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Böhnlichhalle wild

Bei der Prunksitzung der Wössinger Mondspritzer

Zuächst einmal gibt es von der Prunksitzung der Wössinger Mondspritzer in der Böhnlichhalle nur eine Fotogalerie. Später (morgen?) mehr. Auffällig war – so viel jetzt schon vorweg – dass zumindest in den Zuschauerreihen ein närrischer Trend hin zum Punk zu beobachten war. Das ist auch in der Galerie unübersehbar.

Das vergangene Jahr stand in Wössingen ganz im Zeichen des Bürgermeisterwahlkampfs. Wie die Jöhlinger Narren eine Woche zuvor machten auch die Wössinger Mondspritzer bei ihrer Prunksitzung in der Böhnlichhalle von diesem Thema ausgiebig Gebrauch. Wie in Jöhlingen bekam auch in Wössingen der neue Bürgermeister „sein Fett weg“, wenn auch nicht in der gleichen Schärfe und Ausführlichkeit. Die singenden Mondspritzer beispielsweise fragten sich, ob Timur Özcan nicht wisse, dass Weingarten nicht zu Walzbachtal gehöre. Andernfalls hätte er sicher dort nicht seinen Wohnsitz gewählt.

Gar nicht gefiel den Mondspritzern der Bürgermeister-Urlaub, kaum hatte Özcan sein Amt angetreten. Ein wenig schmeichelhaftes Extra-Liedchen wurde auch dem BNN-Berichterstatter gewidmet. Er geriet wegen seiner “Hinhör-Schwäche“ in die Kritik. Getextet und auf der Bühne umgesetzt von Laura Zipf, die zusammen mit Siggi Fischer als belebendes Element in die bisher ausschließlich maskuline Riege einbrach. Vom Publikum mit einem Riesenapplaus und von Sitzungspräsident Karsten Matt erstmals mit einer Rakete belohnt.

Hatten die Mondspritzer erstmals weibliche Verstärkung, so war es bei der närrischen Turnriege gerade umgekehrt. Erstmals mussten sie auf die Männer verzichten und überzeugten dennoch mit ihren artistischen Kunststücken an Barren und Trampolin unter dem Motto „Banditen und Agenten“, vorgetragen zu James-Bond- oder Tatort-Melodien. Zwei weitere absolute Neuigkeiten bereicherten die Prunksitzung. Mit Ann-Sophie Jeschke zeigte erstmals bei den Mondspritzern ein Tanzmariechen ihre Künste. Daniel Löffler, Yannick Simon, Marius Kroh, Ruben Maier, Nico Däschner produzierten alles andere als „Müll“, wie ihre Mülleimershow übertitelt war. Den in Musikinstrumente verwandelten handelsüblichen Mülltonnen entlockten sie rhythmische Orgien.

Gab es hier vor allem etwas für die Ohren, so brannten die „Dobbeldribbler“ ein optisches Feuerwerk ab. Mit einem gewagten Auftritt weitab von Bütt, Tanz oder Gesang zeigte Protagonist und Moderator Benjamin Morlock bei seinem „Morlock-TV“ vorgefertigtes Video-Material, das vor allem wegen seiner lokalen Bezüge, bekannten Gesichtern und mancher Ungeschicklichkeit für Heiterkeit sorgte in der am Samstag brechend vollen Böhnlichhalle. Spektakuläre, mit einem „Oscar“ ausgezeichnete Drehs, die Alexander Korb weit im Vorfeld angefertigt und geschnitten hatte, getoppt von einem Abschlusstanz, bei dem die Truppe zu einem Backstreet Boys-Hit über die Bühne tänzelte.

Zuständig für die extra Portion Blödsinn waren wieder Mal die „Borzelbehmler“. Sie enttäuschten ihre Fans auch dieses Jahr nicht. Mit ordentlich Tempo blödelten sich die Jungs durch Filmklassiker der 80iger und 90iger. Für gute Laune sorgten nicht minder „Roddy“ Rothweiler und El Presidente „Dany“ Veit mit ihren Stimmungsrunden.

Mit Karsten Matt war wieder einmal der klassische Till “hier in seinem Revier“ und teilte kräftig aus in Richtung kleiner und großer Politik wegen der ihm öfter der Gaul durchging. Der Gaul ging auch Joachim Kinsch durch. Als „deutscher Michel“ kalauerte er sich nicht nur über die Bühne, sondern nahm sich in Liedform politischer Trends an. Das „Theo, wir fahrn nach Lodz“ etwa wandelte er in ein langgezogenes „Biooooo – egal was koschd“ um.

Glanzleistungen hingegen waren die Tänze der TV-Garde und genau so was fürs Auge, wie der Auftritt der Jöhlinger „Loddler“, die dem Narrentreiben in der Böhnlichhalle den Schlussstrich zogen.

Die Mondspritzer hatten am Freitag und Samstag ihren Schlauch prall gefüllt. Vom Strahl üppig getroffen wurde auch ich. Ob nun alles für bare Münze genommen werden muss – ich hoffe es nicht! Ich will die entsprechende Passage meinen Lesern trotzdem nicht vorenthalten:

Do kommt dann oiner von de Zeitung; der horcht net na na na,

Schreibt was er will, macht oft gar koin Sinn, horcht net na na na

Der hat jo a koi Zeit; koi Wunna dass er en Scheiß nei schreibt

Do kommt dann oiner von de Zeitung der horcht net na na na

Mit Name hat er sei Problem, und du wirsch a gleich sehn

Dass er Fakten, Fakten moischdens nemme prüft

Und ausm Volker mol d Thomas wird

Uf nadr guck I gern nei,

Awa Arnd, so kanns net gwese sei

Do kommt dann oiner von de Zeitung; der horcht net na na na,

Schreibt was er will, macht oft gar koin Sinn, horcht net na na na

Der hat jo a koi Zeit; koi Wunna dass er en Scheiß nei schreibt

Do kommt dann oiner von de Zeitung der horcht net na na na

Erschd stürzt er bei de Wahl noh von de Bühn

Sanitäter eilen schnell herbei.

Em Foto isch Gottseidank nix passiert,

Nur de Ticker der hat kurz pausiert.

S Behm schneide gibt em dann de Reschd,

Und uns werre Konserve uffgetischt

Do kommt dann oiner von de Zeitung; der horcht net na na na,

Schreibt was er will, macht oft gar koin Sinn, horcht net na na na

Der hat jo a koi Zeit; koi Wunna dass er en Scheiß nei schreibt

Do kommt dann oiner von de Zeitung der horcht net na na na

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