1109 gegen Windkraft

Gegenwind sammelte Unterschriften / 10 mal mehr Jöhlinger als Wössinger gegen die Anlage

Das Thema Windkraftanlage (WKA) auf in dem Heuberg beschäftigt nach wie vor sehr viele Walzbachtaler, verständlicherweise besonders die Jöhlinger. Mitte letzten Jahres hat sich aus den Reihen der Gegner eine Bürgerinitiative unter dem Namen „Gegenwind“ gebildet. Im Oktober wurden die Bedenken bei einem vor-Ort-Termin auf dem geplanten Standort der WKA untermauert. Daran nahmen auch die regionalen Landtagsabgeordneten Joachim Kößler (CDU) und Andrea Schwarz (Grüne) Teil.

Seither haben Vertreter der Bürgerinitiative die Fragestunde fast jeder Sitzung des Walzbachtaler Gemeinderats dazu genutzt, kritische Fragen an Bürgermeister Timur Özcan zu stellen. Immer wieder wurde bemängelt, dass sich der Bürgermeister nicht entschieden gegen das Vorhaben der EnBW positioniere. Das wurde verbunden mit dem Vorwurf, Özcan lege nicht die gewünschte Gesprächsbereitschaft an Tag. 

Jedes Mal blieb dem Bürgermeister nichts anderes übrig, als auf die Rechtslage hinzuweisen: dass nämlich Walzbachtal nicht Herr des Verfahrens sei, sondern Weingarten. Er wisse sehr wohl, dass nicht alle Bürger mit diesen Planungen einverstanden seien. Selbstverständlich würden im Hintergrund Gespräche mit dem Landratsamt und dem Regionalverband zu dem komplexen Thema geführt. Mittlerweile habe auch das von der Fraktionsvorsitzenden der CDU Jutta Belstler angeregte, gemeinsame Gespräch der Gemeinderäte aus Weingarten und Walzbachtal stattgefunden, wenn es auch unter Corona-Bedingungen auf die Fraktionsvorsitzenden habe beschränkt werden müssen. Dieses Gespräch habe aber nur informativen Charakter gehabt.

Eine ganz wesentliche Grundlage für die Beurteilung des Verfahrens fehle immer noch, nämlich die Urteilsbegründung des Verwaltungsgerichtshof Mannheim, der die Planungen der Verwaltungsgemeinschaft Karlsruhe verworfen hatte.

Eine andere Antwort hatte er auch für Maryvonne Cantinelli nicht parat, die in der Fragestunde der Gemeinderatssitzung am 18. Januar eine Unterschriftensammlung der Bürgerinitiative „gegen die Monster-Windräder auf dem Heuberg“ überreichte. Genau 1109 Personen haben sich der darin niedergelegten Forderung „Kein Bau einer Windkraftanlage zwischen Weingarten und Jöhlingen“ angeschlossen. 

Die Verteilung der darin enthaltenen Unterschriften zwischen den Weingarten und den beiden Walzbachtaler Ortsteilen beweist: Der Löwenanteil des Widerstands findet in Jöhlingen statt, dort wo die Betroffenheit als am höchsten eingeschätzt wird. 654 Jöhlinger Bürger haben die Petition unterschrieben, dagegen nur 60 Wössinger. Auch die Weingartener steuern nur  261 Unterschriften bei, ergänzt von 122 Personen aus anderen Gemeinden. 

Maryvonne Cantinelli wies bei der Übergabe der Unterschriften an Hauptamtsleiterin Julia Walter darauf hin, dass wegen Corona das Sammeln von Unterschriften derzeit nicht leicht falle. Sie gehe davon aus, dass man eigentlich viel mehr Unterschriften erzielen können. Man habe nicht alle erreicht, die gerne unterschreiben würden. Sie verlieh ihrer Hoffnung Ausdruck, dass sich Timur Özcan „mit aller Kraft auch gegen dieses entsetzliche Projekt engagieren und die Einwohner Ihrer Gemeinde schützen“ werde. Wenn der Bürgermeister im Mitteilungsblatt der Gemeinde nach den Wünschen der Bürger frage, was den Einwohnern wichtig sei, dann stehe für sie ganz weit vorne die Forderung: „keine Windräder so nah am Wohngebiet“!

Timur Özcan signalisierte der Vertreterin der Bürgerinitiative erneut Gesprächsbereitschaft. Er habe sich mit Vertretern der Bürgerinitiative für einen digitalen Austausch bereit erklärt, für den man sich am 26. Januar verabredet habe. Ihm gehe es darum, so sagte er auf Nachfrage dieser Zeitung, „dass jede Person ihre Sichtweise präsentieren darf. Das gehört für mich zum Demokratieverständnis“. Er hoffe, dass bis dahin die schon für Mitte Dezember versprochene Urteilsbegründung des Verwaltungsgerichtshofs Mannheim vorliegen werde. Er als Bürgermeister habe die Position des Moderators, der die Interessen der gesamten Bürgerschaft vertrete. Das gehör für ihn zu seinem Demokratieverständnis dazu. Die von der Bürgerinitiative schon mehrfach geforderte und von der Grünen Fraktion beantragte öffentliche Informationsveranstaltung zu dem Thema sei bisher wegen Einschränkungen durch Corona noch nicht möglich gewesen.

Trackback von deiner Website.

Kommentieren

Home Footer Links