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Apotheker im Unruhestand

Reinhard Behm genießt schon seit vielen Jahren den Ruhestand. „Unruhestand“ wäre bei dem sportlichen 70-Jährigen eher angebracht. Er ist immer noch als leidenschaftlicher Volleyballer, Tennisspieler und Radfahrer unterwegs. Ein wesentlicher Teil seiner Radtouren ist nicht dem eigenen sportlichen Engagement gewidmet, sondern dem der Allgemeinheit. Ganz einfache Dienste sind darunter. „Ich fahre die Post für den Kassier des TSV Jöhlingen aus“, sagt er beispielsweise. Er ist aber auch als Mitglied der Apotheker ohne Grenzen (AoG) auf dem Zweirad zwischen den Apotheken des Landkreises unterwegs. In den Satteltaschen: Spendendosen, mit denen er Gelder für die Arbeit der AoG in Kirgistan, Sibirien, China, Thailand, Pakistan, Nepal oder Moldawien sammelte. Mit dem Sammeln ist es bei Reinhard Behm nicht getan. Der umtriebige Senior hat schon unzählige Projekte der Apotheker ohne Grenzen begleitet. In Pakistan, Moldawien oder beispielsweise in Nepal hat er bei abenteuerlichen Fahrten zu den entlegensten Orten in den Berge die Medikamentenversorgung für Erdbebenopfer organisiert. „Da ging es nicht mehr mit dem Fahrrad wie im Kraichgau, sondern mit dem Jeep,“ schildert Dr. Behm die Einsätze. Mittlerweile hat er sich von Auslandseinsätzen etwas zurückgezogen. Der Diplom-Chemiker kümmert sich eher um den Aufbau einer baden-württembergischen Regionalgruppe, die die AoG mit Vorträgen in Heidelberg, Tübingen oder Freiburg bekannt machen will. Damit nicht genug, engagiert er sich seit einiger Zeit auch beim Senioren Expert Services (SES). Der SES ist eine Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit. Die ehrenamtlichen Einsätze finden in erster Linie in Entwicklungs- und Schwellenländern und in Deutschland statt. Das Prinzip des SES ist: Das große Potenzial ehrenamtlicher Fachleute im Ruhestand einzubringen in kleine und mittlere Unternehmen, öffentliche Verwaltungen, soziale und medizinische Einrichtungen und Institutionen der Grund- und Berufsbildung. Einen besonderen Schwerpunkt in Deutschland bildet die Förderung junger Menschen in Schule und Ausbildung. Alle SES-Einsätze folgen dem Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe. Eines der letzten Beispiele ist eine alleinerziehende Mutter aus Bretten mit einem dreijährigen Kind. „Ich habe sie ein halbes Jahr lang begleitet bei ihrer Ausbildung zur pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten in den Beruflichen Schulen Bretten“. Ihr habe die notwendige Kraft und die Konzentration gefehlt, berichtet Behm. Einmal pro Woche habe er mit der 23-Jährigen Hausaufgaben gemacht, geübt und habe ihr vor allen Dingen aus Rückhalt gegeben und die Möglichkeit, sich auszusprechen. Mit Erfolg. Die Mama konnte ihre Ausbildung abschließen. Reinhard Behm will mit seinem sozialen Engagement „der Gesellschaft etwas davon zurückgeben, was ich im Lauf meines Lebens erhalten habe.“ Der ehemalige Hochschullehrer und Forscher in Rostock in der DDR fühlte sich nach der Wende in seinem neuen Wohnort Walzbachtal von Anfang an pudelwohl. „Ich bin hier in der Gemeinde und beim TSV Jöhlingen sehr gut aufgenommen worden“, sagt er. Sein Engagement bei den Apothekern ohne Grenzen versteht er als kleinen Ausgleich dafür.

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