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Schlupfwespenangriff

Bauern setzen Drohnen zur Schädlingsbekämpfung auf Maisfeldern ein

Schädlingsbekämpfung mit Schlupfwespenlarven ist schon lange bekannt und wird ebenso lange praktiziert. Doch statt wie bisher die Larven auf Streifen im Feld anzubringen, startet dagegen jetzt auf vielen Feldern die Hightech-Drohne, beladen mit den Larven der kleinen nützlichen Flieger. GPS-gesteuert wird alle zehn Meter ein etwa 1,5 Zentimeter messender, kugelförmiger Zellulose-Kokon abgeworfen, in den die Larven eingesponnen sind.

Bei entsprechender Witterung und Temperatur machen sie sich über die Eier der Maiszünsler her, legen dort selbst Eier, die eine nächste auf den Maiszünslern parasitierende Generation entlassen.

Mike Stather ist auf diesem Sektor seit vier Jahren unterwegs. Er hat sich einen Hexakopter gekauft und hat ihn mit einem Abwurfsystem Marke Eigenbau („ich in hobbymäßig elektronisch ziemlich begabt“) ausgestattet. Die Elektronik, die Steuerung, das GPS, die Sensoren und die Carbonrohre sind gekauft. Die Verbindungsplatten des Copters sind in Handarbeit (mit dem Dremel) ausgefräst. Die restlichen Verbindungsteile (im CAD entworfen) sind aus seinem 3D-Drucker.

Mike Stather bekämpft den Maiszünsler mit Schlupfwespenlarven auf dem Acker des Jöhlinger Biobauern Markus Schmitt

Aus sieben bis maximal 15 Metern Höhe wirft er die Kokons ab. Erstmals fliegen lassen hat er ihn auf den Feldern von Markus Schmitt. Der Binsheimer Biobauer bedient sich als Mitglied des Maschinenrings Kraichgau gern seiner Dienste, „weil ich ein bisschen bequem bin“, wie er gesteht. Während seine Walzbachtaler Kollegen in Teamarbeit auf zwanzig Hektaren noch die traditionellen Streifen an die jungen Maisstängel hängen, hat er auf seinen zehn Hektaren von Anfang an davon Abstand genommen.

Der Maiszünslerplage werde er trotz dieses Hightech-Einsatzes nie ganz Herr werden, beurteilt er die Lage nüchtern. Die Ausbreitung der Populationen werde jedoch stark reduziert. Er sehe das als eine langfristige Maßnahme, mit der er verhindern könne, dass die Ichneumonidae wie sie im Biologendeutsch heißen auf seinen Äckern die Oberhand gewinnen. Wichtig dafür ist die Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsamt. Dort werde die Bedrohungslage ständig überwacht und er werde gewarnt, wenn Schädlingsgefahr ins Haus steht. Wenn die Warnung kommt, dann allerdings müsse alles sehr schnell gehen, sagt Schmitt. Binnen drei Tagen müsse die Reaktion mit dem Ausbringen der Schlupfwespenlarven kommen, sonst könne der Schädling sein Werk verrichten.

Genau jetzt ist so eine Situation. Dieser Tage ist Mike Stather unablässig am Fliegen. Bei Jörg Sakatsch in Weingarten hat er gestern angefangen, sich dann nach Jöhlingen bewegt und ist heute bei Klaus Baumgärtner in Kraichtal-Neuenbürg im Einsatz ehe es weiter in den Kraichgau hinein in Richtung Eppingen geht.

Vielleicht ein Kasten mit Details:

Die Parasitierungsrate durch Schlupfwespen kann im Freiland Werte von über 50 Prozent bis zu 80 Prozent und sogar 90 Prozent betragen, besonders bei Massenentwicklungen der Maiszünsler. Deshalb gelten sie in der Biologie als mit die wichtigsten Gegner vieler Schädlingsarten und halten deren Populationen auf natürliche Weise in Grenzen.

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