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Artisten in der Zirkuskuppel

Podiumsdiskussion der VBU Bretten zur Arztversorgung
Eine Angst geht um in Bretten. Die Angst heißt Ärztemangel. Und das nicht erst seit Apothekerin Ariane Maaß mit keckem roten Leibchen bewehrt in der Fußgängerzone paradierte auf der vergeblichen Suche nach Äskulaps. Wie sehr dieses Thema die Brettener bewegt, kam in der Versammlung der Vereinigung Brettener Unternehmer (VBU) gestern Abend zum Ausdruck. Das „volle Haus“, das sich VBU-Beisitzerin Marion Klemm im Vorfeld der Veranstaltung gewünscht hatte, bestätigte in der Tat das große Interesse an dem von der VBU vorgegebenen Thema „Handlungsbedarf für Optimierung der Brettener Ärzteversorgung“. Vorsitzender und Diskussionsleiter Andreas Drabek konnte sich über einen brechend vollen Saal des alten Rathauses freuen. Etliche der über hundert Besucher mussten sich mit Stehplätzen begnügen.
Solo für Dr. Stütz

Solo für Dr. Stütz



Mit welch starken Emotionen das Thema besetzt ist, machten einige heftige Reaktionen insbesondere auf den Vortrag von Peter Hinz deutlich. Der Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württembergs geriet schnell ins Visier des hörbar unzufriedenen Dr. Friedrich Brüggemann. „Der spricht ja so nichtssagend wie ein Politiker“! maulte er zunächst vor sich hin, um schließlich mit einem lautem, von starkem Beifall begleiteten Zwischenruf zu unterbrechen: „Sagen sie doch endlich mal, ob es noch möglich ist, Fachärzte in Bretten anzusiedeln“. Die verneinende Antwort („Wir haben derzeit keine Möglichkeit“) wurde mit lauten Missfallenskundgebungen bedacht. Damit korrespondierte der Beifall, den Dr. Günter Gauß für seine Kassenvereinigungsschelte und den Vorwurf erhielt, die KV sei für das Facharztdefizit in Bretten verantwortlich.

Der große Ratschlag für die große Aufgabe blieb aus

So ganz viel Rat wusste an diesem Abend denn auch niemand. Auch die anderen auf dem Podium versammelten Teilnehmer beschrieben die Aufgabe als eine ganz schwierige. Sie könne nur langfristig gelöst, müsste jetzt aber schon angegangen werden, meinte Dr. Wolfgang Stütz, der einleitend das Publikum nicht nur mit den Brettener Fakten vertraut gemacht hatte. Von den 20 Brettener Ärzten seien acht über 60 Jahre alt, so dass deren Zahl in absehbarer Zeit auf nur noch 12 sinken werde. Nachfolger, die Praxen übernehmen wollen seien nicht zu finden. Allein im letzten Jahr hätten deshalb zwei Praxen geschlossen werden müssen.

Nach Peter Hinz verwiesen auch die beiden Landtagsabgeordneten Andrea Schwarz und Joachim Kößler auf den regional zugeschnittenen Bedarfsplan, der eben für den Landkreis fast durchweg Überversorgung mit Fachärzten ausweise. Bei den Kinderärzten seien das 162 Prozent, meinte Schwarz und zuckte ebenso hilflos mit den Schultern wie ihre Kollegen. Sie wie auch später Renate Knaus appellierten an den Gesetzgeber, kleinere Einheiten für die Ausweisung solcher Statistiken vorzusehen. Bis dahin – und das wird, wenn überhaupt je angegangen, wohl lange dauern – wird Marion Klemms wehmütige Rückschau auf die ehedem gute Versorgung mit Lungenärzten, Kinderärzten und ihr gleichzeitiger Wunsch nach der Wiederherstellung dieses Zustandes erfolglos verhallen.
Hohe Konzentration auf den Stütz-Vortrag

Hohe Konzentration auf den Stütz-Vortrag



Ein Rezept allerdings gab es, das immer wieder empfohlen wurde. Bretten müsse mit seinen Pfunden wuchern, meinte Peter Hinz. Die neue Rechbergklinik könne durchaus als Renommierprojekt anziehende Funktion haben. Der Reiz Brettens als attraktives Mittelzentrum müsse für ansiedlungswillige Ärzte in den Vordergrund gestellt werden.

Einzig Paul Metzger wusste zusätzlich Rat. Die VBU wie die Bürgerinitiative Rechbergklinik werde sich mit aller Macht für ein Ärztehaus bei der Rechbergklinik einsetzen. Das Ärztehaus solle sich an das neue Krankenhaus andocken und könne für viele Synergieeffekte sorgen. Damit könne die Attraktivität für ansiedlungswillige Ärzte gesteigert werden. Und dann preschte Paul Metzger mit einem weiteren großen Geheimnis nach vorn. Er habe schon Gespräche mit einem Investor geführt, der bereit sei, sich dort zu engagieren. Bald werde es weiter Gespräche mit einem Projektentwickler geben, der sich der Sache annehmen wolle. Er zeigte sich zuversichtlich, das Projekt zusammen mit der Krankenhaus-Holding verwirklichen zu können. Genaueres wollte der Ex-OB allerdings nicht preisgeben.

OB musste sich mit Platz in den Zuschauerreihen bescheiden

Metzger sah sich im Gegensatz zu OB, den er mehrfach vom Podium herab als „lieben Martin“ direkt ansprach. Ein Ärztehaus in der Stadt werde keine zusätzliche Kaufkraft in die Innenstadt ziehen. Der OB, dem nach Angaben aus Veranstalterkreisen der gewünschte Sitz auf dem Podium verweigert worden war, musste sich mit einem Platz in der ersten Reihe vorne im Publikum bescheiden. Dass sich Wolff mit dieser Rolle nicht zufrieden geben wollte, machte er mit einer letzten Wortmeldung deutlich. Als Andreas Drabek zu einem Schlusswort für die Podiumsteilnehmer aufrief, schloss er sich unaufgefordert als letzter an die Reihe an.
Das letzte Wort wollte sich OB Wolff nicht nehmen lassen.

Das letzte Wort wollte sich OB Wolff nicht nehmen lassen.



In der ersten Reihe saß er neben einem anderen Top-Mann der Brettener Kommunalpolitik, mit dem er bereits in der Hochwasserdebatte die Klingen kreuzte. Martin Wolff und Aaron Treut mischten munter in der Diskussion mit. Die ein oder andere Äußerung klang – wie schon einen Tag vorher im Gemeinderat bei der Verabschiedung des Haushalts – verdächtig nach Wahlkampf für die im Herbst anstehende Bürgermeisterwahl.

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