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Das Rennen beginnt

Schnipsel aus der Kandidatenvorstellung in Jöhlingen / Kuhn fehlt

Die Spannung steigt. Wird es heute Abend eine Vorentscheidung geben im Rennen um den Walzbachtaler Bürgermeistersessel? Wird einer der Außenseiter – als die Jürgen Bereswill, Werner Kuhn, Iris Würtz, Sascha Oehme und Siegfried Weber gelten – mit einer unerwarteten Performance überraschen? Wird einer der beiden Favoriten – als die Timur Özcan und Michael Paul gelten – sich einen entscheidenden Lapsus leisten? Wie reagiert das Publikum auf die Kandidaten?

Für alle Fragen wird es in wenigen Augenblicken erste Antworten geben, ehe sich danach schon der Blick richtet gen Wössinger Böhnlichhalle, wo morgen Abend die Show in die zweite Auflage geht.

Was Sie hier lesen, kann und will keine allumfassende Einschätzung sein, vielmehr einige wenige Schlaglichter werfen auf das Geschehen in der Jahnhalle des TSV.

Erster Eindruck: Die Jahnhalle platzt aus allen Nähten. Am Pressetisch Gedränge. Erste Überraschung: Werner Kuhn fehlt in der Reihe der Kandidaten, die am Pressetisch vorbeidefilieren und zum Pressefoto Aufstellung nehmen. Werner Kuhn hat mitgeteilt, dass er nicht teilnehmen möchte, informiert der Bürgermeister soeben.

Die Hitze ist schier unerträglich in der Halle. Der Schweiß trieft von den Stirnen. Gut sind die dran, die einen Fächer vor dem Gesicht schwingen. Die Kandidaten oben auf der Bühne dürfen das Jackett ausziehen, räumt der Bürgermeister ein. Das DRK steht für Notfälle zur Verfügung.

Erster Kandidat auf der Bühne: Michael Paul. Die anderen werden von Steffen Riegsinger in das Nebenzimmer „abgeführt“. Sehr viel Beifall nach dem Paulschen Vortrag. Jürgen Bereswill tritt an. Erste Zählung der Besucher in der übervollen Jahnhalle: Mit denen, die draußen stehen und sitzen, drinnen an der Wand lehnen oder einen Sitzplatz ergattert haben sind es rund 600 Bürger, die sich informieren wollen. Während Paul auf seine Heimatverbundenheit verweist („Ich liebe meine Heimat und möchte meine Erfahrung einbringen, um Walzbachtal voranzubringen“) und auf seine Arbeit im Gemeinderat verweist, streicht Bereswill seine erfolgreiche Arbeit in der Industrie heraus. Auch er gibt eine überzeugende Figur ab und erhält viel Applaus. Die 16 Jahre Amtszeit allerdings, mit denen er kokettiert, werden ihm schon aus rechtlichen Gründen nicht gelingen.

An tritt als nächste Iris Würtz. Sie verweist auf die hohe Verschuldung der Gemeinde, die große Veränderungen erforderlich mache. Einer allein werde die Aufgabe nicht bewerkstelligen können, deutet sie Arbeit im Team an. Sie stehe für Dialog und solides Wirtschaften.

Siegfried Weber liebt auch Walzbachtal. Bürgermeister wo anders zu sein, so sagt er, könne er sich deshalb nicht vorstellen. Erstes Gegrummel im Publikum, als er länglich seine berufliche Laufbahn vorstellt. Zwei Themen als Schwerpunkt. Bürgerbeteiligung und Wasserenthärtungsanlage. Nach zehn Minuten der Beifall gemessen an dem für die anderen drei Kandidaten sehr viel schwächer. Ist das ein deutliches Signal?

Ausdauer und Energie zeichne ihn aus, beginnt Timur Özcan. Mit unvoreingenommenem Blick von außen wolle er Walzbachtal nach vorne bringen. Mängel beim Hort wolle er „mit Höchstgeschwindigkeit“ beseitigen. Er versucht die Walzbachtaler Vorteile herauszustreichen, lobt die gute Arbeit für Senioren, Jugend. Er sei gekommen um zu bleiben für eine lange Zusammenarbeit – 8, 16 oder 24 Jahre. Riesiger Beifall, in den sich Jubelrufe mischen.

Sascha Oehme ziert sich zunächst, will nicht antreten, dann schreitet er doch das Publikum ab und begnügt sich am Mikrophon mit diesem Zitat: „Es wird nirgends so viel gelogen, wie vor der Wahl, während des Kriegs und nach der Jagd“. Ende der Oehme-Vorstellung. Später setzt er diese Strategie fort. Er werde nur mit Zitaten antworten, kündigt er an und zieht das durch. Schmunzeln im Publikum jedes Mal im Vorfeld, wenn er mit der Antwort dran ist: Was kommt wohl jetzt?

Nach einer 20-minütigen Pause versammeln sich die Kandidaten zusammen auf dem Podium. Karl-Heinz Burgey erläuterte die Spielregeln für die Fragerunde. Erste Frage: Wie wichtig ist ihnen das Zusammenwachsen der beiden Ortsteile? Wie steht es mit dem Mobilitätskonzept, wie passen Verstärkung des Gewerbes und Radwege zusammen. Kurzfristig werde man die LKWs nicht beispielsweise aus dem „Grund“ rausbekommen, meint Iris Würtz. Sie werde sich massiv für Radwege einsetzen. Özcan setzte auf ein innovatives Mobilitätskonzept, um den Verkehr zu reduzieren, Michael Paul auf innovatives Gewerbe, das wenig Verkehr verursacht. Was würde er ändern, ging eine weitere Frage an Michael Paul. Soziales Netz wolle er weiter ausbauen. Kritisch sah er die Finanzpolitik der letzten 16 Jahre. Er werde bestimmt kein neues Rathaus bauen.

Seine Kandidatur bei der Gemeinderatswahl in Mannheim sei wenig erfolgreich gewesen, versucht einer aus der Fragerunde gegen den Özcan-Stachel zu löcken. „Sie haben von den Mannheimern einen Denkzettel bekommen! Was war der Grund?“ Da greift der Bürgermeister ein: „Stellen Sie eine Frage, die Walzbachtal betrifft. Er wolle diese Frage nicht zulassen, weist er sie unter großem Beifall zurück.

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Kommentare (13)

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    Besucher

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    Als Antwort auf: Das Rennen beginnt
    Es war eigentlich ein sehr interessanter Abend, bis zu dem Augenblick, als die Frage bezüglich des Mannheimer Denkzettels im Stadtrat für Herrn Özcan fiel. Weshalb stellt der Schwiegervater von Herrn Michael Paul so eine Frage? Dies bedarf doch der Erwähnung! Merkt Herr Paul, dass Herr Özcan ein echter Konkurrent für ihn ist? Ist das fair, so mit seinen Mitbewerbern umzugehen? Ich finde das sehr unseriös!

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      Waidelich Arnd

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      Als Antwort auf: Das Rennen beginnt von Besucher
      So genau kenne ich mich mit den Verwandtschaftsverhältnissen der Kandidaten nicht aus. Deshalb habe ich mich bei Michael Paul vor dem Freischalten dieses Kommentars versichert, dass der Fragesteller tatsächlich sein Schwiegervater ist. Er ist es. Michael Paul legt andererseits Wert auf die Feststellung, dass diese Frage nicht mit ihm abgesprochen worden war.

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        Wähler

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        Hierzu passt doch dann wieder das Zitat von Herrn Oehme: „Es wird nirgends so viel gelogen, wie vor der Wahl (…)“

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    Friedemann Krauß

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    Als Antwort auf: Das Rennen beginnt
    Etwas befremdlich fand ich, dass Herr Burgey als scheidender Bürgermeister die Veranstaltung moderierte.

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      Friedemann Krauß

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      Nach neusten Erkenntnissen war Herr Burgey, als scheidender Bürgermeister gezwungen, die Moderation der beiden Veranstaltungen zu übernehmen. Das schreibt die Gemeindeverordnung wohl do vor.

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    Bernhard

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    Als Antwort auf: Das Rennen beginnt
    Aus sieben werden fünf – denn wer einer solchen Veranstaltung ohne vernünftige Begründung fern bleibt oder zwar da ist, aber es nicht für nötig hält, sich und seine Ziele vernünftig vorzustellen (und durch sein vorgebrachtes Zitat im Grunde genommen seinen Mitbewerbern unterstellt, sie würden nicht so ganz bei der Wahrheit bleiben) zeigt, wie völlig unwichtig ihm dieses verantwortungsvolle Amt ist und disqualifiziert sich in meinen Augen selbst.
    Bleiben also fünf – drei, denen man eher eine Außenseiterrolle zuschreibt und zwei „Spizenkandidaten“.

    Stellen Sie sich vor, Sie erben überraschend eine Firma mit rund 200 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von etwa 30 Millionen Euro, der bisherige alleinige Geschäftsführer fällt weg, Sie selbst haben eine mehrjährige anderweitige Verpflichtung übernommen und können sich also nicht selbst um ihre Firma kümmern: Würden Sie die Leitung dann tatsächlich einem zwar dynamisch und durchaus ehrliche wirkenden Menschen übertragen, der keinerlei Erfahrung auf diesem Gebiet hat und den Sie zudem so gut wie gar nicht kennen?
    Herr Özcan hat sich gut präsentiert, aber ich hab bei seiner Rede nichts gefunden, was die erwähnten „Jubelrufe“ am Ende seiner Präsentation rechtfertigen würde; mir pers. kommt es eher so vor, als seien sie weniger eine Zustimmung für ihn als ein Signal an den anderen „Spitzenkandidaten“: Herrn Paul.
    In gewohnt routinierter Art stellte der sich und seine Ziele vor. Ein solider beruflicher Hintergrund, mehrjährige Erfahrung in der Komunalpolitik vor Ort, 1. Stellvertreter des scheidenden Bürgermeisters und zudem allen kommunalpolitisch interessierten Einwohnern bestens bekannt – hier wird man sicher kaum unliebsame Überraschungen erleben. Für mich persönlich daher ganz klar meine erste Wahl.
    Aber schau’n wir mal…

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      Moritz

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      Als Antwort auf: Das Rennen beginnt Als Antwort auf: Bernhard
      Wenn man mit der bisherigen Verwaltung/Politik und dem Umgehen mit den Bürgern zufrieden ist, dann stimme ich zu. Auf die konkrete Frage an Herrn Paul, was er gedenkt anders zu machen als bisher, war die Antwort ja doch ein klares „weiter so“. Ich denke diese Aussage hat nicht alle überzeugt.

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      Radfahrer

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      Als Antwort auf: Bernhard
      Die Jubelrufe bei Herrn Paul konnte ich auch nicht verstehen (CDU Mitglieder?). Dass er sich auskennt durch seine bisherigen Arbeiten ist klar und dies sehe ich als Vorteil für ihn. Ob es ein Vorteil für die Gemeinde ist muss jeder für sich selbst beurteilen.

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    Freidenkerin

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    Als Antwort auf: Das Rennen beginnt
    Bei der Qualifikation für ein Bürgermeisteramt benötigt es neben fachlichen Qualifikationen auch menschliche Werte wie z. B. Fair Play (für „nur“ Deutschversteher;-) : anständiger Umgang mit Mitspielern/ Mitbewerbern). Für mein Empfinden hatte die Frage des Schwiegervaters ( von der Herr Paul im Vorfeld natürlich keine Kenntnis hatte) diese guten Umgangsformen missachtet. Falls ich mich auf das gleiche Niveau begeben wollte, würde ich die Frage an Herrn Paul richten wollen, wieviel Prozent Zustimmung er bei seinen Bewerbungen zum Bürgermeister in Rust und Wolfach bekommen hat? ( 16% und 20%) Das ist wohl auch kein Ergebniss, mit dem man sich brüsten kann. Deshalb: wer im Glashaus sitzt…..

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    Elke

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    Ja, das Rennen hat begonnen und es wird sehr spannend werden. In Stammtischgesprächen und in Vereinen hört man immer wieder von den „zwei Spitzenkandidaten“. Nach dieser außerordentlich gut gelungenen Veranstaltung würde ich diese Zahl nach diesem Abend auf 3 Spitzenkandiaten erhöhen. Vielleicht tut sich Walzbachtal im Moment mit dem Gedanken eine Frau als Bürgermeisterin zu haben noch etwas schwer, vielleicht war der Wahlkampfstart von Frau Würtz zu Beginn auch etwas zögerlich, aber an diesem Abend bekommt Frau Würtz für diese Vorstellung 100 Punkte. Ein sachlich korrekter Vortrag der die Situation der Gemeinde wiedergibt und auch realistisch aufzeigt welche Möglichkeiten die Gemeinde überhaupt für die Zukunft hat, nachdem man viele Jahrzehnte gute Entwicklungs- möglichkeiten verpaßt hat, Hier nur als Beispiel die Gewerbegebiete in Walzbachtal. Die Gemeinde hat einen super Standort an einer vielbefahrenen Bundesstrasse und erschließt in Jöhlingen vor ca. 15 Jahren ein Industriegebiet mit Durchfahrt durch ein Wohngebiet und ansiedeln tun sich nur kleine Klitschen da sind die Gemeinden Königsbach-Stein, Remchingen, selbst Gondelsheim und die Stadt Bretten uns Jöhlingern weit voraus. Damit einhergehend fehlende Gewerbeeinnahmen, kein Geld für eine Entkalkungsanlage teilweise rückständige Infrastruktur (Strassen, Breitbandausbau, Kanalisation).
    Walzbachtal ist eine lebenswerte Gemeinde im Speckgürtel von Karlsruhe, mit viel Potential das endlich auch ausgeschöpft werden sollte. Vielleicht wäre zur Umsetzung dieser Maßnahmen eine Frau an Walzbachtals Spitze die geeignetere Person. Frau Würtz hat mich mit ihrem sachlichen Vortag mehr als überzeugt.

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      Tilo Roth

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      Als Antwort auf: Das Rennen beginnt Als Antwort auf: Elke
      Auch die kleinen Klitschen bezahlen Gewerbesteuer und haben Angestellte

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        Elke

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        Sehr geehrter Herr Roth,
        ich wollte mit dem Begriff Klitsche keinen Unternehmer/in
        in meinem Beitrag verletzen. Ich bin froh um jeden Gewerbebetrieb der in Walzbachtal Gewerbesteuer bezahlt und damit beiträgt die Verschuldung der Gemeinde einigermassen in Griff zu bekommen. Blos, wir brauchen hier wesentlich mehr Gewerbesteuereinnahmen, wir brauchen in Walzbachtal mehr Betriebe und auch eine gute Durchmischung der Betriebe. Einige Trumpfs und Prefags mehr wären hier sicher hilfreich. Die Kindergarten und Hortgebühren expoldieren in Walzbachtal um nur ein Beispiel zu nennen, eine finanziell starke Gemeinde könnte hier Familien mit Kindern entlasten. Walzbachtal kann das nicht. Heute schreibt ein Bürgermeisterkandidat im Gemeindeblatt, er setzt sich ein daß Familien wieder bezahlbar wohnen und bauen können, die Stadtbahn zuverlässig fährt usw. Wie bitteschön will er das umsetzen ? In Walzbachtal sind so gut wie keine Bauplätze auf den Markt und wenn dann zu Preisen die für junge Familien kaum zu stemmen sind. Die Gemeinde selbst hat keine Grundstücke im Angebot. Und was soll das mit der Stadtbahn, sollen dann Gemeindearbeiter einspringen wenn bei der KVV Fahrer ausfallen. Ich fühle mich bei solchen Aussagen verschaukelt und zeifele an der Glaubwürdikeit solcher Kandidaten. Damit unsere Gemeinde wieder an Fahrt gewinnt denke ich braucht es eine/n Betriebswirtschaftler/in und weniger einem Verwalter. Lieber Herr Roth, ich denke Sie als Unternehmer sehen das genau so, den nur wenn man seine Kosten im Blick hat kann man sinnvoll wirtschaften und etwas aufbauen. Ich denke genau so haben Sie es auch gemacht sonst hätten Sie es nicht zu einer florierenden Autowerkstatt gebracht.

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    Ruth

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    Warum sollte ein bürgermeister der abdankt nicht das aĺles kommentieren.

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