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Wildwest in Knittlingen

Auseinandersetzung um Schlösseraustausch landet vor dem Amtsgericht
„Ihnen allen eine frohe Weihnacht“, wünschte Richterin Christiane Riegel am Ende einer Verhandlung vor dem Maulbronner Amtsgericht, die alles andere als frohe Weihnachtsstimmung verbreitete. Den beiden Kontrahenten, die über die Nutzung einer Wohnung in der Brettener Straße in Knittlingen streiten, war nach allem anderen als weihnachtlicher Stimmung. Vermieter Herbert G. hatte in Abwesenheit seines Mieters die Schlösser austauschen und die Wohnung leer räumen lassen. Nicht genug damit, hatte er mit Nachmietern schon einen Vertrag geschlossen. Die waren Anfang Dezember eingezogen. Damit war er bei seinem Mieter Serkan Bulunmaz an den Falschen geraten. Der reichte Klage beim Amtsgericht Maulbronn ein.

Der Ausgang der Causa „Schlösseraustausch“ war für Richterin Christiane Riegel schon fast mit den ersten Worten sonnenklar. „Sie können doch nicht auf eigene Faust die Schlösser auswechseln. Das geht gar nicht. Sie können nicht einfach das Recht selbst in die Hand nehmen“, ermahnte sie den Vermieter. Zulässig sei das erst nach einer gewonnenen Räumungsklage mit dem entsprechenden Räumungstitel. Sie könne sich zwar vorstellen, „warum Sie das gemacht haben. Aber sie dürfen es nicht“.

Diese Formulierung musste sich der Vermieter in leichten Variationen noch einige Male beispielsweise dann anhören, wenn er darum bat, „dieses absolute Horrorjahr“ schildern zu dürfen. Er habe noch nicht einmal eine gültige Unterschrift unter einer Kündigung, erinnerte ihn die Richterin. Auf Whats-App-Dialoge allein, die er ins Feld führte, dürfe er sich nicht berufen. Die ganzen Auseinandersetzungen im Vorfeld seien nicht entscheidungsrelevant. Die Schlussfolgerung war eindeutig. Per einstweiliger Verfügung wurde der Vermieter dazu verpflichtet, Serkan Bulunmaz. wieder Zugang zu seiner Wohnung zu gewähren. Die Schlüssel müssen ausgehändigt werden.

Mit dieser Entscheidung wird die Auseinandersetzung kein Ende finden. Ein ganzer Rattenschwanz an weiteren gerichtlichen Verfahren droht sich anzuschließen. Noch im Amtsgericht kündigte der Verteidiger des Beklagten die bisher fehlende Räumungsklage an. Der Kläger wiederum, vertreten von dem Brettener Rechtsanwalt Günther Best, keilte ordentlich zurück. Die bösen Worte Nötigung, Erpressung, Verleumdung, Hausfriedensbruch flogen hin und her. Auch deswegen werde er Zivilklage einreichen, kündigte Serkan Bulunmaz an. Angesichts der „unmenschlichen Behandlung“ durch den Vermieter werde er sich auf eine außergerichtliche Einigung bestimmt nicht einlassen, schäumte der Kläger: „Was du uns angetan hast, das ist mit Geld nicht wieder gut zu machen. Auch zu 50.000 Euro würde ich nein sagen“. Kaum war die Gerichtsverhandlung beendet, setzte sich die Auseinandersetzung vor der Haustür in der Brettener Straße in Knittlingen fort. Mieter und Vermieter stritten sich trotz der gerade erlassenen einstweiligen Verfügung um den Zugang zu einem Schuppen, in dem ein Teil der ausgeräumten Möbel zwischengelagert waren. Nur wenige Stunden später verabschiedete sich Serkan Bulunmaz von seinen drastischen Formulierungen und stimmte einer von den beiden Rechtsanwälten ausgehandelten, außergerichtlichen Einigung zu. Mit wie vielen Euros Herbert G. sich diese Einigung erkauft hatte, blieb unter dem Siegel der Verschwiegenheit verborgen.

Bedauerlicher Kollateralschaden der Auseinandersetzung sind die für wenige Tage eingezogenen Nachmieter. Sie mussten wieder zurück in ihre alte Wohnung in Bretten und seien in einer „verzweifelten Lage“, meinte Herbert G. Die alte Wohnung sei gekündigt. Sie warten auf eine Räumungsklage.

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