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Schnittige Sensen

Dengelkurs des Obstbauvereins Neibsheim

Rasen und Gras auf den Wiesen wird heutzutage mit dem Rasenmäher zu Leibe gerückt. Sensen sind nur noch bei einigen wenigen Nostalgikern in Gebrauch. Das Interesse daran ist indessen ungebrochen groß. Während eines Mäh- und Sensendengelkurses konnte sich der  Neibsheimer Obst- und Gartenbauverein (OGV) vor Interessenten kaum retten.

Weit über dreißig Sensenträger aus Jöhlingen, Gondelsheim, Büchig, Rinklingen und selbstverständlich Neibsheim selbst begrüßte OGV-Vorsitzender Thomas Hauck in der Halle des Vereins, ehe die Referenten Günter Kolb, Frieder Rudi und Theo Amolsch das Kommando über den Herrenclub übernahmen. Denn Mähen scheint eine fast ausschließlich männliche Disziplin zu sein. Erst weit nach Beginn gesellte sich eine einzige Dame in den Club.

Günter Kolb, graue Eminenz des Heidelsheimer Obst- und Gartenbauvereins und regional bekannter Sensenexperte, gab zunächst einmal grundlegende Informationen ehe es in die Praxis ging. Durchaus unterschiedlich nämlich waren die Exemplare, die die Teilnehmer von zu Hause mitgebracht hatten. Die Metall-Fraktion fand bei Kolb wenig Gnade. „Wenn Sie mal mit einer Sense aus Holz gemäht haben, dann fassen Sie die aus Metall nicht mehr an“. Wie sich das anfühlt, das konnte schon wenige Sekunden später draußen auf dem Grundstück des Neibsheimer OGV in Erfahrung gebracht werden.

Zuerst mal ging es raus: Günter Kolb, Vorsitzender des Obstbauvereins Heidelsheim, demonstriert das richtige Sensen wetzen

Um die „Schnittigkeit“ der Sensen vor und nach Dengeln richtig beurteilen zu können, musste jeder einmal ran an die fast fünfzig Zentimeter hoch bewachsene Wiese hinter der Halle. Ein mühsames Geschäft bei dem nur wenigen das Gerät wie Butter durch das Gras glitt. Das sollte sich erst ändern, nachdem sich die Gruppe drinnen in der Halle hinter zehn Dengelstöcken zur Instruktion versammelt hatte. Und wieder wartete Günter Kolb mit den Informationen und Techniken auf, die für eine scharfe Sense unabdingbar sind. Mit dem Dengelhammer das Eisen auf dem Dengelstock zur Schärfe weit nach außen zu treiben ist keine leichte Arbeit.

Günter Kolb, Vorsitzender des Obstbauvereins Heidelsheim, demonstriert das richtige Dengeln

Eine dreiviertel Stunde dengle er schon mal, ehe die Sense die richtige Schärfe hat, gestand der Experte und hielt für das Gelingen auch gleich eine Nagelprobe im wahrsten Sinn des Wortes parat: „Wenn Ihr es schafft, dass Ihr das Blatt mit dem Daumennagel nach oben bewegen könnt, dann könnt Ihr an der Meisterschaft teilnehmen.“ So was gibt es tatsächlich, bestätigte ein zweiter Experte. Einen flotten Spruch hatte Kolb für die Runde immer wieder parat. Etwa diesen: „Gedengelt wird grundsätzlich morgens um vier Uhr“, grinste er vielsagend und schloss mit einem „damit der Nachbar auch was davon hat.“.

Dass Nachbarn tatsächlich morgens um vier etwas davon hätten, das wurde schnell überdeutlich. Das Dengeln auf zehn Dengelstöcken entwickelte sich in der Halle zum ohrenbetäubenden Inferno, wovon sich die Akteure allerdings nicht beeinträchtigen ließen. Anz besonders fleißig war Gunter Bauer am Dengelstock. Er arbeitete sich systematisch durch die vier Methoden, die Kolb demonstriert hatte. Seit kurzem habe er einen Schrebergarten und er hoffe, nach dem Kurs mal selbst Hand an die Wiese dort legen zu können.

Frieder Rudi am Dengelapparat

Das wird er ohne Zweifel können. Denn beim abschließenden Test draußen hinter der Halle zeigten sich die Dengel-Erfolge schnell. Tatsächlich glitt so manche Sense besser durch das Schnittgut als zu Beginn. Ein durchaus anstrengendes Geschäft blieb es dennoch, so dass das Angebot von Thomas Hauck gerne angenommen wurde, sich abschließend bei einem kühlen Bier und Grillgut zu stärken.

Theo Amolsch am altertümlichen Dengelapparat

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