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Schwäbische Schwertgoschä

Gastspiel in der Saalbachhalle Gondelsheim
Eine mit über 700 Besuchern besetzte und bei stattlichen Eintrittspreisen ausverkaufte Saalbachhalle, das gibt es nicht alle Tage. Christoph Sonntag beispielsweise ist das vor geraumer Zeit gelungen und jetzt zwei schwäbischen Lastermäulern. Ihren Erfolg aus dem sommerlichen 2017er Gastspiel im drei Kilometer entfernten Neibsheim haben Petra Binder und Doris Reichenauer mit ihrem Programm „Reg mi net uf“ damit glatt verdoppelt. Wem es gelang, eine Karte für das Spektakel des Kabarett-Duos zu ergattern, der weiß spätestens jetzt, warum die schwäbischen Schwertgoschen, wie sie von der Journaille gern geheißen werden, solch einen Zulauf haben.

Der Ruf eilt ihnen zu recht in doppeltem Wortsinn voraus. Doris Reichenauer benutzte ihre „Gosch“ nämlich keineswegs nur für scharfzüngige, verbale Rundumschläge. Mit Zungenspiel, Naserümpfen, Augenaufschlag und einem gelegentlichen Grunzen begleitete sie die Tiraden ihrer Kollegin auf den Punkt genau. Da brauchte die Frau Reichenauer die Stimmbänder nicht mehr allzu sehr zu benutzen und das Publikum krümmte sich dennoch auf den Stühlen. Mit einzigartiger Mimik assistierte sie bei den Monologen ihrer kongenialen Partnerin.

Zielscheibe war zumeist das starke Geschlecht. Das kam zumindest bei der Hälfte des Publikums gut an, sitzt doch dort so manches leidgeprüfte weibliche Wesen, das nach Identifikation geradezu lechzte. Die feminine Zielgruppe wurde in der Opferrolle schon mit den ersten Sequenzen bedient, wenn „Dui do“ die Leiden der Frauen zu Beginn der Altersteilzeit des Gatten schilderten. „Uff oi Mol haschd de Mo dahoim,“ berichtete die entsetzte Petra Binder und der brachte die bis dahin wohlgeordnete Haushalts-Welt ins Wanken.

Einen Giftpfeil nach dem andern holten die beiden aus ihrem Köcher und schossen ihn wild entschlossen auf das nervende männliche Geschlecht ab. Es war eigentlich nicht viel mehr als eine zweieinhalbstündige Tour d`horizon entlang einer Kalauer-Strecke mit Stationen wie Männerschnupfen, Online-Kalender-Abhängigkeit oder sexuelle Verwirrungen bei der Suche nach der Fernbedienung für den Fernseher.

Genau so einfach wie das inhaltliche Strickmuster war das äußere Erfolgsrezept. Ein Tisch, zwei Stühle vor einem zart grünlich angeleuchteten Hintergrund – das genügte den beiden für ihren Auftritt. Zwischen Tisch und Stühlen tat sich bewegungstechnisch nicht viel. Höchstens dass sich eine der beiden mal zur körpersprachlichen Verdeutlichung eines Kalauers von der Tischkante weg in die Senkrechte davor begab, um danach aber gleich wieder füßebaumelnd darauf zurück zu sinken. Ja, ist es da ein Wunder, dass sich bei dr` Petra in den unteren Regionen ihres T-Shirts ein ganz deutlicher Rettungsring abzeichnet? Nein ist es nicht, gestand sie ganz offen und schwadronierte los über ihre Problemzone, über die so ziemlich jede andere Frau den allerdicksten Mantel des Schweigens hüllen würde.

In den Reihen der Zuschauer tat sich bewegungstechnisch dafür umso mehr. Die Damen aber auch die Herren im Publikum schüttelte es nur so vor Lachen. Die Zwerchfelle wurden strapaziert, die Schenkel geklopft, dass es nur so klatschte. So manche befürchtete für den nächsten Tag gar Schlimmes: „Ach Gott, werd ich Bauchmuskelkater haben!“. Der Dieter vorne links wird eher eingeschränkt in seinem Belustigungsgrad gewesen sein. Der prominent platzierte, arme Namensvetter des Binder-Gatten geriet immer wieder ins Visier und konnte schlussendlich nur mühsam die Aufforderung abwehren, sich vor Begeisterung das Hemd zu zerreißen und sich so auf der Bühne zu präsentieren. Gerade das aber trieb die Begeisterung der anderen umso mehr an und hielt an bis zur letzten Schmähung.

Ein Dankeschön von Bürgermeister Markus Rupp bei Doris Reichenauer und Petra Binder (links).

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