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Breitseite an Provokationen

Satire soll provozieren. Die volle Breitseite an Provokationen feuerten Tibor Racskai und Peter P. Neuhaus am Samstagabend in die Ku(h)lturscheune der Familie Segura in der Gondelsheimer Mühlstraße. Wo früher die Kühe muhten (daher der Name der Walstatt), jetzt allerdings nur noch im Konterfei an den Wänden prangend gelassen die Vorgänge in ihrer ehemaligen Heimstatt verfolgen, da gab es was auf die Ohren, was keinen der rund 30 Besucher kalt ließ. Schiere Begeisterung, die jeden auch noch so kleinen, selbst den misslungensten Scherz mit lautstarkem Gelächter verfolgte, paarte sich mit verständnislosem Kopfschütteln. Der Anlass des Gastspiels der beiden war folgender: „Wir sind nur hier, weil wir dieses Buch in den Gondelsheimer Bücherschrank stellen wollen“, grinst Neuhaus und zeigt ein zerfleddertes Bändchen vor, aus dem er nachher einiges zum Besten geben wird. Ein Jahr nämlich steht dieser von Corinna Vogel initiierte Bücherschrank schon an der Kreuzung von Jöhlinger und Bruchsaler Straße und erfreut sich großer Beliebtheit. Das wollte die Initiatorin zusammen mit den Seguras in deren Kuhstall feiern, der sich mittlerweile in ein kulturelles Gondelsheimer Wohnzimmer verwandelt hat. Die Kultur am Samstag kam aus Satire-Hand. Peter P. Neuhaus hatte dafür jede Menge fein formuliert Gereimtes im Heiterkeit verursachenden Gewand parat. Gewöhnungsbedürftig waren dann eher seine Versuche völlig sinnfreier Lyrik, die sich hauptsächlich durch das Prinzip „Reim dich oder ich fress dich ´“ auszeichneten und angekoppelt waren an noch banalere Alltagsfotos aus dem Wohnzimmer- oder sonst einem Fenster. Unterstützt wurde er dabei von Tibor Racskai, der sich nicht nur hinter seinem bildgebenden Apple verschanzte. Er beschränkte sich oftmals auf kurze Textschnipsel, oft kaum von Satzeslänge. Die versammelte Satire-Gemeinde lachte beispielsweise über das: „Wenn ich groß bin will ich Mitarbeiter werden“!? Oder: „Mein Katze Lu, gab erst im siebten Mixer Ruh“! Da muss man schon ordentlich Satire- oder sonstwie trunken sein, um dem ein Schmunzeln abzugewinnen. Sicher, an anderen Stellen waren diese Textschnipsel von allerdings so genialer Wortgewandtheit, dass das Verstehen erst mit gehöriger Verspätung einsetzte, was Racskai dann mit feinem Grinsen kommentierte. Wie auch immer: Das satire-trunkene Publikum reagierte mit solchem Beifall, dass eine Zugabe fällig war.

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