den Diebstahl über das Internet in verschiedenen sozialen Medien. Berufsverbände von Omnibusfahrern wurden über spezielle Foren ebenso informiert wie Kollegen. In nur einem Tag hätte die Nachricht knapp 500000 Personen erreicht, staunt Thomas Balmer. „Die rasante Verbreitung über das Internet hat mich schon fast schockiert!“

Sehr viele Zuschriften und Anrufe hätten die Balmers an diesem Tag erhalten. Gegen 15 Uhr erfuhren sie, dass ihr Bus bei Rottweil gesichtet worden sei und am Abend bekamen sie sogar ein Foto aus Frankreich übermittelt. Am Flughafen Paris-Orly sei einem Franzosen ein Reisebus mit deutscher Aufschrift und mazedonischem Kennzeichen aufgefallen. „Dieser Herr vermutete zunächst Kabotage – das Erbringen von Transportdienstleistungen innerhalb eines Landes durch ein ausländisches Verkehrsunternehmen“, erklärt Thomas Balmer. „Der Franzose schickte seinen Verdacht an einen Kollegen weiter, welcher über Facebook in Frankreich zufällig von unserem Diebstahl erfahren hatte.“

Dann sei alles recht schnell gegangen, ergänzt Jonas Balmer, der zusammen mit seinem Bruder unter Zuhilfenahme von Übersetzungsprogrammen im Internet jedem noch so kleinen Hinweis nachging. „Das Polizeirevier Bretten hat beste Arbeit geleistet und zusammen mit der deutsch-französischen Polizeidienststelle in Kehl diese heiße Spur umgehend nachverfolgt.“ Um ein Uhr sei der erlösende Anruf eingegangen: Bei dem verwaisten Bus in Paris-Orly handele es sich tatsächlich um das in Oberderdingen gestohlene Fahrzeug. „Den Einsatz wildfremder Menschen über die sozialen Netzwerke kann man nicht genug loben“, freuen sich Vater und Sohn gleichermaßen. „Auch das deutsch-französische Verhältnis ist absolut bemerkenswert! Wir möchten uns auf diesem Weg nochmal bei allen bedanken, die zum schnellen Auffinden unseres Fahrzeugs beigetragen haben!“

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Home Footer Links