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Streuobstwiesen

Flinspach führte zu Streuobstwiesen / Brettener Grüne wiederholen

Einen hohen Stellenwert hat die Streuobstwiese im baden-württembergischen Naturschutz. Nicht weniger als die Hälfte der bundesdeutschen Streuobstbestände stünden allein in Baden-Württemberg, informierte Hans-Martin Flinspach während der ersten Ökoregio-Tour dieses Jahres im Landkreis Karlsruhe. An die 35 Wanderer

aus dem gesamten Landkreis hatten sich trotz miserabelster Wettervorhersage an der Stadtbahnhaltestelle in Kleinsteinbach eingefunden, um sich in langgezogenem Treck auf die rund vierstündige Wanderung bis hin zur Endstation im Berghausener Naturfreundehaus zu machen.

Die meisten Teilnehmer hatten sich auf das mögliche Unwetter eingestellt mit Schirmen, wetterfester Kleidung und der Arthur-Schopenhauerschen Weisheit „Man darf am Wetter nie verzweifeln, solange noch ein blauer Fleck am Himmel steht“, die auf einem Schirm prangte. Während eines ganz besonders intensiven Gusses half dann aber auch das nichts mehr. Die Gruppe musste Unterschlupf suchen am Rand eines Söllinger Waldes.

Bis dahin aber war schon die wesentlichste Etappe absolviert und der Kreisökologe hatte auf einige Schätze am Wegesrand hingewiesen. Das letzte Jahr habe es besonders gut mit dem Apfelsegen gemeint. Nicht alles wurde geerntet und so mancher Baum trug schwer an der vielerorts nicht geernteten Last. „Wird denn das nicht von den Gemeinden versteigert“, mochte darob eine besorgte Mitwanderin wissen. Das ist nun eben nicht so einfach wie es aussieht, denn die meisten dieser Bäume befänden sich in Privatbesitz, informierte Flinspach.

An der gegenüberliegenden Seite des kleines Tales dann aber sofort das leuchtende Gegenbeispiel. Weiß strahlten dort die Stämme, woraus der Kreisökologe sofort ein Rätsel machte: Die schlichte Frage „Warum?“ wurde mit Frostschutz nur zur Hälfte beantwortet. Die großen Temperaturunterschiede, so klärte er auf, könnten sonst zu Spannungen und Rissbildung führen und damit zum Ende des Baumes. Eine größere Gefahr sah er allerdings in der intensiven Bewirtschaftung der Ackerflächen. Pflugscharen, die bis an den Fuß der Bäume hin eingesetzt würden und der folgende Einsatz von Pflanzenschutzmitteln seien kontraproduktiv.

Leider Gottes, so konstatierte er, befänden sich viele der Wiesen nicht in dem Zustand, der angesichts des Insektensterbens erstrebenswert wäre. Der fehlende Artenreichtum sei ernüchternd. Nutzung und Pflege könnten hier viel ändern. Flinspach wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass jeder selbst etwas dagegen tun könne. Die Streuobstinitiative des Landkreises sei ein solches Beispiel. Für den Erhalt dieser Biotope könne man durch ganz profane Mittel beitragen. „Äpfele&Birnle, den Saft aus Streuobstwiesen der Region  trinken helfe schon.

Da horchte Claus-Dieter Popp besonders auf. Der Malscher hat der Streuobstinitiative im vergangen Jahr genau 8757 Kilogramm Äpfel geliefert von seinen insgesamt 34.000 Quadratmeter zählenden eigenen Streuobstwiesen. Kaum könnte es einen interessierteren Mitwanderer geben als das Mitglied der Kelterfreunde und des Natur- und Umweltschutzvereins Malsch. Ganz anders war die Interessenlage bei Charlotte Durst. Die Heidelsheimer Studentin der Geographie an der Universität Karlsruhe schreibt gerade ihre Abschlussarbeit zum Thema „Verbuschung von Streuobstwiesen“. Anregungen für diese Arbeit erhoffte sich die 23-Jährige, die ihre Untersuchungen im Wesentlichen bisher auf den Michaelsberg beschränkt hatte. Informationen, die Grundlage waren für eine intensive Nachbereitung beim gemeinsamen Abschluss im Berghausener Naturfreundehaus.

Streuobst-Wandern mit Markus Rösler

Wer bei dem Kleinsteinbacher Termin keine Zeit hatte oder ein zweites Mal sich dem Thema widmen will, dem bieten die Brettener Grünen diese zweite Möglichkeit. Sie laden zusammen mit dem NABU Bretten zu einer Wanderung am Wald(rand) und über Streuobstwiesen am Ortsrand von Gölshausen ein. Diesem Rundweg wird der Landschaftsökonom Dr. Markus Rösler begleiten. Als Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Streuobst weiß er um die herausragende Verantwortung Baden-Württembergs für Streuobstwiesen: Es sind die größten Bestände Europas und stellen einen Lebensraum mit höchster Biologischer Vielfalt in Europa nördlich der Alpen dar. Während der Wanderung bieten sich Gelegenheiten zu Fragen und Gesprächen mit Markus Rösler.

Treffpunkt ist am Freitag, 3. Mai um 14 Uhr an der S-Bahn Station Gölshausen. Dauer etwa zwei Stunden. Weitere Infos auf www.gruene-bretten.de.

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