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Baustelle für REWE in den Bäderäckern Wössingen.
Leicht belastet mit Arsen der REWE-Erdaushub

Walzbachtaler Gemeinderatssplitter


Historische Sitzung / REWE-Erde mit Arsen / Altes Rathaus wackelt / Heckenweg oder Heckerweg?
In der Jöhlinger Werkrealschule hatte Bürgermeisterstellvertreter Michael Paul eine „historische“ Abschlussfeier ausgemacht, weil nämlich es die letzte war. (Vermutlich) ebenso historischen Rang hat die Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Es ist aller Voraussicht nach die letzte, die im Wössinger Hof stattgefunden hat. Die nächste wird im neuen Rathaus stattfinden, auch wenn Karl-Heinz Burgey das 100% noch nicht hinzufügen mochte.

Dem wird gleich noch was „Historisches“ folgen, der Abriss des alten Rathauses. Der Umzug ins neue Rathaus sei abgeschlossen, informierte Karl-Heinz Burgey. Am Montagmorgen wurde das historische Gebäude dem Abrissunternehmen übergeben, das mit der Entkernung begonnen hat.

Wer kennt nicht den TV-Knaller mit dem viele das neue Jahr einläuten: „Same Procedure as every Year“ verkündet dort Freddy Frinton immer wieder aufs Neue am Silvesterabend der Mylady. Der „Same Procedure as every Year“ bediente sich auch Stefan Schenk bei der alljährlichen Vorstellung des Emissionsberichts des Wössinger Zementwerks. Silke Meyer wusste das zu toppen und antwortete mit einem anderen Filmtitel: „Und jährlich grüßt das Murmeltier“ kündigte sie die SPD-Bitte an, die von den Genossen jedes Jahr an das Werk gerichtet wird, sich noch mehr anzustrengen was die Einhaltung der Grenzwerte und Bemühungen um die Umwelt anbelangt.

Der Bürgermeister bemühte ein anderes, schon öfter gebrauchtes Bild. Ein Zementwerk sei nun mal keine Schokoladenfabrik, fasste Karl-Heinz Burgey zusammen und wies darauf hin, „dass im Werk in den letzten Jahren viel getan wurde“.

Überraschend darf der Erdaushub aus dem Neubau des Wössinger Rewe nicht ins Zementwerk abgelagert werden. Michael Paul wies darauf hin, dass die Erde leicht mit Arsen belastet sei und deshalb nicht die sogenannten Z0-Anforderungen erfülle. Daraus werde eine Riesentransportkette. Der Schuss zur Vermeidung von Umweltschäden gehe nach hinten los, ärgerte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende. „Aus gut gemeint wird das Gegenteil“! Der weite Transport sei schädlicher als die leicht belastete Erde im Zementwerk zu lagern.

Genau diese Transporte waren Monika Tittlbach ein Dorn im Auge. Seit einiger Zeit würden die Vibrationen durch vorbeifahrende LKWs an ihrem Haus immer schlimmer, beklagte sich die Besitzerin des alten Wössinger Rathauses in der Fragestunde. Es bildeten sich fingerdicke Sprünge in der Hauswand. Sie halte das bald nicht mehr aus. Ein Landratsamtsvertreter sei unverrichteter Dinge von dannen gezogen. Den Hinweis des Bürgermeisters, sie solle die Schäden durch einen Gutachter dokumentieren lassen, wies Tittlbach empört zurück. Es könne niemand erwarten, „dass wir 15 – 20.000 Euro investieren für einen Schaden, den wir nicht verursacht haben.“ Sie werde bald mit großen beschrifteten Bettlaken an ihrem Haus protestieren, kündigte sie an.

Und noch mal Zementwerk und Umwelt. Der laut Stefan Schenk überschätzte Erlös aus der riesigen Photovoltaikanlage auf dem Dach der Mischbetthalle wolle die Werkleitung in die Verschönerung nicht gerade schöne Fassade investieren. Auch für Mitarbeiter mit Elektroautos habe man eine Überraschung auf Lager.

Bei der Vorstellung ihrer Pläne zum Umbau des neuen Bürgerbüros versagte Architektin Karin Iserloh mehrfach die Technik. Den zur Hilfe herbeieilenden Florian Apelt strahlte sie an: „So was hätte ich bei mir zu Hause auch gerne!“ Der Abwerbungsversuch war beim Bürgermeister nicht gern gesehen.

Für ein bisschen Auflockerung wollte Robert Sprissler schon zu Beginn der letzten Gemeinderatssitzung sorgen. „Wo ist der Heckenweg?“ fragte mit ihm einer, der ganz genau wusste, wo der Heckenweg liegt. Für ihn jedoch und die alten Jöhlinger, so bekannte er auf Nachfrage des Bürgermeisters, läuft der Heckenweg schon immer unter „Heckerweg“ in Erinnerung an den badischen Freiheitskämpfer, der 1849 über diesen Weg die Flucht vor den Preußen angetreten hatte. Ihm schloss sich Michael Paul in der abschließenden Fragerunde der Gemeinderäte an.

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Kommentare (2)

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    A. Orschessek

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    Als Antwort auf: Walzbachtaler Gemeinderatssplitter
    Leider nur eine schöne Geschichte. Hecker reiste im Frühjahr 1848 über das Elsaß nach Konstanz, wo er den bekannten Heckerzug begann. Nach dessen Scheitern bei Kandern flüchtete er in die Schweiz und im September nach Amerika. An den weiteren Aufständen in Baden war er nicht beteiligt. 1849 kehrte er zwar nach Europa zurück, kam aber nicht nach Deutschland. Die Revolution in Baden war bereits gescheitert, als er noch in Frankreich war. Also keine Flucht vor den Preußen. Die Anhänger der alternativen Geschichtsschreibung mögen mich verdammen, sorry.

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      Waidelich Arnd

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      Das ist sicherlich die historisch richtige Darstellung, Herr Orschessek. Hecker war nicht mehr an dem 1849er Aufstand beteiligt. Historisch ebenso richtig bleibt jedoch, dass die badische Revolutionsarmee nach ihrer Niederlage gegen die Preußen am 21. Juni 1849 bei Waghäusel sich über Bretten und dann vermutlich wohl auch durch Jöhlingen nach Durlach zurückzog. Der Jöhlinger Vollksmund kümmerte und kümmert sich nun nicht so sehr um historische Detailtreue und identifizierte den für das damals kleine Dorf wohl sehr beeindruckenden Durchmarsch der badischen Truppen mit der Galionsfigur der badischen Revolutionsarme und das war nun mal Hecker. Aus dem bis dahin wohl unbenannten wurde der Heckerweg. Insofern ist wohl beides richtig, sorry.

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