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Zementwerk entschuldigt sich

Heimburg räumt falsche Zahlenangaben ein
Die Überraschung kam ganz am Ende. Bei der Vorstellung des Emissionsberichts der Opterra für ihr Wössinger Zementwerk entschuldigte sich Jörg Heimburg gegenüber dem Walzbachtaler Gemeinderat „in aller Form dafür, dass wir im Jahr 2016 die Frachten nicht richtig berechnet haben“. Der Leiter Umwelt, Genehmigung und Öffentlichkeitsarbeit im Wössinger Zementwerk räumte damit ein, dass auch die höchst umstrittenen Werte für Quecksilber-Emissionen falsch gewesen waren. Der offene Dialog, den Opterra pflege, gebiete es, diesen Fehler zu bekennen. Die Werksleitung sei davon „genauso enttäuscht gewesen wie Sie“, gestand Heimburg den Gemeinderäten.

Das Werk habe allerdings sofort Konsequenzen gezogen. Die Werte für das Jahr 2017 habe man deshalb extern berechnen lassen, „damit uns das nicht noch einmal passiert.“ Erste Gelegenheit, der Werksleitung zu diesem Themenkomplex auf den Zahn zu fühlen, bestehe schon am kommenden Wochenende. Beim Zementwerkslauf am 15. September werde das gesamte Management vor Ort sein und sich gern den Fragen stellen.

Silke Meyer nahm diese Gelegenheit sofort wahr und zeigte sich wohl präpariert. Die SPD-Fraktionsvorsitzende betonte, sie werde nicht müde, für die Gesundheit der Bevölkerung die beste Technik für die Emissionen des Zementwerks zu fordern. Sie berichtete von geheimen Gesprächen der Zementwerkslobby mit Umweltministern am Frankfurter Flughafen. Dort sei es nicht gelungen, Schlupflöcher in der Emissionsverordnung zu schließen. Größtmögliche Effektivität besitze allein eine sogenannte SCR-Anlage, eine Filtertechnik zur Rauchgasreinigung. Die Werksleitung forderte sie auf, diese Technik auch in Wössingen einzusetzen. Auch Andrea Zipf (Grüne) bohrte nach. Sie wies darauf hin, dass die Messwerte sich im Vergleich mit denen der letzten Jahre sich keineswegs verbessert hätten. Sie seien im Gegenteil fast alle gestiegen. Der von Heimburg berichtete Ausstoß von 30 Kilogramm Quecksilber pro Jahr sei eine beachtliche Menge. Das entspreche einem Ausstoß von vier Gramm pro StundeA.

Jörg Heimburg räumte das nur hinhaltend ein. Die Ausschläge bewegten sich in einem kleinen, tolerierbaren Rahmen um einen Wert herum. Den von Silke Meyer herangezogenen Vergleich mit Müllverbrennungsanlagen, die in hohem Maße SCR-Anlagen einsetzen, ließ er nicht gelten. Diese Technik würde sich positiv lediglich bei den Stickoxiden deutlich bemerkbar nicht jedoch beim Quecksilber. Dafür andererseits habe man eine Anlage installiert, die über eine halbe Million Euro gekostet habe.

Ob nun Stickoxide, Kohlenoxide, Quecksilber, Staub oder Schwefeldioxid – für alle liegen lückenlose Messwerte vor. Auf 117000 Messwerte sei der Wert 2017 gesteigert worden. Nur 132 davon seien über den Grenzwerten gelegen, meinte Heimburg. Darüber hinaus legte er eine umfangreiche Statistik für die einzelnen Stoffe vor, die auch die absoluten Ausstöße enthielt, die Konrad Wolfschon in der einleitenden Fragestunde gefordert hatte. Bei den meisten Stoffen könne man keinerlei negative Auffälligkeiten oder Grenzwertverletzungen feststellen. Gerade „beim sehr emotional besetzten Thema Quecksilber“ sei man sehr erfolgreich. Er hoffe für das Jahr 2018 dort erstmals eine Null für die Grenzwertüberschreitungen berichten zu können: „Da arbeite wir sehr hart daran.“ Werksleiter Stephan Schenk unterstütze ihn mit einem „wir werden weiter versuchen uns zu verbessern.“ Karl-Heinz Burgey hoffte ebenfalls auf Erfolge in diesem Bereich und forderte dazu auf, die Schadstoffe „soweit wirtschaftlich vertretbar weiter zu minimieren“.

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Kommentare (1)

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    wessinga

    |

    Als Antwort auf: Zementwerk entschuldigt sich
    ..die Schadstoffe „soweit wirtschaftlich vertretbar weiter zu minimieren“. Bei solchen Sprüchen wird einem richtig warm ums Herz. Sie berechnen, auch mal falsch, sie messen, – aber sie machen nach wie vor Dreck, den wir einatmen oder auch essen und trinken. Was machen da schon nur 132 Überschreitungen der sowieso Profitorientierten Grenzwerte ?

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