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Zuerst Planung, dann Dollars

Kritik an den Stadtplanern im Brettener Rathaus
Einen neuen, frischen Blick auf die Stadt zu werfen, das erhoffte sich der Grüne Fraktionsvorsitzende Otto Mansdörfer in seiner Begrüßung zu einem Vortrag von Frank Schneidereit. Sein Thema: „Eine sinnvolle Stadtentwicklung ist möglich“. Er hatte es nicht mit einem Fragezeichen versehen. Ein Ausrufezeichen stand vielmehr am Ende der Veranstaltung im Saal des alten Brettener Rathauses.
Der Architekt, der in den letzten Monaten viele Ideen in die Diskussion im Rahmen des ISEK-Prozesses eingebracht hatte, hatte sich mit der Kamera auf den Weg durch die Stadt gemacht und Station an den Stellen gemacht, die ihm veränderungswürdig und –bedürftig erschienen. Genau die stellte er den rund 20 Besuchern vor. Eine zentrale Rolle spielte für ihn dabei nicht nur das Fibron-Mellert Gelände oder die Sporgasse. Den ersten Blick warf er auf den erbarmungswürdigen Zustand des Bahnhofs. Eine positive Veränderung könne nur eine bauliche Veränderung bringen, nicht des Bahnhofs selbst allerdings, sondern zwischen Jugendmusikschule und Bahnhof. Eine Bebauung des Parkplatzes würde in den Bahnhof Frequenz und Leben bringen, meinte Schneidereit.
Am Thema B35 kam er selbstverständlich ebenfalls nicht vorbei und setzte zu den gegenwärtig diskutierten Umgehungstrassen einen starken Kontrapunkt. „Vielleicht haben wir die Lösung in der Stadt?“ fragte er provokativ und schlug einen zweispurigen Ausbau der B294 im Bereich der Wilhelmstraße vor. Der würde künftige Entwicklungsmöglichkeiten am Rand der Stadt nicht verhindern und gewaltige Bauwerk im Bereich der Bahn unnötig machen.
Vortrag von Frank Schneidereit bei den Grünen. Sein Thema: „Eine sinnvolle Stadtentwicklung ist möglich“

Vortrag von Frank Schneidereit bei den Grünen. Sein Thema: „Eine sinnvolle Stadtentwicklung ist möglich“

Auf dem Mellert-Fibron-Gelände sei mit den letzten Entscheidungen der Zug für eine Bebauung abgefahren, die Leben ins Quartier bringen könne, meinte Schneidereit und plädierte immer wieder für eine aktive Stadtplanung “mit Blick in die Zukunft“. Daran hapere es derzeit in Bretten. Man solle die Bürger mehr einbinden und die Stadt gemeinsam entwickeln. Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat lasse sich viel zu sehr von den Interessen von Investoren beeinflussen.
Als ob er die Büchse der Pandora mit dieser Bemerkung geöffnet hätte, stürzten sich die fünf anwesenden Gemeinderäte auf diese These. „Pfeffersäcke, Gewerbe, Gewerbe“ stehe bei den Entscheidungen des Gemeinderats immer im Vordergrund, wählte Hermann Fülberth drastische Formulierungen. Man solle doch endlich mal den Spieß umdrehen, Visionen entwickeln und nicht Dollarmentalität an den Tag legen. Zuerst müsse der Städtebau kommen dann die Investoren, meinte auch Otto Mansdörfer. Bei Mellert-Fibron sei genau das Gegenteil passiert.
Selbst Bürgermeister Michael Nöltner, der sich zuvor schon an mehreren anderen Stellen engagiert in die Diskussion eingemischt hatte, mochte da nicht nur nicht widersprechen, sondern sah die Stadtplaner im Brettener Rathaus nicht in der Lage, „so ein Konzept hinzukriegen.“ Harald Müller wünschte sich im Rathaus einen Stadtplaner, der mit der Schneidereitschen Grundhaltung an die Arbeit ginge und unkte: „Vielleicht kriegen wir bald so einen wie sie“. Der Grüne Gemeinderat räumte aber ein, dass man sich an der Stelle beispielsweise durch die Diakonie unter Handlungsdruck hätte setzen lassen. Genau das solle man künftig vermeiden und sich die Zeit für reife Entscheidungen lassen, nahm seine Fraktionskollegin Ute Kratzmeier als Lehre aus der Veranstaltung für sich mit und den Wunsch nach einem Städteleitbild.
Vortrag von Frank Schneidereit bei den Grünen. Sein Thema: „Eine sinnvolle Stadtentwicklung ist möglich“

Vortrag von Frank Schneidereit bei den Grünen. Sein Thema: „Eine sinnvolle Stadtentwicklung ist möglich“

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