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Schon seit Jahren lahm

Das Thema Hochwasser wird in Ruit mit besonderem Eifer beackert. Das letzte Hochwasser am 8. Juni hat Ortsvorsteher Aaron Treut beflügelt, die Anstrengungen zum Schutz seiner Ruiter noch mal zu verstärken. Jetzt hat er sich Hilfe von außen sozusagen ins Boot geholt. Gestern – bei einem Wetter, bei dem man zuallerletzt an Starkregen dachte – war Axel E. Fischer in Ruit zu Gast. Der Bundestagsabgeordnete wollte sich vor Ort ein Bild von den Nöten der Ruiter machen. Für ihn, der durch Hochwasserschäden in Malsch oder Neuburgweier in seinem Wahlkreis mit dem Thema durchaus vertraut ist, sei das allerdings kein Neuland, verriet er den rund 15 Bürgern, die sich dem Politiker-Duo an die Fersen geheftet hatte. Direkt am sogenannten „Krabben-Brunnen“ wurde zum ersten Mal Tacheles geredet. Das Unverständnis steigert sich noch. Am Einlaufbauwerk des Saalbachs in die Verdolung weist Aaron Treut darauf hin, dass er persönlich vergeblich den Oberbürgermeister („ein Schnellschuss“) um Initiative gebeten habe, einen dort vorgesehenen Wall endlich umzusetzen und auf eine Höhe von einen Meter zu bringen, statt der vom Ingenieurbüro Wald&Corbe vorgesehenen 50 Zentimeter. „Das reicht doch nie im Leben“, erntete Treut mit dieser Bemerkung lebhafte Zustimmung aus dem Kreis der Zuhörer. Die Wassermassen, die am 8. Juni zu-sätzlich aus der Bauschlotter Platte ins Ruiter Tal gedrängt hätten, seien damit nie im Leben aufzuhalten gewesen, ergänzte Papa Otto Treut, einer von dreien aus der Treut-Dynastie, die seit Jahrzehnten an dem Thema dran sind. Denn schon der mittlerweile verstorbene Opa und Ex-Ortsvorsteher Robert Scheuble sei ebenfalls in dem Metier unterwegs gewesen. Er selbst habe seit über zwanzig Jahren, so setzte Otto Treut nach, gewarnt und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Alles vergebens. Die allermodernste Technik sei schon da. Man sei aber nicht bereit, sie zu nutzen, empörte er sich über eine Hochwasser-Pegelmesslatte, die am Einlaufbauwerk eher den Dynosaurierstatus der Bemühungen anzeige als den Hochwasserstand. Unverständnis herrschte auch über die Prioritätenrangliste, bei der Ruit auf Platz 3 hinter Bretten und Diedelsheim rangiere. Man müsse doch endlich erkennen, dass das in Ruit aufgehaltene Wasser helfe, Überschwemmungen in Bretten und Diedelsheim zu verhindern. Eines der Hauptärgernisse sei aber die Geschwindigkeit, besser: die Langsamkeit mit der alles von statten gehe. Das gelte insbesondere für den Hochwasserschutzverband, bei dem es „schon seit Jahren lahm geht“, sagt Aaron Treut. Und: „Es ist nicht viel passiert. Man muss endlich mal anfangen“. Beispielhaft verweist er auf eine Familie am Ruiter Ortsausgang. Sie war des Wartens überdrüssig und hat die Dinge selbst in die Hand genommen. Just im gleichen Augenblick fuhren dort die Baumaschinen vor, um sich den persönlichen Wall für den Hochwasserschutz ums Haus schaffen.

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