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Zebra muss her

Moby Dick“-Eltern sorgen sich um Sicherheit ihrer Kinder

Gegen den Stachel der Obrigkeit zu löcken ist eine der vornehmsten Seiten der Narren. Davon machten die Eltern der Wössinger Kindertagesstätte „Moby Dick“ während ihres traditionellen Faschingsumzugs zum Mondspritzer im Bürgergarten reichlich Gebrauch.

Während in den Vorjahren die Skulptur im Bürgergarten mal eine rote Nase, einen lustigen Hut erhielt oder eine Luftschlange um den Hals, präsentierte sie sich gestern ab genau 11:11 Uhr in ganz und gar politischem Outfit. In Polizeigewand gekleidet, verschloss die Augen eine Binde mit dem unübersehbaren Hinweis auf das Tempo 70, das Autofahrern künftig am westlichen Wössinger Ortseingang gewährt werden soll. Daneben posierten Mamas mit eindeutigen Protestplakaten: Die freie Fahrt bedeute das „Ade für Kinder“ war dort zu lesen.

Damit begnügten sich die 80 Kinder und deren Eltern nicht. Unter den unüberhörbaren Klängen eines Ghettoblasters zog der bunte Lindwurm gen Rathaus, mit Megaphon lautstark angefeuert von Erzieherin Larissa Holtz. Dort wurden sie schon erwartet und von vereinzelten Rathausmitarbeitern aus dem ersten Obergeschoss tüchtig bombardiert mit Süßigkeiten.

Dermaßen ermutigt drang gar ein kleiner Trupp ins Rathaus ein und stürmte das Zimmer von Karl-Heinz Burgey. Doch der hatte sich vorausschauend in Sicherheit gebracht und ging scheinbar wichtigeren Geschäften auswärts nach. Um bei dem später zurückkehrenden Bürgermeister dennoch einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, legten die frustrierten Protestler im Bürgermeisterzimmer einen selbst gefertigten, symbolischen Zebrastreifen aus als ganz deutlichen Hinweis darauf, was sie von einem sich kümmernden Schultes erwarten. Nachdem der Trupp sich wieder auf den Rathausplatz zurückgezogen hatte, wurde auch dort ein riesiger Zebrastreifen aus- und ein flottes Tänzchen hingelegt, ehe sich die närrische Versammlung wieder in den „Moby Dick“ zurückzog.

Diese Überraschung wartete auf Karl-Heinz Burgey in seinem Dienstzimmer.

Was die Eltern wollen …

haben sie den Gemeinderäten und dem Bürgermeister so im Wortlaut ins Stammbuch geschrieben:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Burgey, sehr geehrter Gemeinderat,

wir, die Eltern der Kinder in Wössingen, möchten mit der symbolischen Übergabe dieses Zebrastreifens auf die aktuelle (sehr schlechte) Verkehrssituation in Wössingen aufmerksam machen und Änderungen anregen! Durch den Neubau des Rewe Supermarkts und die Erschließung des Neubaugebietes „Bäderäcker“ muss die Hauptstraße immer öfter überquert werden, und das vor einer sehr unübersichtlichen Kurve!

Auch die Kinder der Kita MobyDick nutzen die neue Einkaufsmöglichkeit als „Ausflugsziel“ um ihre Einkäufe für den monatlichen Kochtag zu tätigen und die ErzieherInnen stehen jedes Mal vor der Herausforderung, mit einer Gruppe aus 1 – 3-jährigen bzw. 2 – 6-jährigen die Hauptstraße ohne Fußgängerampel oder Zebrastreifen überqueren zu müssen. Oft schwitzen sie dabei Blut und Wasser und sind sehr froh, wenn alles gut gegangen ist und die Kinder heil auf der anderen Straßenseite angekommen sind – dieses Mal jedenfalls!

Auch innerorts gibt es nur eine Fußgängerampel auf Höhe der Schule!
Wir appellieren mit größter Dringlichkeit, dass an der bestehenden schlechten Verkehrslage in Wössingen etwas geändert werden muss!

Wir fordern die Gemeinde, den Bürgermeister und den Gemeinderat auf, sich mit den Vertretern der Eltern an einem runden Tisch zusammen zu setzten, um Walzbachtal noch kinderfreundlicher zu machen, da kinderfreundlicher mehr heißt, als das gute Betreuungsangebot. Manchmal sind es kleine, symbolische Dinge, über die man Einigkeit erlangen kann.

Darüberhinaus fordern wir, dass bei den regelmäßig stattfindenden Verkehrsschauen immer Elternvertreter mit eingeladen werden.

Grüne schließen sich an

Angedockt an die Aktion haben sich die Walzbachtaler Grünen. In einer kurzen Presseerklärung sehen auch sie „die Notwendigkeit die Verkehrssituation in Walzbachtal weiterzuentwickeln. … Die Forderung nach sicheren Fußgängerüberwegen ist schon lange eine Forderung des Grünen Ortsverbands, deshalb freut es uns sehr, dass dieses Thema durch die kreative Aktion der Eltern wieder Aufmerksamkeit bekommt.“

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Kommentare (1)

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    Werner Kuhn

    |

    Als Antwort auf: Zebra muss her
    Auszug aus meinem Leserbrief vom 13.02. zum Thema: Tafel Streit (II):
    Ich bin mal gespannt wenn beim morgendlichen Schülerverkehr zum Bahnhof Ost der erste Schüler wegen einem nicht angebrachten Gehweg auf der rechten Seite einen Unfall erleidet oder bei der Überquerung am 4 Kreuzungsbereich (Wössinger , Bruchsaler, Rappenstrasse) der erste Unfall wegen fehlendem Zebrastreifen mit einem Schüler geschieht. Was sagt dann wohl der Herr Bürgermeister? Wahrscheinlich sein zitierter Wortlaut „dass das Straßenverkehrsrecht danach nicht fragt“.
    Die Gemeinde möchte mehr Familien mit Kinder (wirbt hierfür) aber die Sicherheit auf der Strasse ist dann nicht mehr so interessant!.

    Somit gibt es immer mehr Bürger in Wössingen, welche sich sorgen um ihre Kinder wegen den fehlenden Straßenübergänge machen.
    Aber das nun auch noch die Grünen auf dem Zug aufspringen ist meines Erachtens ein wenig spät. Diese Notwendigkeit ist ja nicht ganz neu aber wahrscheinlich steckt doch hier auch dir kommende Kommunalwahl im Hinterkopf!

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