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ALBA liefert EBS

Ersatzbrennstoffe für Opterra kommen aus Karlsruhe

Seine Kritik am Einsatz von Ersatzbrennstoffen (EBS) im Wössinger Zementwerk hat der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) wiederholt. „Nach Durchsicht der geänderten Genehmigung für das Zementwerk der Firma OPTERRA in Walzbachtal-Wössingen, in der neue Emissionsgrenzwerte für Kohlenmonoxid und Gesamtkohlenstoff festgesetzt wurden, erneuern der Regionalverband Mittlerer Oberrhein des (BUND) und die Bürgerinitiative Müll und Umwelt ihre Kritik“,

heißt es in einer Presseerklärung des BUND. Und  weiter: „In Wössingen wird das Zementwerk als Müllverbrennungsanlage missbraucht, was zu einem massiven Ausstoß von Umweltgiften in die Region führt“, betont Harry Block, Mitglied des Vorstands des BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein.

Nach Recherchen der Umweltschützer hat dieses Vorgehen der Zementindustrie System: Für die insgesamt sieben Zementwerke in Baden-Württemberg liege gemäß Angaben der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) die Genehmigung zur Mitverbrennung von jährlich 1,2 Millionen Tonnen Abfall vor. Das ist mehr als die zwanzigfache Menge des jährlich im Landkreis Karlsruhe gesammelten Hausmülls. „Das ist Profitmaximierung auf Kosten der Gesundheit der Menschen“, sagt Block. „Müllverbrennungsanlagen sind als so genannte Wirbelschichtöfen gebaut und verfügen über spezielle Filteranlagen, um den Schadstoffausstoß zu reduzieren. In einem Zementwerk – auch wenn es als getarnte Müllverbrennungsanlage betrieben wird – ist der Ofen dagegen auf die Produktion von Zement ausgelegt. Wir erneuern deshalb unsere Forderung, dass die Firma OPTERRA sich umgehend auf den Weg macht, ihr Zementwerk in Wössingen auf den umweltverträglicheren Brennstoff Gas umzustellen.“

Nach Angaben der Karlsruher Bürgermeisterin Bettina Lisbach setzt Opterra seit dem 1. Juli 2019 „in geringem Umfang“ im Verbrennungsprozess Plastikabfälle aus Karlsruhe ein. Es habe im Jahr 2019 von ALBA Lieferungen in einem Umfang von insgesamt rund 3.500 Tonnen erhalten, sagt Lisbach. Diese seien hauptsächlich aus dem gewerblichen Bereich (Gewerbeabfälle, außerhalb kommunaler Zuständigkeit) gekommen und enthielten nur im geringen Umfang kommunale Anteile.  Opterra sichert vertraglich zu, die Vorgaben der 17. BImSchV einzuhalten.

Weiter aus der Presseerklärung des BUND:

Für den Erörterungstermin am 22.12.2015 hatten der BUND Regionalverband Mittlerer Oberrhein und die Bürgerinitiative Müll und Umwelt Einwendungen erhoben, die im Erörterungstermin von Harry Block für den BUND und Gudrun Vangermain für die BI vertreten wurden. Die Genehmigung der Anlage wurde inzwischen vom Regierungspräsidium Karlsruhe erteilt und kann im Internet eingesehen werden: https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpk/Service/Bekanntmachung/Seiten/Bekanntmachungen-Bereich-Umwelt.aspx#LANDKREIS%20KARLSRUHE.

Die Zementproduktion ist ein extrem energieintensiver Prozess und die Zementindustrie weltweit mit der größte Energieverbraucher. Deshalb suchen die Firmen kostengünstige Energie für ihre Drehrohröfen zu bekommen. In Wössingen wie auch anderswo in Deutschland wird nun die Idee verfolgt, Müll als Brennstoff einzusetzen und dies noch als umweltfreundlich zu verkaufen. Wer weiß schon, dass u.a. auch die Papierfabrik Stora Enso in Karlsruhe Müll als Energieträger benutzt oder das Rheinhafendampfkraftwerk der EnBW eine Genehmigung für die Mitverbrennung von Abfall hat und die sieben Zementwerke in Baden-Württemberg laut Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) eine Genehmigung für 1,2 Millionen Tonnen Abfallmitverbrennung haben. Zum Vergleich: Im gesamten Landkreis Karlsruhe fallen gerade mal 50.000 Tonnen Hausmüll pro Jahr an.

Durch die Energiebereitstellung durch Abfall im Zementwerk Wössingen werden die Schadstoffe in Luft, Wasser und Boden in und um Wössingen erhöht. Zur Erinnerung: Die Jahresfrachten von einigen Stoffen betragen nach Genehmigung von 2015

930 kg an Schwermetallen,

56 kg bei Cadmium und Thallium,

52 kg Quecksilber,

ungefähr 2 t vom Fluorwasserstoff, und

18,6 t vom Chlorwasserstoff – also Salzsäuregas bzw. Gas, das mit Wasser Salzsäure bildet.

Dabei ging die damalige Genehmigung des Regierungspräsidiums an die Grenze des gesetzlich Möglichen zu Gunsten des Schutzes von Mensch und Umwelt.

Unsere Alternative ohne Gifte – Gasfeuerung – wurde damals aus Kostengründen vom Betreiber in der für die Emissionen wichtigen Genehmigung von 2014 verworfen. Die Politik wäre gefordert gewesen und betet jetzt die Mitverbrennung von Müll in dafür nicht gedachten Drehrohröfen noch gesund.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat sich auch bei dieser Genehmigung für zwei Schadstoffe (CO und TOC) Mühe gegeben, unsere Einwendungen in der Genehmigung zu entkräften und ihnen minimal Rechnung zu tragen. Unsere grundsätzlichen Einwendungen gegen die Nutzung von Abfall zur Energiebereitstellung in einem Zementwerk können die Beamten eines Regierungspräsidiums, die sich an alle Verordnungen und Gesetze der Politik halten müssen, nicht nachgehen.

Bei den am 22. Dezember 2015 verhandelten Stoffen Kohlenmonoxid und TOC (dabei geht es bei TOC= Gesamtkohlenstoff um einen Summenwert für die im Abgas enthaltenen organischen Stoffe. Dazu gehören: Methan, Ethen, Ethin, Propen und Butadien, sowie die hochgiftigen Stoffen Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole (BTEX), Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Polychlorierte Biphenyle (PCB) sowie die in winzigen Mengen krebserregenden Polychlorierte Dibenzodioxine und Dibenzofurane) handelt es sich um Stoffe, bei denen die 17. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) allerdings Ausnahmen für die Grenzwerte für diese Stoffe vorsieht, sofern die Emissionen rohstoffbedingt sind. Das Vorprodukt des Zementes (der Kalk) beinhaltet zum Teil diese Stoffe. Die Frage war und ist: wieviel?

Es wäre für die Einwender vertrauensstiftend gewesen, wenn der Genehmigungsantrag nicht auf einem Gutachten des Forschungsinstituts der Zementindustrie (FIZ) basiert hätte. BUND und BI Müll und Umwelt zweifeln nicht an der Kompetenz des Instituts, aber die Frage nach seiner „Unabhängigkeit“ hinterlässt doch ein „Geschmäckle“. Denn es sind solche Institute, die sowohl die Erstellung der Umweltgesetze als auch deren Umsetzung als Lobbyisten begleiten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Bundesimmissionsschutzgesetz für Zementwerke nicht die volle Gültigkeit besitzt.

In der Sache zeigt sich dies bei diesem Verfahren beim Sachverhalt der Einschätzung des Kohlenmonoxids: Im Versuch mit den Rohmaterialien im Labor hatte das FIZ eine weit niedrigere Emission an CO (zwischen 58-173 mg/m3) festgestellt, als bei den begleitenden Emissionsmessungen vor Ort im Zementwerk (mittlere Konzentration von 1425 mg/m3) gemessen wurde. Hier ist nach Aussage des FIZ und auch nach Einschätzung des Regierungspräsidiums der Einfluss des für die Minimierung der Stickoxide notwendigen technischen SNCR-Entstickungsverfahren maßgeblich. Dem können wir uns nur bedingt anschließen, weil einschätzen und wirklich wissen zwei ganz verschiedene Tatsachen beinhalten können.

In Versuchsanlagen in Österreich und in Deutschland wurden spezielle Oxidationskatalysatoren zur Minderung von CO und organischen Komponenten im Drehrohrofenabgas getestet, die noch weiter fortgeführt hätten werden müssen. RP und Betreiber sind jedoch der Ansicht, dass der Aufwand für eine solche Nachrüstung im großtechnischen Maßstab finanzielle Mittel im Millionenbereich erfordern würde. Dies sei nicht verhältnismäßig und deshalb habe man unsere Einwendungen zur Ausschöpfung des fortschrittlichen Stands der Technik zurückweisen müssen.

Die Firma Opterra hat im Nachgang zum Erörterungstermin ihre Emissionswerte im Februar 2016 reduziert, die nun genau in dieser Höhe vom RP genehmigt wurden.

Die Alternative – ohne jegliche Zusatzemissionen von hochgiftigen Schwermetallen, und mit viel weniger Stickoxiden und geringerem Kohlendioxidausstoß – wäre die Feuerung mit Gas gewesen. Die Erklärung von Harry Block in der Erörterung am 22.12.2015 hat deshalb weiter Bestand: „Wir bleiben aber auch bei dieser Genehmigung bei unserer durch die EU bekräftigte Forderung nach Umstellung der Feuerung im Zementwerk Wössingen auf Gas für die gesamte Anlage. Gas hat keinerlei schädliche, giftigen Stäube, ist vor Ort vorhanden und aus ökologischen Gründen die einzig hinnehmbare Verbrennungsalternative.“

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Kommentare (4)

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    Martina Prinz

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    Als Antwort auf: ALBA liefert EBS
    Unglaublich, dass wir in Walzbachtal diese Praktik zulassen. Wo sind die verantwortungsbewussten Gemeinderäte, die gegen diese Art der Müllverbrennung laut aufschreien? Der Kreis schließt sich: Wir lassen es zu, dass ein Discounter gebaut wird, das Mehr an Plastikmüll wird dort gekauft, und anschließend in unserem Ort wieder verbrannt. Die Konsequenzen für die Umwelt und unsere Gesundheit müssen unsere Kinder und Enkelkinder tragen. Wie sieht politisches Handeln für eine gesunde und lebenswerte Umgebung in Walzbachtal aus, und wann wollen wir damit beginnen?

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      Morpheus

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      Als Antwort auf: ALBA liefert EBS Als Antwort auf: Martina Prinz
      „Wo sind die verantwortungsbewussten Gemeinderäte“? Die Frage ist etwas naiv. Man muss nur schauen wer im Gemeinderat sitzt und wer alles für das Thema Umwelt verantwortlich ist.
      Opterra sitzt selbst im Gemeinderat und achtet erfolgreich darauf, dass die eigenen Interessen durchgesetzt werden. Unser Bürgermeister zeigt sich ständig in den sozialen Medien mit netten Grinsebildern, wo ihn jeder beim Feiern bei den Vereinen oder beim Händeschütteln bei Opterra sehen kann… Leider vermittelt er kaum etwas über seine Arbeit.
      Sehr bedenklich finde ich auch das der komplette Gemeinderat, bei nicht sozialen Entscheidungen wie dieser oder vor allem auch den Entscheidungen gegen Familien (Kindergärten und Hort), geschlossen einer Meinung ist. Man ist sich halt einig… Wo sind eigentlich die sozialen und umweltbewussten Parteien in unserer Gemeinde? Ich denke hier fehlt einigen der gewählten Vertretern einfach das Rückgrat und leider auch das Interesse an den Themen.

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    Birgit

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    Als Antwort auf: ALBA liefert EBS
    Wenn hier vor Ort zu wenig getan wird und es auch noch andere Orte (Zementwerke) in Baden-Württemberg betrifft, sollte man vielleicht eine Petition z. B. bei Change.org starten? Ich habe leider inhaltlich und technisch zu wenig Ahnung davon, möchte aber gesunde Luft atmen und würde sofort unterschreiben und Werbung machen für eine Petition.

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    Tom

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    Als Antwort auf: ALBA liefert EBS
    … und wo sind die Bürger? Die einen sind gegen das Altersheim, die anderen versuchen mit seltsamen Argumenten die B293 Umgehung zu verhindern. Könnten sich doch beide mal bei dem Thema engagieren Tom!

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