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Wildwest in Jöhlingen …

… so könnte man einen Vorfall beschreiben, der sich in der Nacht von Freitag auf Samstag in Jöhlingen zutrug. Der Volkszorn etlicher Anwohner der Grombacher Straße entlud sich an den Fahrern einer Reinigungsmaschine, die auf der Veranlassung der Polizei, der Feuerwehr und des Walzbachtaler Bauhofs eine Ölspur beseitigten. Die etwa 700 Meter lange Ölspur begann an der Landesstraße 559 und zog sich in rund 20 Zentimeter Breite fast über die gesamte Grombacher Straße hin und endete im Hof eines Logistik-Unternehmens, das bereits in der Vergangenheit für massive Beschwerden der Anwohner und Polizeieinsätze gesorgt hatte.

Die Ölspur war dem Brettener Polizeirevier am Freitagabend um 23.30 Uhr gemeldet worden. Die benachrichtigte Walzbachtaler Feuerwehr wie auch anschließend der örtliche Bauhof sahen sich aufgrund deren Größe nicht in der Lage, sie zu beseitigen. Die Karlsruher Firma Auto-Böhler erhielt deshalb diesen Auftrag. Um zwei Uhr morgens begannen die Arbeiten mit einem „High-Tech-Cleaning-System“, so berichtet der Mitarbeiter vor Ort. Und räumt gleichzeitig ein: „Die Maschine arbeitet nicht gerade leise“. Unmittelbare Anwohner klagten später über düsenjägerähnlichem Lärm, der bis zum Ende der Arbeiten um fünf Uhr morgens anhielt.

Das war für die meisten schier unerträglich. Augenzeugen berichteten von lautstarken Protesten und Ansammlungen von aggressiven Anwohnern. Darunter seien etliche angeheiterte Gewandete gewesen, die gerade vom Peter-und-Paul-Fest nach Hause gekommen waren und Schlaf suchten. Die Proteste hätten sich so sehr in die Höhe geschaukelt, bis schließlich ein besonders unter Schlafmangel Leidender die Tür des Reinigungsfahrzeugs aufgerissen und den Zündschlüssel gezogen habe.

Er selbst sei von Anwohnern zwar nicht geschlagen, aber so massiv sehr hin- und hergeschubst worden, dass er sich keine andere Hilfe wusste, als die Polizei zu verständigen, berichtete der betroffene Böhler-Mitarbeiter. Als die Polizei kam sei der offensichtlich alkoholisierte Haupttäter geflüchtet. Einen Vorfall in diesem Ausmaß habe er in seiner über fünfzehnjährigen Dienstzeit selbst auf Autobahnen noch nicht erlebt, wo er sich bei Staus schon so manches habe anhören müssen, meinte der Mitarbeiter, der andererseits relativ gelassen reagierte.

Bernhard Brenner, Leiter des Polizeireviers Bretten, bestätigte auf Nachfrage den Polizeieinsatz, nicht allerdings die Rangeleien. Er bat gleichzeitig um Nachsicht für die unmittelbare, lautstarke Beseitigung der Ölspur noch in der Nacht. Die Polizei könne es nicht verantworten, eine solch große Ölspur eine Nacht lang liegen zu lassen. Die Gefahr, die gerade Motorradfahrern in so einem Fall droht, habe zu unmittelbarem Handeln gezwungen.

Der Vorfall reiht sich ein in eine Kette von Klagen, die Anwohner seit vielen Monaten über das litauische Logistikunternehmen führen. Ein Trost ist für sie bereit. Karl-Heinz Burgey gab am Ende der letzten Gemeinderatssitzung bekannt, dass die Gemeinde aufgrund der vielen Probleme das Gespräch mit den Grundstücksbesitzern gesucht habe. Konsequenz: Der Pachtvertrag sei zum 30. Oktober gekündigt worden.

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Kommentare (1)

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    Lars

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    Daran sieht man, wie schädlich nächtlicher Lärm ist. Das Nervenkostüm ist durch andauernde Schlafstörungen angegriffen und man reagiert ungewollt zusätzlich noch empfindlicher auf jeder weitere Störung. Das Schlimme ist, das man als Gestörter dem Störer machtlos ausgeliefert ist, die eventuell gerufene Polizei braucht in der Regel mehr als 30 Minuten bis zum eintreffen oftmals auch deutlich länger über eine Stunde, gibt ja Wichtigeres. Bis dahin ist die Ruhestörung natürlich längst vorbei.
    So kommt es dann dazu, das sich der Zorn ob der sicherlich gerechtfertigten Reinigungsarbeiten am Fahrer des Reinigungsfahrzeuges entläd. Dieser Zorn gehört aber eigentlich gegen die Gemeinde und das untätige Ordnungsamt gerichtet. An denen ist es, endlich einmal dafür zu sorgen, das gesetzliche Ruhezeiten eingehalten werden, von allen, nicht nur Privatpersonen. Derzeit macht in Jöhlingen jeder gerade das, was er will.

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