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Wie der Schreiner kanns keiner

Holz-Experten mit Computer-Unterstützung
Ikea hat mit einem beispiellosen Siegeszug die Wohnzimmer dieser Welt erobert. Ein Gegenmodell zur Massenproduktion zu Billigpreisen sind die lokalen Schreinereien. Ein besonders edles Exemplar kümmert sich in Jöhlingen um SonderanfertigungenDas ganz am westlichen Ortsrand angesiedelte Traditionsunternehmen – von Papa Helmut Hemmer gegründet – verfügt über ein breites Produktspektrum. „Wir sind schon sehr vielfältig“, meint Chef Holger Hemmer.

Nur dreißig Prozent seiner Aufträge sind Montageaufträge für Türen, Küchen, Rollläden, Parkett. Viel lieber ist ihm die sehr individuelle Möbelproduktion. Da kann es schon mal sein, dass eine Woche an einem Stück gearbeitet wird. Besonders stolz ist Holger Hemmer auf sein großes Holzlager für Massivholzmöbel, das vierzig verschiedene Holzarten umfasst. Wer so mit solchen Materialien arbeitet, bei dem kann der Preis nicht der gleiche sein wie bei dem, der mit Presspanplatten arbeitet. Ein solches Werkstück hat seinen Preis. „Billigheimer“ wird man bei der Schreinerei Hemmer nicht erhalten. Das weiß, wer hierher kommt. „Unsere Kunden sind eher materialbewusst und sind bereit, einen höheren Preis zu akzeptieren“, sieht sich Hemmer in dem Konkurrenzkampf mit Ikea gut aufgestellt.

Arbeiten immer nur mit der Mickey-Maus: Meister Christoph Reich an der CNC-Maschine



Die Arbeiten sind überdies jeweils individuell angefertigt. Die fotorealistische Darstellung wird nach Kundenwünschen entworfen. Doch ganz ohne PC geht auch beim Schreiner nichts. Der Computer kommt selbst bei der Produktion zum Einsatz. Realisiert werden die Entwürfe nämlich auf einer hochmodernen, fünfachsigen CNC-Fräse. So hochmodern, „die kann ich nicht mal selbst bedienen“, gesteht Hemmer. Vier seiner Mitarbeiter haben sich so in die digitalen Tiefen eingearbeitet, dass sie mit dem CNC-Monster umgehen kann.

Dort entstehen dann Spielgeräte für Kindergärten, eine seiner Lieblingsaufgaben. Aber auch kleinere Aufträge wie der riesigen Tisch eines Architekten mit sogenannter „Waldkante“. Eine ganze Reihe von Kinderbetten für einen Waldorfkindergarten stehen in einer Ecke. Oder eine Badschrank-Schiebetür, die einen flächenbündigen Schiebetürbeschlag erfordert, den es erst seit wenigen Jahren gibt. Eines der Prunkstücke ist eine Arbeitsbühne. Sie steht mittlerweile weltweit in Forschungsinstituten auch bei einem Scheich in Arabien. Sie kostet 18.000 Euro. In Forschungsinstituten dient sie als Beschickungssystem für ein riesiges Magnetsystem, mit dem Proben im Nanobereich untersucht werden können.

Chef immer aktiv …



Außergewöhnlich ist auch die Arbeitsweise bei Holger Hemmer. Ein Mitarbeiter ist vom Anfang bis zum Ende für ein Werkstück verantwortlich, plant es, baut es und baut es dann auch vor Ort ein. Da sind dann auch mal „sehr schräge Sachen“ darunter, wie Hemmer sagt und über den Doppelsinn des Worts grinst: „So was kriegst du in der Industrie nicht“, sagt er stolz.

Tradition und Moderne



Sieben Mitarbeiter, darunter immer wieder bei Ausstellungen mit Preise bedachte Azubis, kümmern sich in einem sehr jungen Team um die Aufträge. Mit seinen 48 Jahren ist der Chef der älteste. Auch er zieht die sogenannte Mickey-Maus auf, wenn er an der Werkbank steht. Ohne Gehörschutz geht nichts. Die sogenannte „Mickey Maus“ wie sie die Mitarbeiter nennen, ist immer auf dem Kopf. Selbst der in einer Schreinerei unvermeidliche Staub wird hier abgesaugt und zur Energiegewinnung eingesetzt. „Für unsere Wärme brauchen wir weder Öl noch Elektrizität“, sagt Holger Hemmer. Ihm sei ökologisches Handeln sehr wichtig. Seine im Frühjahr unter die sogenannte „Win-Charta“ des Landes gesetzte Unterschrift sieht er als Zeichen, sich auch zukünftig für nachhaltiges Wirtschaften einzusetzen.

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