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Armut im Landkreis

Jugendhilfe- und Sozialausschuss des Kreistags befasst sich mit dem Thema
(PM lra) Nach dem aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vom März 2017 ist in Deutschland kein Mensch existentiell bedroht, gleichwohl leben Menschen an der Armutsschwelle. Der Jugendhilfe- und Sozialausschuss des Kreistags beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung vom 29. Mai mit der Situation im Landkreis Karlsruhe. Von relativer Armut spricht man, wenn das Einkommen weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens ausmacht. Für einen alleinstehenden Menschen liegt die Schwelle bei 942 € und bei Familien mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1.978 € im Monat. Daneben gibt es eine gefühlte Armut, die aus gesellschaftlicher Ausgrenzung oder Diskriminierung herrührt. Krankheit, Sucht, Unfallfolgen, Behinderung, Arbeitslosigkeit, Bildungsbenachteiligung aber auch familiäre Faktoren erhöhen das Risiko, in Armut zu geraten.

In Deutschland beläuft sich die Armutsrisikoquote auf 15,7 %. Nach Bayern (11,6%) weist Baden-Württemberg mit 11,8% die zweitniedrigste Quote auf. Zwar wurde eine Differenzierung auf Kreisebene nicht vorgenommen, die Indikatoren „Arbeitslosenquote“ sowie „Empfängerquote von Eingliederungshilfe“ sind hier jedoch niedriger als in vielen anderen Kreisen. Die Region Mittlerer Oberrhein weist eine Armutsquote von 12,6 % auf. Bei der Arbeitslosigkeit stellt sich die Situation im Landkreis Karlsruhe günstig dar: Mit 3,3% liegt sie nochmals unter den im Vergleich zur Bundesrepublik (6,2%) guten Zahlen von Baden-Württemberg (3,7%).

Auch Menschen mit Behinderung haben ein erhöhtes Risiko in Armut zu geraten. Wesentlich ist hier die geringere Chance, einen höheren Bildungsabschluss zu erreichen und dadurch die schlechtere Berufsaussichten. Im Landkreis Karlsruhe erhalten derzeit 2.646 Menschen mit Behinderung Leistungen der Eingliederungshilfe. Mit 5,4% liegt die Empfängerquote unter dem Landesdurchschnitt von 6,3 %. Die Altersarmut in Deutschland lag 2015 bei 17,2 %. Im Landkreis Karlsruhe wies der Indikator für „Altersarmut“, nämlich der prozentuale Anteil der Senioren, die Leistung der Grundsicherung im Alter und bei Behinderung erhalten, in den letzten Jahren stets unterdurchschnittliche Werte aus. Frauen haben dabei einen um 57 % geringeren eigenen Rentenanspruch als Männer. Konkret heißt das, dass Frauen durchschnittlich ca. 618 EUR Altersrente erhielten und damit 442 EUR weniger als Männer. Haushalte mit Kindern sind häufiger von Armut bedroht: Hier greifen Sozialtransfers und familienbezogene Leistungen. Der Landkreis Karlsruhe unterstützte im Jahr 2015 3.400 Kinder und Jugendliche mit dem Bildungs- und Teilhabepaket. Schul- und Kindergartenausflüge, Schulbedarf, Schülerbeförderung, Lernförderung, Mittagsverpflegung sowie Vereinsbeiträge und Kursgebühren konnten übernommen und dadurch eine nachhaltige Teilhabe gefördert werden.

Auch Jugendliche und junge Erwachsene sind überdurchschnittlich betroffen, wobei ein Viertel der von Armut betroffenen jungen Menschen Studierende oder Auszubildende sind. Geringe Qualifikationen, Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind wesentliche Gründe dafür. Zu erkennen ist ein deutlicher Zusammenhang zwischen Armut und erzieherischen Hilfen: Kinder und Jugendliche, die eine Heimerziehung als Hilfe benötigen, sind um das 12-fache mehr armutsgefährdet; gleichzeitig haben Menschen, die in Armut leben, eine 7- bis 25-fach höhere Wahrscheinlichkeit, Hilfe zur Erziehung zu benötigen. Bei den alleinerziehenden Frauen und Männern befinden sich ein Drittel unterhalb der Armutsschwelle. Um dem entgegen zu wirken tragen die Gemeinden des Landkreises Karlsruhe durch eine gut ausgebaute Kindertagesbetreuung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei. Aktuell standen 4.017 Plätze für Kinder bis 3 Jahre, 14.119 Plätze für Kinder von 3 bis zum Schuleintritt und 8.811 für schulpflichtige Kinder zur Verfügung. Auch die Randzeitenbetreuung ist durch die Tageseltern mit 1.054 Plätzen gut abgesichert. Noch Nachholbedarf gibt es für Betreuungszeiten in den späten Arbeitsstunden, in der Nacht, am Wochenende oder an Feiertagen wie es z.B. SchichtarbeiterInnen benötigen. Das Bundesprogramm „KitaPlus“ fördert seit 2016 den Ausbau in diesem Bereich. Die gravierendste Form der Armut stellt die Wohnungslosigkeit bzw. Obdachlosigkeit dar. Ursachen hierfür sind in Kombination mit Armut und Arbeitslosigkeit im schrumpfenden Bestand der Sozialwohnungen und den gestiegenen Mietpreisen zu finden. Zu drei Viertel sind Männer betroffen. Aktuell erhalten 75 Menschen entsprechende Leistungen.

Das Thema Armut muss differenziert betrachtet werden und es können keine pauschalen Schlussfolgerungen gezogen werden, so das Fazit des Berichtes. Bezogen auf vergleichbare Landkreise steht der Landkreis Karlsruhe in vielen Bereichen vergleichsweise gut da. Unterstützungsangebote für die verschiedensten Zielgruppen und unterschiedlichen Bedürfnisse sind bereits installiert. „Dennoch verfolgen wir die Entwicklung auch weiterhin aufmerksam, um bestehende Unterstützungsangebote an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen und gegebenenfalls weiter auszubauen“, kündigte Landrat Dr. Christoph Schnaudigel an.

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