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Synagoge steht

Markus Rupp berichtete dem Verein jüdisches Leben im Kraichgau über die Juden in Gondelsheim
Juden und Deutschland, das ist nicht erst seit den zwölf Jahren Nationalsozialismus eine konfliktbeladene Beziehung. Um deren regionale Geschichte kümmert sich der Verein jüdisches Leben im Kraichgau. Der in Eppingen beheimatete Verein tut das hin und wieder bei sogenannten externen Stammtischen. Einer führte nach Gondelsheim. Keine bessere Gemeinde hätte sich der Verein dafür aussuchen können. Denn mit Markus Rupp stand dort ein Experte zur Verfügung, der einen profunden Schatz an Wissen über die jüdischen Einwohner seiner Gemeinde hat.

Der gelernte Historiker und Mann an der Gondelsheimer Spitze räumte gleich mit der Mär auf, Gondelsheim sei in Zeiten des Nationalsozialismus deshalb nicht braun gewesen, weil die Synagoge die Reichskristallnacht unbeschadet überstand. Das, so stellte er richtig, grenze an Geschichtsklitterung und hänge allein damit zusammen, dass die Gondelsheimer jüdische Gemeinde bereits im Jahr 1925 weit vorher aufhörte zu existieren. Die Synagoge sei an einen Gondelsheimer Handwerker verkauft worden und damit ihrer Zerstörung wie etwa die in Bretten und Jöhlingen entgangen.

Genau dorthin führte die erste und wichtigste Station. Das Gebäude in der Leitergasse, immer noch in Privatbesitz, wurde am 13. April 1848 eingeweiht. Schon kurz vorher gab es erste Ausschreitungen gegen die jüdischen Bevölkerung wie überall in Baden im Vorfeld der badischen Revolution. Bei vielen jüdischen Familien seien Fenster eingeworfen und –läden zerstört worden, berichtete Rupp. Bei den sich anschließenden Untersuchungen hatte nach dem Prinzip der drei Affen niemand etwas gehört, niemand etwas gesehen und sagen wollte schon gar niemand etwas. Die Gondelsheimer Juden blieben unentschädigt auf ihren Schäden sitzen.

Bürgermeister Markus Rupp führte den Eppinger Verein jüdisches Leben im Kraichgau durch die jüdischen Stationen in Gondelsheim



Der tief verwurzelte Antisemitismus hatte damit kein Ende. Wenige Jahre später habe ein Lehrer die jüdischen Schüler so sehr drangsaliert, dass sie schließlich in der Synagoge unterrichtet werden mussten. Von den Verfoglungen unter dem Nationalsozialismus seien nur mehr wenige Juden betroffen gewesen, denn von den einst 110 Gondelsheimer Juden waren die meisten schon vor dem Nationalsozialismus ausgewandert oder weggezogen. An die Gedenksteine, die erst jüngst in den Gehweg vor ihren Häusern eingelassen wurden, führten weitere Stationen.

Trotz dieses Schicksals konnte Markus Rupp eine gehörige Portion Lokalstolz mit der Geschichte der Gondelsheimer Juden verbinden. Der wirtschaftlich sehr erfolgreiche Jakob Hecht sei 1958 zum Ehrenbürger ernannt worden. Dessen Sohn habe in der Frage wie umgehen mit dem Nationalsozialismus eine scharf gegensätzliche Position bezogen. Er habe sich schließlich der zionistischen Bewegung im Kampf für einen jüdischen Staat in Palästina angeschlossen. Dort sei Rudi Hecht zu einem der engsten Berater von Ministerpräsident Menachem Begin aufgestiegen und habe auch an den Verhandlungen in Camp David mit Anwar el Sadat teilgenommen. Und ein weitere in Gondelsheim zumindest geborener Jude habe es europaweit zu Ruhm gebracht: Max Levi, Gründer der Salamander-Schuhwerke, habe seine ersten Lebensjahre in Gondelsheim verbracht.

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