Bitterer Beigeschmack

Bürgerinitiative vergleicht Argumente gegen Probebohrungen des Zementwerks mit denen gegen die B293-Umgehung

Die Entscheidung des Walzbachtaler Gemeinderats, dem Zementwerk die Erlaubnis für Probebohrungen in Wössinger Wäldern  zu verweigern, hat große Aufmerksamkeit erregt. Auch in Kreisen der Bürgerinitiative pro Jöhlingen (BI). Sie sieht in dem Verfahren Parallelen mit dem für die B293-Umgehung Jöhlingen. Die Zementwerksentscheidung stehe „in krassem Kontrast zu der getroffenen Entscheidung der Gemeinderäte für die sogenannte Ortsumfahrung B293“. Die Gemeinderäte verweigerten sich gegenüber den umweltrelevanten Argumenten, die sie in Sachen Zementwerk selbst ins Feld geführt hätten. Das hinterlasse einen bitten Beigeschmack, formuliert die BI in der folgenden, im Wortlaut veröffentlichten Stellungnahme:

Die Bürgerinitiative Pro Jöhlingen begrüßt die Haltung der Gemeinderatsfraktionen der SPD, der Grünen und der Mehrheit der CDU hinsichtlich der Abstimmung über den Antrag Zementwerk Wössingen auf Erkundungsbohrungen im gemeindeeigenen Wald. Dennoch bleibt ein bitterer Beigeschmack. Die Stellungnahmen der Gemeinderatsfraktionen haben uns einerseits sehr gefreut, andererseits aber auch mehr als überrascht und sehr verwundert. Wir als BI Pro Jöhlingen e.V. setzen uns seit Jahren für den Erhalt der natürlichen Ressourcen rund um Walzbachtal ein und begrüßen daher, dass den ökologischen Aspekten eine hohe Wertigkeit beigemessen wurde.

Allerdings steht diese Entscheidung vom 07.06.2021 in krassem Kontrast zu der getroffenen Entscheidung der Gemeinderäte für die sogenannte Ortsumfahrung B293. Sämtliche ins Feld geführten Argumente gegen die geplanten Probebohrungen des Zementwerks können 1:1 übernommen werden, um auch die geplante Ortsumgehung abzulehnen. Man ersetze ZEMENTWERK WÖSSINGEN durch ORTSUMFAHRUNG JÖHLINGEN und NATURDENKMAL HUNGERQUELLE durch FLÄCHENHAFTES NATURDENKMAL ATTENTAL, streiche die fachspezifischen Gegebenheiten und es ergibt sich eine nahezu deckungsgleiche Argumentationskette.

Wir stellen uns – sicher berechtigterweise – die Frage, wieso das Projekt „Verlagerung B293“ immer noch befürwortet wird? Wieso entdecken die gleichen Gemeinderäte ihr ökologisches Gewissen erst dann, wenn es darum geht, mit dem Ausbau des Zementwerks ein ähnlich naturzerstörendes Vorhaben abzulehnen? Die SPD hält den Eingriff in Natur und Landschaft für zu groß und gibt folgendes zu bedenken: Die betreffenden Flächen liegen in der Nähe des Naturdenkmals Hungerquelle mit dem Landschaftsschutzgebiet Waldwiesen und des flächenhaften Naturdenkmals Lausquelle. Die geplante Förderbandstraße führt zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Rekultivierung dauert Jahrzehnte. Das Gebiet dient der Naherholung und ist Lebensraum für viele Tiere und Insekten. Flächen sind endlich und der Landschaftsverbrauch ist zu hoch. Der Lärm ist je nach Windrichtung in ganz Wössingen zu hören. In einigen Jahren haben wir einen Mangel an Trinkwasser in der Gemeinde. Ganz ähnliche Argumente kommen von der CDU. Auch sie weist auf intakte Natur und das Landschaftsbild hin, welches in Angriff genommen werden würde. Auch für die CDU wäre die Zerstörung von Lebensraum für Tiere und Mikroorganismen in Anbetracht des Artensterbens bedauerlich. Zudem findet die CDU, dass Erholungsraum gerade in Zeiten von Corona wichtig ist. Auch diese Fraktion versäumt es nicht, auf die Nähe des flächenhaften Naturdenkmals „Hungerquelle“ hinzuweisen. Zum Schluss weist die CDU-Fraktionsvorsitzende sogar noch darauf hin, dass sie sich den Generationen der Kinder und Enkelkinder verpflichtet fühlt. Auch die Grünen-Fraktion entscheidet sich einstimmig gegen die Probebohrungen zum Wohle der Gemeinde und zwar aus folgenden Gründen: Es muss um jeden Baum gekämpft werden, Wald ist ein wichtiger CO2 Speicher. In der betroffenen Fläche liegt das flächenhafte Naturdenkmal Hungerquelle. Ein Förderband oder auch eine Seilbahn bringen eine hohe Lärmbelastung mit sich. Eine intakte Natur ist unbezahlbar. Renaturierung dauert Jahrzehnte. Das Landschaftsbild wäre verändert. Die Grünen wollen nachfolgenden Generationen nicht noch mehr Raubbau an der Natur hinterlassen.

Wie kann man solche Argumente anführen, wenn man im selben Ort an anderer Stelle all diese Argumente pro Natur, Landschaft, Naherholung, Lärmschutz etc. ausblendet? Die betroffene Fläche der geplanten Ortsumfahrung Jöhlingen liegt nicht in der Nähe eines flächenhaften Naturdenkmals sondern zerstört genau ein solches nämlich das „flächenhafte Naturdenkmal Attental“. Auch in Jöhlingen gibt es Windlagen, die den Lärm einer Brücke, die Teil einer Hauptverkehrsachse ist, in den gesamten Ort tragen. Dieses Vorhaben führt auf der gesamten Baustrecke zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und einer tiefgreifenden Umgestaltung der Landschaftsstruktur.

Auch in Jöhlingen ist die Natur und deren Erhalt unbezahlbar. Auch dieses Gebiet dient der Naherholung. Die Gemeinderäte sollten sich auch in Jöhlingen den nachfolgenden Generationen verpflichtet fühlen. Walzbachtal – unter der Rubrik Kultur und Tourismus heißt es unter anderem: Am Rande des Kraichgaus liegend hat Walzbachtal für jeden Geschmack etwas zu bieten. Der Kraichgau, auch das Land der tausend Hügel genannt, ist der ideale Ort zum Leben und Durchatmen, wo die Erfüllung der Bedürfnisse der Einwohner sowie aller Erholungssuchender ein wichtiges Ziel ist. Wander- und Radwege führen durch eine reizvolle Landschaft, die geprägt ist von Wäldern, Steuobstwiesen und Feldhecken.

Unsere Gemeinde hat sich dem Schutz dieser Landschaft verschrieben! Walzbachtal mit seiner Waldfläche, seinem Naturschutzgebiet und seinen Landschaftsschutzgebieten bietet Natur pur! … Einen Ausflug wert ist die Maria-Hilf-Kapelle, die, reizvoll an einem Aussichtspunkt gelegen, einen Platz der Ruhe und Besinnung bietet. Deshalb fordern wir, die BI Pro Jöhlingen e.V., alle Gemeinderäte auf, sich auch gegen das Projekt Ortsumfahrung B293 auszusprechen. Klima-, Natur- und Umweltschutz kann und darf nicht orts- oder projektbezogen sein!

Jetzt noch ein Wort zur FDP: In den Fällen Erweiterung des Zementwerks und Ortsumfahrung B293 hat die FDP keine Bedenken hinsichtlich Naturzerstörung. Risiken werden hier einfach ausgeblendet. Im Fall der Windkraftanlage spielt Naturschutz, Lärm etc. jedoch eine große Rolle. Hier sind ökologische Nachhaltigkeit und Naturschutz, Tierschutz und Umweltschutz kein Fremdwort für die FDP. Wie erklärt sich eine solche Haltung? Ist Umweltschutz nur dann ein Thema, wenn Parteikollegen betroffen sind?

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Kommentare (13)

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    Wolfgang Eberle

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    Als Antwort auf: Bitterer Beigeschmack
    Endlich. Der lang erwartete Aufschrei der Bürgerinitiative pro Jöhlingen !!, warum nicht pro Walzbachtal??, ist endlich da. Leider werden auch hier wieder Äpfel mit Birnen verglichen und mir drängt sich auch hier zum wiederholten Male ein Ortsteildenken auf. Die FDP hat wahrscheinlich ( unwissentlich? ) den Kern für die zukünftige Entwicklung des Zementwerks in Walzbachtal getroffen. Die einen oder anderen Rohstoffe sind in Deutschland gar nicht oder nur begrenzt vorhanden. Der Zement ist als Endprodukt mit einem Kuchen, der auch aus verschieden Zutaten besteht, zu vergleichen. Der so sehr begehrte und überaus wertvolle Muschelkalkstein für die Zementproduktion ( ein sehr wichtiger Teil) ist auch bei uns nur in geringen Maße vorhanden. Und so langsam sind die genehmigten und erkundeten Abbaugebiete bei uns erschöpft.
    Das derzeitige erlaubte Abbaugebiet hätte ohne die technischen Fortschritte beim Abbau und Verarbeitung noch die nächsten 50 Jahre Bestand. An dieser Stelle sei erwähnt dass der Kalksteinbruch Haßmersheim ( Besitzer war der Gründer vom Wössinger Zementwerk) bereits stillgelegt wurde. Heidelberger Zement hat in Leimen den Steinbruch Nußloch auch geschlossen. Nur ein Beispiel dafür, dass die für die Zementproduktion nötigen Rohstoffe bei uns nicht unendlich sind. Unbestritten dagegen ist der notwendige Erhalt der natürlichen Ressourcen. Die ökologischen Aspekte, die Naherholung und die kulturellen Werte der Gemeinde werden Landkreis übergreifend ( Enzkreis und Bretten) täglich und an allen Wochenenden von vielen Menschen ganzjährig genutzt.
    Quo Vadis Wössingen ( natürlich Walzbachtal)?
    Der Kernpunkt unsere Betrachtung sollte in dem Zeitraster für die kommenden 30 Jahre und danach liegen. Für die international operierenden Konzerne wie vorher Lafarge und jetzt OPTERRA ist das Werk Wössingen ein Peanut in ihrem weltweiten Firmenkonstrukt, das nur auf Gewinn ausgerichtet ist. Das haben wir schmerzhaft sieben Jahre lang mit fehlenden Steuereinnahmen ( weil wo anders und nicht vor Ort abgerechnet wurde) erfahren. Arbeitsplätze als Druckmittel sind nach außen immer ein beliebtes Argument, die Realität bei konzerninterner Unrentabilität des Standortes sieht anders aus. Die abgebauten Gebiete können nie in ihrer ursprünglichen Form und Funktion “renaturiert“ werden. Viel interessanter sind die Möglichkeiten zur weiteren Nutzung der bisher und bis dahin abgebauten Flächen.
    In den 50er Jahren gab es zur Nutzung der abgebauten Flächen Überlegungen die für mich recht interessant klingen. Neue Produktionsstätten, Arbeitsplätze für neue und umweltfreundliche Technologien und Handwerk könnten darauf geschaffen werden. Ein vielfaches an Arbeitsplätzen würde entstehen. Diese Chance sollten wir nutzen. 30 Jahre zur Planung für die Gemeinde und auch für den Konzern, der seine schon vorhandenen kontaminierten Altlasten fachgerecht entsorgen könnte. Infrastruktur, Wasser, Abwasser, Strom etc., Stadtbahn und Straßenanschluss an die B293 sind vorhanden. Ein neues Gewerbegebiet müsste nicht über den FNP neu ausgewiesen werden, da ebenfalls schon vorhanden. Wenn wir das umsetzen könnten würde ganz Walzbachtal ökologisch und ökonomisch einen großen Schritt in eine bessere Zukunft machen.

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    Nico

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    Hauptverkehrsachse? Kein verantwortungsbewusster Mensch befürwortet in heutiger Zeit noch den Bau einer Hauptverkehrsachse durch ein flächenhaftes Naturdenkmal!

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    Jöhlinger

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    Als Antwort auf: Bitterer Beigeschmack
    Und da ist sie wieder, die Initiative und ich kann mich Herrn Eberle nur anschließen. Es werden Äpfel mit Birnen verglichen.
    Schon in 5 Jahren wird ein großer deutscher Automobilbauer den Verbrenner in die Wüste schicken, der Verkehr wird aber dennoch bleiben/zunehmen und muss einfach aus dem Ort heraus! So ist das nun mal. Und wenn dann in 10 Jahren alle mit Strom unterwegs sind, sind die Straße und das Auto die einzig umweltfreundlicheren Alternativen – so ist das nun mal. Bis Dato wird es keine Alternativen geben – weil wir uns in Deutschland dafür selbst im Wege stehen. Große Infrastrukturmaßnahmen wie der Ausbau der Bahn etc. werden ausgerechnet von „lokalen Ökos“ blockiert – bei uns beispielsweise die Windkraftanlage. So kommt man nie weiter.
    Also liebe BI Jöhlingen – bitte die Kirche im Dorf lassen.

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    füxel

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    Als Antwort auf: Bitterer Beigeschmack
    Die FDP interessiert sich nicht für Fakten!
    Warum aber spricht sich die CDU aus Umwelt- und Lärmschutzgründen gegen den Bau der Windkraftanlage und ein großer Teil der CDU-Gemeinderäte aus den selben Gründen (Naturschutz, Lärmschutz, Landschaftsbild) auch gegen die Erweiterung des Zementwerks aus, befürwortet aber die Ortsumgehung, die eine untragbare Zerstörung der Natur und eines Naherholungsgebiets sowie eine viel größere Lärm- und Schadstoffbelastung zur Folge hat.

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      Ikas

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      Als Antwort auf: Bitterer Beigeschmack Als Antwort auf: füxel
      Es ist sicherlich besser den „Dreck“ mitten im Ort zu haben als außerhalb. Ich denke man kann zumindest festhalten das es dringend eine Lösung geben muss die zeitnah umgesetzt werden kann und auch bezahlbar ist. Wäre die Straße von Anfang richtig am Ort vorbei und nicht durchgezogen worden gäbe es die Diskussion in der Form nicht einmal.

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    Apfelschorschi

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    @Jöhlinger
    Und da ist er wieder, unser Jöhlinger! Was machen Sie, wenn Sie eine faule Frucht in Ihrem Korb haben? Analysieren Sie zuerst, ob es ein Apfel oder eine Birne ist oder sortieren Sie sie sofort aus? Die Ausgangslage in den angesprochenen Fällen ist sicher nicht deckungsgleich, sie weist aber die angesprochenen Parallelen auf.
    Welchen Stellenwert nimmt denn der Ausbau der Schiene in Ihrem „genialen“ Vergleich ein? Ist es die Kirsche oder doch eher die Pflaume?
    Der Widerstand der sogenannten „lokalen Ökos“ gegen den Ausbau des Schienennetzes speist sich ja in weiten Teilen daraus, dass von den Bauherren zunächst einmal nicht die nachhaltigste sondern die billigste Trassenführung geplant wurde, siehe z.B. die Oberrheinstrecke. Wie heißt es aber so schön: Wer billig baut baut zweimal.
    Sie ignorieren geflissentlich, dass Jöhlingen durch den Bau der Umgehung nicht plötzlich zur autofreien Zone wird. Diese Belastung bleibt ja bestehen. Zusätzlich wird aber das Naherholungsgebiet großflächig platt gemacht. In Ihren Augen scheint das ja die einzig wahre Lösung zu sein. Ich verneige mich vor so viel Ignoranz.
    Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann kollabiert das System eher früher als später, sowohl ökologisch als auch ökonomisch – so ist das nun mal!

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    Jöhlinger

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    @Apfelschorschi
    Und da ist auch er wieder…wunderbar. Bin heute am Netto vorbei gekommen – und auch da steht er wieder, unser netter älterer Verkäufer in seinem Wendel Obststand gegenüber. Hast du den mal beobachtet? Wahrscheinlich nicht, sonst würde manch einer hier nicht so einen Unfug schreiben.
    Mit Gehörschutz wartet er geduldig auf seine Kunden. Im Haus direkt hinten dran schaute mich jemand an – und, sonderbar. Kein offenes Fenster auf der Seite des Hauses. Und das bei dem Wetter, wo doch jeder froh sein sollte, dass es ein klein wenig abgekühlt hat. Und warum wohl werden die Fenster nicht offen sein? Und – warum sind die Häuser eigentlich gefühlt immer so dreckig von außen? Und – wieso sieht das in Berghausen eigentlich genauso aus?Hmmm, mal kurz nachdenken…aha – wahrscheinlich weil sie den Gestank und Dreck, den man außen sieht, nicht in der Bude haben wollen, oder? Ein Dank an alle, die soviel Empathie für diese Menschen besitzen, die diesen Umständen Verkehr, Lärm und Dreck ausgesetzt sind, weil sie 3 Meter neben einer Straße wohnen, die vor 30 Jahren noch kein Problem dargestellt hat.
    @Apfelschorschi: Der Dank geht auch an dich.
    @restliche Umweltschützer: auch die Menschen und die Gesundheit der Menschen ist schützenswert. Nicht umsonst sprecht ihr euch beispielsweise auch gegen den Lärm von Windrädern aus. Es ist nunmal so, das manche Entscheidungen abgewogen werden müssen. Und – ich bin klar gegen die Erweiterung des Steinbruchs und tatsächlich habe ich auch gegen die Windräder gestimmt, weil das wirklich Unfug ist. Der Eingriff in die Natur für die Entlastung der Menschen in Jöhlingen ist kein Unfug in meinen Augen. Der Verkehr gehört aus dem Ort heraus.
    Letztlich wurde das Attental ja auch mal in das Naherholungsgebiet dort gebaut. Kräht da jetzt noch ein Hahn nach? Was wäre denn, das Attental müsste erweitert werden? Analog zu den Plänen zum Gageneck 2 (wobei die derzeit friedlich in einer Schublade zu schlummern scheinen).
    So – und jetzt gerne wieder zurück zu der sehr guten Entscheidung des Gemeinderats, keine Genehmigung für Probebohrungen zu erteilen.

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    Apfelschorschi

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    Was für eine schizophrene Antwort.
    Sie beklagen, dass „lokale Ökos Infrastrukturmaßnahmen blockieren – beispielsweise bei uns die Windkraftanlage“ und outen sich jetzt ernsthaft als einer dieser von Ihnen angeprangerten Blockierer, die gegen die Windräder gestimmt haben?
    Sie sprechen die Umstrukturierung des Individualverkehrs Richtung E-Mobilität an und prognostizieren, dass in 10 Jahren alle mit Strom unterwegs sein werden.
    Was glauben Sie, wielange es dauert, bis die Ortsumgehung fertig gestellt ist? 5 Jahre, 10 Jahre? Bis dahin bleibt die Situation für die Anwohner unverändert. Auch mal daran gedacht, dass die Ortsumgehung den Lärm und den Gestank erst dann von den Häusern fernhalten kann, wenn es diesen in 5 Jahren (?), in 10 Jahren (?) in dem aktuellen Ausmaß gar nicht mehr gibt?
    Schon mal daran gedacht, dass ein SOFORTIGES LKW-DURCHFAHRVERBOT für den Fernverkehr eine SOFORTIGE ENTLASTUNG bringen würde?
    Und nochmal: auch durch die Ortsumgehung wird die B293alt nicht zur verkehrsberuhigten Zone. Sie bleibt eine Durchgangsstraße.

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      Ikas

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      Genau, dann werden für alle Orte Durchfahrverbote erteilt und die LKWs springen von der Autobahn direkt zu den Lieferadressen. Gibt es ein Verbot in einem Ort, muss der Verkehr dann irgendwo anders durch, aber ja „mein Problem“ ist ja dann gelöst und um den Rest sollen sich andere kümmern. Man verlagert die Probleme sehr gerne, Hauptsache aus den Augen aus dem Sinn.

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    H.B.

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    Ich habe den Eindruck, die wenigsten „Jöhlinger“ sind sich im Klaren darüber, welche gravierenden Folgen der Bau der Ortsumgehung auf das Landschaftsschutzgebiet haben wird:
    „Das Vorhaben führt auf der gesamten Baustrecke zu erheblichen Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes! Beim Ausbau der B293 ergeben sich große Einschnittsböschungen und damit verbunden bauliche Eingriffe in die Randzonen der Waldbestände. Im Neubauabschnitt führt das Vorhaben aufgrund des bewegten Reliefs zu einer tiefgreifenden Umgestaltung der Landschaftsstruktur! Die Senke des Attentales wird durch ein Brückenbauwerk technisch überformt und durch die Brückenwiderlager abgeriegelt.“
    Das entspringt nicht der Phantasie der Bürgerinitiative, das ist Teil eines Gutachtens für das Regierungspräsidium Karlsruhe.

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    Doto

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    Wir müssen alle umdenken, anders geht es nicht mehr. MEHR Autoverkehr geht nicht mehr, es muss weniger werden, egal mit welchem Treibstoff. Dass die Anwohner, die in der Nähe der bisherigen Bundesstraße wohnen, nicht lüften können, ist kein gutes Argument. Ich wünsche ALLEN bessere Luft und weniger Autoverkehr. Jede neue Straße zeigt den Autofahrern: Fahrt ruhig weiter – bis wir bei 2°C Klimaerwärmung sind… Dann kommt für uns alle das böse Erwachen und dann können wir nicht mehr viel ausrichten. Bitte Aufwachen, liebes Autoland Deutschland!

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    Jöhlinger

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    @H.B. & Doto:

    Wenn allen die Umwelt so am Herzen liegen würde, dann würden sie ja heute schon umgestiegen sein und man würde völlig umsonst über die Umgehung streiten, weil die Voraussetzung gar nicht mehr gegeben wäre.
    ABER: Der Anreiz zum Umsteigen wird gar nicht voran getrieben. Beispiel Ausbau S4 – dringende Infrastrukturprojekte werden in anderen Ländern einfach gestartet: In Deutschland wird diskutiert bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Wo kommt den hier von Seiten unserer lokalen Aktivisten die Forderung und der Protest zur Beschleunigung des Ausbaus? Wieso möchte man nicht sogar einen 10-Minuten-Takt auf die Strecke bringen, um sie wirklich lukrativ zu machen. Oder – Warum gibt es keinen kostenlosen ÖPNV, z.B. innerhalb von Walzbachtal? Oder – warum müssen wir in Walzbachtal die Wabe Berghausen Hummelberg auf der Fahrt nach Karlsruhe bezahlen? Wieso schafft es hier keiner, sich um solche Sachen auch mal zu kümmern und auf die Hinterbeine zu stellen?

    Gerade die BI, die sich hier gegen die Umfahrung auflehnt, sollte auch sich dafür einsetzen, dass die Alternativen gefördert werden und diese mit entsprechender Schärfe einfordern – erst dann wird ein richtiger Schuh draus.

    Und Ja, liebe Doto und liebe/r H.B. – ich möchte auch mehr Güterverkehr auf der Schiene haben, auch dazu müsste unsere Strecke einfach ausgebaut werden, damit das umgesetzt werden kann. Unterhält man sich dann mit „Anwohnern“ über solch umweltpolitischen Themen, kommt auch recht schnell die Aussage – „Ah nee, laute Güterzüge wollen wir an unserem Garten auch nicht vorbei fahren haben.“

    Man kann es drehen, wie man will. Ein echtes Problem – nur wie bekommt man dies gelöst? Jedenfalls nicht über eine reine Blockadehaltung.
    Also ran an die Tastaturen, zeigt die Alternativen auf, setzt euch nachhaltig ein für mehr Umweltschutz, und nicht erst dann, wenn ihr selbst auf einmal von einer Maßnahme betroffen seid.

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    Nico

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    Als Antwort auf: Bitterer Beigeschmack
    Nach meinem Informationsstand richtet sich ein Durchfahrtsverbot generell immer an den Fernverkehr. Der lokale Lieferverkehr ist davon nicht betroffen. Ich denke, so ist auch das hier schon mehrfach geforderte LKW-Durchfahrtsverbot für Jöhlingen zu verstehen. Wenn man über springende LKWs spricht dann sollte man auch erwähnen, dass die LKWs mit Ziel Gewerbegebiet dann auch nicht direkt von der Abfahrt der Ortsumfahrung ins Gewerbegebiet springen. Momentan fahren sie noch über den Buckel, zukünftig würden sie an den Häusern vorbeifahren, die eigentlich entlastet werden sollten.
    Ich muss Apfelschorschi recht geben. Zuerst zieht Jöhlinger über lokale Ökos her, die den Bau der Windkraftanlage blockieren und einen Beitrag später sagt er, er hätte gegen die Windräder gestimmt. Damit macht er sich so was von unglaubwürdig.
    Ich habe gerade noch mal die Broschüre der Bürgerinititiative herausgesucht, mit der sie sich vor ca. 3 Jahren vorgestellt hat. Dort spricht sie sich klar und deutlich für die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs aus. Wenn das einem Vielschreiber wie Jöhlinger zu wenig ist, wieso ergreift er nicht selbst die Initiative und setzt sich für dieses Ziel konkret ein, statt hier tagtäglich über „lokale Aktivisten“, „lokale Ökos“, „restliche Umweltschützer“ zu spotten. Wahrscheinlich machen sie auch nicht alles richtig. Es sind aber zumindest Leute, die etwas konkretes unternehmen und nicht nur andere auffordern, in die Tasten zu tippen.

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