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Tradition zu Ende

Bohmüller hat die Backstube abgeschlossen

Ist es nun die älteste Bäckerei Badens oder nur die in der Region? Selbst die „Gelehrten“ der Bäckerdachorganisation BÄKO streiten sich darüber. Fest steht, die Bäckerei wurde im Jahr 1865 gegründet und ist damit 154 Jahre alt. Fest steht aber auch, es wird kein weiteres Jahr zu dieser stolzen Bilanz hinzugefügt werden.

Chef Wolfgang Bohmüller, letzter Sproß einer langen Bäckerdynastie, hat aufgegeben. Am 27. April schlossen sich die Pforten seiner Bäckerei in der Gondelsheimer Straße 7 für immer.

Es liegt keineswegs daran, dass die Bohmüllers einen Umsatzeinbruch zu verzeichnen gehabt hätten. Etwa wegen der erst vor kurzem in dem fast unmittelbar angrenzenden Haus der Gesundheit eröffneten Filiale der Nussbaumer-Kette. Das alles scherte ihn nicht im geringsten, wie Wolfgang Bohmüller versichert. Er sei ganz einfach mit der Arbeit nicht mehr nachgekommen. Überdies habe der 35 Jahre alte Ofen immer wieder mal gestreikt und sei dann mit großer mit Mühe notdürftig repariert worden. Fast jede Nacht sei zum Kampf geworden. Eine Entscheidung weiter zu machen, hätte eine gewaltige Investition von 400.000 Euro erforderlich gemacht, die sich nicht mehr amortisierte hätte.

„Mit aller Gewalt“ wie er es auf Nachfrage der BNN formulierte, die Nachfrage zu befriedigen, das sei am Schluss auch auf die Gesundheit gegangen. Denn in der Backstube werkelte er am Ende – wo früher vier Mitarbeiter und er für Brezeln und Brot sorgten -praktisch nur noch allein. Verstärkung zu bekommen, das sei ihm einfach nicht mehr gelungen. Noch schlimmer sei es dann aber in den letzten Wochen geworden, als die Familie die Schließung angekündigt hatte. Die Nachfrage sei proportional mit dem immer wieder geäußerten Entsetzen der Kunden explodiert. Die Kunden hätten Brezeln und Brot geradezu gehamstert frei nach dem Motto „Das ist von denen, das muss einfach schmecken“ selbst wenn es aus der Tiefkühltruhe kommt. Er habe sogar gehört, dass vereinzelte Kunden sich extra eine Tiefkühltruhe gekauft hätten, um möglichst viele der köstlichen Bohmüllerschen Backwaren einfrieren zu könne. Deren Qualität sei sicherlich nach langem Einfrieren nicht so hochwertig wie frisch bei ihm an der Ladentheke, wunderte sich Wolfgang Bohmüller  selbst und freute sich dennoch über die nostalgischen Anwandlungen seiner begeisterten Kunden.

Wie groß das Bedauern über das Schließen der Bäckerei ist, kam in den vergangenen Wochen immer wieder in den sozialen Medien zum Ausdruck. Unzählige Ausdrücke des Bedauerns wurden in Facebook gepostet und persönliche Geschenke zum Abschied vorbeigebracht. An seiner Entscheidung habe das allerdings nichts ändern können, meinte bohmüller gegenüber den BNN, denn „gesundheitlich gehe ich nach jahrelangen 80-Stunden-Wochen auf dem Zahnfleisch“. Jetzt sei zuerst mal Erholung angesagt und eine Auszeit in der er sich nach etwas Neues umsehen will und das- da war er todsicher- „wird ganz bestimmt nichts mit der Bäckerei zu tun haben“.

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Kommentare (1)

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    Gondelsheimer

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    Als Antwort auf: Tradition zu Ende
    Zickwolf in Rinklingen gab auf, Gerweck hat verkauft, wer weiß wer noch. Bald gibts nur noch sehr wenig Auswahl beim Backwerk… Und vielleicht muss man sich dann doch mit den Erzeugnissen aus dem Supermarkt anfreunden…

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