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Suche nach dem Glück

Meisterhaft gelungene Premiere von Alan Ayckbourns Theaterstück „Private Fears In Public Places“ im vollbesetzten Guck-e-Mol Theaterkeller in Bretten.
Sieben Personen, sieben Lebensumstände, sieben völlig unterschiedliche Charaktere, verbunden durch denselben Wunsch: raus aus der Einsamkeit. Auf der Suche nach dem großen Glück spielten sich am Samstagabend sechs sichtbare und ein unsichtbarer Darsteller in Hochform. Letzterer hatte nur eine Sprechrolle aus dem Hintergrund, die aber nicht weniger eindrücklich war.

Ayckbourns Geschichte spielt in London, hätte so aber auch in jeder anderen anonymen Großstadt handeln können. Sie beginnt mit Dan, der vor kurzem erst unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde und seither arbeitslos ist. Eine Belastung für den flegelhaften jungen Mann, aber auch für seine umtriebige Freundin Nicola, die auf der Suche nach einer gemeinsamen Wohnung ist. Während sie mit Immobilienmakler Stewart ein Domizil nach dem anderen besichtigt, lässt sich Dan in seiner Lieblingsbar volllaufen und klagt Ambrose, dem gutmütigen und etwas naiven Barmann, sein Leid. Ambrose sorgt sich derweil um seinen demenzkranken Vater Arthur (der unsichtbar gespielte Charakter im Hintergrund), dessen verbale Aussetzer schon mehrere Pflegekräfte vergrault hatten. Ehrenamtlich kümmert sich derzeit Stewarts bibelfeste Angestellte Charlotte um ihn, die nach ihrem Job im Maklerbüro gerne noch Pornos dreht, in der sie selbst die Hauptrolle spielt. Beim Anschauen dieser Filmchen wird Stewart von seiner entsetzten Schwester Irma erwischt, mit der er sich die Wohnung teilt. Was er jedoch nicht weiß: Statt abends ihre Freundinnen zu treffen, wie von Irma angegeben, antwortet sie auf Kontaktanzeigen und lernt so Dan kennen, der sich und seiner Freundin Nicola eine Auszeit gönnt…!

Es gibt herrliche Running Gags in dem Stück, wie beispielsweise das unflätige Verhalten des alten Vaters von Barkeeper Ambrose oder Stewarts Mimik beim Anschauen der ausgeliehenen DVDs, auf denen Charlotte nach dem religiösen Fernsehprogramm „Songs That Changed My Life“ mit ihren ganz persönlichen pornografischen Darbietungen begeistert. Aber am Ende neigt das Stück, das den deutschen Titel „Heimliche Ängste“ trägt, eher dazu, ans Herz zu gehen, als den Lachmuskel zu strapazieren. So zeigt Ayckbourn in diesem „Emotionsspiel“ viele Facetten der Einsamkeit, die von recht harmloser Beziehungsunfähigkeit bis hin zur Schizophrenie reichen.

Melancholie hat ein Gesicht

Als Darsteller überzeugten Andreas Nagora, Stefanie Fritz, Andreas Deuser, Dieter Freis, Bärbel Eickmeier, Tina Bronner und Heiner Werner allesamt in ihren anspruchsvollen Rollen. Die Kulisse auf ein Minimales beschränkt, spielt das Ganze in Short Cuts zwischen einem Büro, einem Wohnzimmer und einer Bar. Umso mehr waren die rund 75 Zuschauer auf das Spiel mit der Mimik fokussiert, bei welchem Bärbel Eickmeier in der Rolle der persönlichkeitsgespaltenen Charlotte herausragte, ohne die anderen Schauspieler zu schmälern.

Das Brettener Amateurtheater Guggemol führt Alan Ayckbourns Theaterstück „Private Fears In Public Places“ auf

Regisseurin Judith Fritz erzählte im Anschluss, dass Ayckbourn zu ihren Lieblingsautoren gehöre, da er seine stets etwas ambivalenten Figuren sehr liebevoll beschreibe. Dies lasse mehr Spielraum in der Darstellung zu, als bei eindimensionalen Persönlichkeiten, wo von vornerein alles klar sei. Die Brettenerin freute sich sehr über die Begeisterung im vollen Theaterkeller und war sichtbar stolz auf die Schauspieltruppe, die nach nur dreimonatiger Probe ein so gelungenes Premierenstück hinlegte.

Das Brettener Amateurtheater Guggemol führt Alan Ayckbourns Theaterstück „Private Fears In Public Places“ auf

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