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Teure Gefahrenbeseitigung

Zwei Millionen für den Hochwasserschutz in Walzbachtal
Das Hochwasser vom 29. Mai 2013 ist den Jöhlingern noch gut in Erinnerung. Nach sintflutartigen Regenfällen konnte das Kanalnetz die Wassermassen nicht aufnehmen. Weite Teile der B 293 beim Badischen Hof und viele Keller wurden geflutet. Das soll sich nicht wiederholen. Die Gemeinde reagierte in zwei Bereichen. Zum einen soll der Allgemeine Kanalisationsplan überarbeitet werden. Einen zweiten Baustein soll eine sogenannte Flussgebietsuntersuchung liefern. Die Karlsruher BIT-Ingenieure wurden damit beauftragt. Die Untersuchung wurde nicht auf Walzbachtal beschränkt. Das gesamte Einzugsgebiet des Walzbachs in den Gemeinden Walzbachtal und Weingarten von der Quelle bis zur Mündung in die Pfinz wurde auf seine Hochwassergefährdung untersucht. Diese Untersuchung wurde unter Berücksichtigung der vorhandenen Hochwasserrückhaltebecken aber auch unter Einbeziehung der neuesten Hochwassergefahrenkarten erstellt.

Das Ergebnis stellte Dr. Michael Rosport dem Walzbachtaler Gemeinderat vor. Die Untersuchung sei eine rein mathematische Angelegenheit, die auf den Daten meteorologischer Institute und den Hochwassergefahrenkarten des Landes beruht. Daraus sei eine hydraulische Berechnung erstellt worden. Zugrunde gelegt wurden Niederschlagsdaten für die Extremniederschläge vom einjährigen bis zum Jahrhunderthochwasser. Die Schlussfolgerung sei eindeutig: die größte Gefahr entsteht in der Jöhlinger Ortsmitte. Die Leistungsfähigkeit der Kanäle bereite gewaltige Probleme, lauten die Berechnungen des Ingenieurs. Es könne zu Überflutungen kommen.

Überschwemmung auf dem Platz des FC Viktoria Jöhlingen

Das Hochwasserrückhaltebecken „Seewiesen“ könne das im gegenwärtigen Ausbauzustand nicht verhindern. Problematisch sei, dass der Sportplatz des FC Viktoria Jöhlingen im Einstaubereich liege. Das Becken sei bei weitem nicht ausreichend leistungsfähig. Abhilfe könnte eine andere Steuerung der Drossel im Damm bringen, die man sozusagen antizyklisch so einstellen müsste, dass die Wassermassen in den “Seewiesen“ erst abgelassen würden nach dem Abflauen der Belastung in den Ortskanälen. Eine solche gestufte Steuerung würde eine deutliche Entlastung der Engstelle Jöhlingen und der Ortsverdolung bringen. Mit 48.000 Kubikmetern Stauraum und einer solchen Steuerung könne einem hundertjährigen Hochwasser begegnet werden. Die technischen Defizite seien zwar nicht wegzudiskutieren. Aber man könne etwas tun um den Schutzgrad erhöhen.

Das Rückhaltebecken sei jedoch nicht gewachsen einem hundertjährigen Hochwasser plus der zu erwartenden Mehrbelastung durch den Klimawandel. Die dafür notwendigen 75.000 Kubikmeter Stauraum mit einer weiteren Erhöhung des Damms seien aber an der Stelle nicht zu realisieren. Das ins Auge gefasste alternative Hochwasserrückhaltebecken unterhalb des Bauhofs in Wössingen sei naturschutzrechtlich schwer durchzusetzen und könne nur „Ultima Ratio“ sein.

Weniger Probleme bereite das Hochwasserrückhaltebecken im Wössinger „Brühl“. Der Stauraum sei ausreichend groß. Auch dort sollte man aber eine Änderung der Abfluss-Steuerung vornehmen und eventuell dem Bach sein altes Bett zurückgeben mit Abfluss in der Mitte des Damms. Das Rückhaltebecken im „Langental“ bringe nichts und könne aufgegeben werden. Das Volumen des Beckens im „Grund“ sei ausreichend. Es müsse allerdings auch auf einen aktuellen technischen Stand gebracht werden. Im Attental müsse man ein kleines Becken realisieren.

Bei Umsetzung aller Maßnahmen komme man auf eine Investitionssumme von 1,5 bis 2 Millionen Euro. Vom Land erhalte man einen Zuschuss in Höhe von 70 Prozent. Voraussetzung sei die Erstellung einer Nutzen-Kosten-Analyse. Ende 2019 könne man in die Planungen einsteigen, resümierte Rosport. „Es geht nicht nur um viel Geld, sondern auch um die Sicherheit unserer Einwohner und deren Eigentum“, bat Karl-Heinz Burgey um Verständnis für diese Maßnahme und erhielt eine einstimmige Kenntnisnahme.

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Kommentare (1)

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    Jöhlinger

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    Als Antwort auf: Teure Gefahrenbeseitigung
    Es wird halt auch immer mehr Oberfläche versiegelt und somit kann weniger Wasser versickern. Bei Neubauten, vermute ich, ist eine Zisterne oftmals Vorschrift. Wird aber bei Bestandsbauten weitere Fläche versiegelt, führt dies natürlich auch zu mehr Wasser für die Kanalisation. Als Beispiel will ich hier die Wöschbacher-Str. aufführen. Dort wurde bei einigen Häusern der Bereich vor/neben/… dem Haus für Parkplätze richtig versiegelt (keine Rasengittersteine). Das Wasser fliest nun eben direkt in die Kanalisation und kann nicht mehr versickern.

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